Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt, ist eine autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung: Ein defektes CFTR-Gen stört den Salz- und Wasserhaushalt der Schleimhäute, wodurch zäher Schleim Lunge, Bauchspeicheldrüse und weitere Organe verstopft. Heilbar ist die Krankheit bisher nicht, ärztliche Behandlung verbessert die Lebensqualität jedoch deutlich.
In Mitteleuropa zählt die zystische Fibrose zu den häufigsten schweren autosomal-rezessiven Erbkrankheiten. Heilbar ist sie nicht, doch die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren spürbar verbessert. Die folgenden Abschnitte behandeln Ursache, Vererbung, Symptome, Diagnostik und Therapie im Stand 2026.

Wie entsteht Mukoviszidose? Ursache im CFTR-Gen
Verantwortlich ist eine Veränderung im CFTR-Gen. Dieses Gen liefert den Bauplan für einen Chloridkanal in der Zellmembran, der Salz und Wasser durch die Schleimhäute schleust. Arbeitet der Kanal nicht richtig, gerät dieser Haushalt aus dem Gleichgewicht: Der sonst dünnflüssige Schleim wird zäh und verstopft Atemwege sowie die Ausführungsgänge von Drüsen wie der Bauchspeicheldrüse. Am häufigsten liegt der Erkrankung die Mutation F508del zugrunde.
Wie wird Mukoviszidose vererbt?
Die Vererbung folgt einem autosomal-rezessiven Muster: Nur wer von beiden Elternteilen eine veränderte CFTR-Kopie erbt, entwickelt die Krankheit selbst. Trägt jeder Elternteil eine gesunde und eine veränderte Kopie in sich, liegt das Risiko für jedes Kind bei rund 25 Prozent. Dieses Vererbungsmuster ist im Überblicksartikel zu den Erbkrankheiten und ihren Vererbungsmustern ausführlich beschrieben, es ähnelt dem der Sichelzellanämie, die ebenfalls rezessiv weitergegeben wird. Bei Familienplanung oder bekannten Fällen in der Familie hilft eine genetische Beratungsstelle in der Schweiz beim Einordnen des eigenen Trägerstatus.
Welche Symptome treten auf?
Wie stark und wo sich die Beschwerden zeigen, hängt davon ab, welche Organe betroffen sind. Häufig treten auf:
- häufige Infekte der Atemwege und chronischer Husten
- Verdauungsprobleme durch eine gestörte Bauchspeicheldrüse
- Gedeihstörungen und Untergewicht im Kindesalter
- ungewöhnlich salziger Schweiss als klassisches Erkennungszeichen
Wie wird Mukoviszidose diagnostiziert?
In vielen Ländern, auch in der Schweiz, gehört Mukoviszidose zum Neugeborenenscreening, das die Erkrankung meist schon in den ersten Lebenstagen aufdeckt. Bestätigt wird der Verdacht klassisch über den Schweisstest, der die Salzkonzentration in Schweissproben misst, sowie über eine genetische Untersuchung des CFTR-Gens. Solche genetischen Untersuchungen unterliegen in der Schweiz dem GUMG, dem Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen, das eine fachkundige Aufklärung vor dem Test vorschreibt. Weil eine frühe Diagnose der Behandlung einen zeitlichen Vorsprung verschafft, beginnt die Therapie im Idealfall schon vor den ersten deutlichen Beschwerden.
Welche Therapieansätze gibt es?
Eine ursächliche Heilung existiert bislang nicht, die Behandlung selbst hat jedoch grosse Fortschritte gemacht. Zu den wichtigsten Bausteinen zählen regelmässige Atem- und Physiotherapie, das Lösen von festsitzendem Schleim, die gezielte Behandlung von Infekten sowie die Einnahme von Verdauungsenzymen zu den Mahlzeiten. Seit einigen Jahren stehen zudem sogenannte CFTR-Modulatoren zur Verfügung, Medikamente, die je nach Mutation die Funktion des Chloridkanals teilweise wiederherstellen. Dadurch hat sich die Lebenserwartung von Betroffenen über die Jahrzehnte deutlich erhöht (Quelle: WHO/Fachregister, 2023). In der Schweiz richtet sich die Kostenübernahme nach den Vorgaben der Krankenpflegeversicherung (KVG).
Leben mit Mukoviszidose
Mukoviszidose begleitet Betroffene ein Leben lang und verlangt eine konsequente Tagesstruktur. Für viele gehören Atemtherapie, Inhalationen, die Einnahme von Verdauungsenzymen und regelmässige Kontrollen fest zum Alltag. Weil der Körper Nährstoffe schlechter aufnimmt, braucht es eine ausgewogene, energiereiche Ernährung. Spezialisierte Zentren begleiten Kinder wie Erwachsene über die Jahre und passen die Therapie laufend an den Krankheitsverlauf an. Auch der Infektionsschutz gehört zum Alltag, denn jeder Atemwegsinfekt belastet die ohnehin angeschlagene Lunge zusätzlich.
Forschung und Ausblick
In den letzten Jahren hat sich bei der Mukoviszidose einiges bewegt. Die Entwicklung der CFTR-Modulatoren zeigt, dass eine zielgerichtete Behandlung am defekten Chloridkanal möglich ist. Welche Wirkstoffe infrage kommen, hängt von der genauen Genveränderung einer Person ab, die Therapie richtet sich also nach dem individuellen genetischen Befund. Auch Ansätze aus der Gen-Editierung werden für Mukoviszidose erforscht, bislang ohne zugelassene Anwendung in der Praxis. Mukoviszidose bleibt trotzdem eine ernste Erkrankung. Fachleute sprechen deshalb bewusst von einer besseren Lebensqualität und nicht von Heilung.
Häufige Fragen zur Mukoviszidose
Ist Mukoviszidose ansteckend?
Nein. Es handelt sich um eine vererbte Erkrankung, nicht um eine Infektion. Übertragen wird nur die Genveränderung von den Eltern.
Können gesunde Eltern ein Kind mit Mukoviszidose bekommen?
Ja. Sind beide Eltern gesunde Träger, kann das Kind beide veränderten Kopien erben und daran erkranken.
Wie wird Mukoviszidose festgestellt?
Über das Neugeborenenscreening, den Schweisstest und eine genetische Untersuchung des CFTR-Gens.
Kann man Mukoviszidose heute heilen?
Heilbar ist sie nicht. Moderne Therapien lindern jedoch die Beschwerden spürbar und verbessern die Lebensqualität deutlich.
Fazit
Mukoviszidose ist eine autosomal-rezessive Erbkrankheit, verursacht durch einen Defekt im CFTR-Gen, der vor allem Lunge und Verdauung betrifft. Heilbar ist sie bis heute nicht, doch frühe Diagnose, konsequente Therapie und neuere Medikamente wie die CFTR-Modulatoren verbessern die Lebensqualität erheblich. Wer selbst betroffen ist oder Mukoviszidose in der Familie hat, findet über eine genetische Beratungsstelle konkrete Antworten zum eigenen Risiko und zur Familienplanung.

