Eine genetische Beratung ist ein ärztliches Gespräch, in dem spezialisierte Fachpersonen über erbliche Risiken, mögliche Gentests und deren mögliche Folgen aufklären. In der Schweiz ist sie vor und nach vielen genetischen Untersuchungen gesetzlich vorgeschrieben, damit Betroffene frei und informiert entscheiden können, ob sie einen Test überhaupt durchführen lassen möchten.
Genetische Fragen sind selten einfach – sie berühren Ängste, Familienplanung und manchmal auch Schuldgefühle gegenüber Kindern oder Eltern. Die genetische Beratung soll dabei helfen, eine informierte und freie Entscheidung zu treffen, bevor überhaupt ein Test zur Sprache kommt. Wie der Ablauf in der Schweiz aussieht, wer die Gespräche führt und welche Rolle die Fachgesellschaft SGMG dabei spielt, zeigen die folgenden Abschnitte. Stand: 2026.
Was ist eine genetische Beratung?
In der genetischen Beratung erklären spezialisierte Ärztinnen und Ärzte, ob und wie eine Erkrankung vererbt wird, welche Tests infrage kommen und welche Konsequenzen ein Ergebnis haben kann. Ziel ist dabei nicht, jemanden zu einem Test zu drängen, sondern eine fundierte eigene Entscheidung zu ermöglichen. Wer die Grundlagen der Vererbung noch einmal nachlesen möchte, findet sie im Beitrag DNA einfach erklärt.
Wann ist eine Beratung sinnvoll oder vorgeschrieben?
- vor einem prädiktiven Gentest
- bei familiärer Häufung einer Erkrankung
- vor und nach einem NIPT oder anderen Pränataltests
- bei Kinderwunsch und einem geplanten Trägerscreening
Das Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen (GUMG) schreibt vor, dass vor und nach bestimmten genetischen Untersuchungen eine nicht-direktive Beratung angeboten wird (Quelle: BAG, 2022).

Wie läuft die Beratung ab?
Meist beginnt das Gespräch mit der Familiengeschichte, aus der die Fachperson einen Stammbaum erstellt, um Vererbungsmuster zu erkennen. Anschliessend werden mögliche Tests sowie deren Aussagekraft und Grenzen besprochen. Erst danach entscheiden die Ratsuchenden selbst, ob sie einen Test wünschen. Nach dem Test folgt ein weiteres Gespräch, in dem das Ergebnis eingeordnet wird und offene Fragen Platz finden.
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| Anamnese | Familiengeschichte und Stammbaum |
| Aufklärung | Tests, Nutzen, Grenzen, Risiken |
| Entscheidung | frei und ohne Druck |
| Befundgespräch | Einordnung des Ergebnisses |
Wer bietet genetische Beratung an?
Genetische Beratung erfolgt an universitären Zentren für medizinische Genetik, in spezialisierten Praxen sowie bei Fachärztinnen und Fachärzten mit entsprechender Weiterbildung. Die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Genetik (SGMG) bündelt die Fachleute dieses Gebiets und fördert einheitliche Qualitätsstandards. Die Kosten einer medizinisch indizierten Beratung übernimmt in der Regel die Krankenkasse (Quelle: BAG, 2024).
Was bedeutet „nicht-direktiv»?
Ein Kernmerkmal der genetischen Beratung ist ihre Nicht-Direktivität: Die Fachperson gibt keine Empfehlung ab, ob jemand einen Test machen, eine Schwangerschaft fortsetzen oder Angehörige informieren soll. Stattdessen werden alle Optionen sachlich dargestellt, sodass die Ratsuchenden frei und nach ihren eigenen Werten entscheiden können. Dieser Grundsatz schützt vor Bevormundung und ist im GUMG verankert (Quelle: BAG, 2022).
Beratung in der Familie
Weil genetische Befunde oft mehrere Familienmitglieder betreffen, klärt eine Beratung häufig auch, wie man Angehörige informiert. Manche Familien kommen deshalb gemeinsam, um eine erbliche Erkrankung besser zu verstehen. Dabei geht es teils auch um Fragen des Datenschutzes genetischer Daten, etwa wer ein Testergebnis später einsehen darf. Die Fachperson hilft, das oft komplexe Wissen verständlich aufzubereiten, und unterstützt beim emotionalen Umgang mit dem Befund.
Häufige Fragen zur genetischen Beratung
Werde ich zu einem Test überredet?
Nein. Die Beratung ist nicht-direktiv, die Entscheidung treffen Sie selbst.
Wer führt die Beratung durch?
Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte führen sie durch, oft an universitären Zentren für medizinische Genetik.
Zahlt die Krankenkasse die Beratung?
Bei medizinischer Indikation übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung (KVG) in der Regel die Kosten.
Muss ich Angehörige mitbringen?
Pflicht ist das nicht, es kann aber helfen, die Familiengeschichte vollständig zu erfassen.
Genetische Beratung finden: so gehen Sie vor
Wer einen Gentest plant oder eine erbliche Erkrankung in der Familie vermutet, wendet sich am besten direkt an ein universitäres Zentrum für medizinische Genetik oder an eine Fachärztin beziehungsweise einen Facharzt mit entsprechender Weiterbildung – die SGMG vermittelt entsprechende Anlaufstellen. Die Beratung selbst ist gesetzlich abgesichert, unabhängig aufgebaut und in den meisten Fällen von der Krankenkasse gedeckt. Einen Überblick über die verschiedenen Testarten gibt der Beitrag DNA-Test in der Schweiz.

