Seltenste Blutgruppe: Welche ist am seltensten – und warum? (2026)

Blutproben im Labor – Blutgruppen-Bestimmung
Kurze Antwort

Die seltenste Blutgruppe der Welt ist Rh-null – auch „Goldenes Blut» genannt –, von der weltweit weniger als 50 Menschen bekannt sind; im gängigen AB0/Rhesus-System ist AB negativ (AB Rh−) mit einem Anteil von unter einem Prozent die seltenste Gruppe; daneben gilt die Bombay-Blutgruppe (hh) als medizinische Rarität, die vor allem ausserhalb Europas vorkommt.

Blutgruppen bestimmen, wer wem Blut spenden darf – und im Ernstfall kann die richtige Blutgruppe Leben retten. Dieser Artikel erklärt, wie selten einzelne Gruppen wirklich sind, warum Rh-null als „flüssiges Gold» gilt und was das für Betroffene bedeutet.

Was bedeutet „selten» bei Blutgruppen?

Infografik: Häufigkeit der Blutgruppen – von A positiv bis Rh-null
Blutgruppen im Vergleich: von der häufigsten (A+) bis zur seltensten weltweit (Rh-null). Quelle: gene.ch auf Basis SRK-Daten 2024.

Blutgruppen werden nach bestimmten Antigenen auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) klassifiziert. Das bekannteste System ist das AB0-System (mit den Gruppen A, B, AB und 0) in Kombination mit dem Rhesus-System (Rh+ oder Rh−). Eine Blutgruppe gilt als „selten», wenn sie in einer Population bei weniger als 1 von 1 000 Personen vorkommt – oder wenn Antikörper gegen sie sehr häufig sind, was Transfusionen riskant macht.

Neben AB0 und Rhesus gibt es über 40 weitere, offiziell anerkannte Blutgruppensysteme (Quelle: International Society of Blood Transfusion, ISBT, 2024). Manche dieser Antigenmuster treten extrem selten auf – darunter das berühmte Rh-null.

Die seltenste Blutgruppe der Welt: Rh-null (Goldenes Blut)

Rh-null bedeutet: Die betreffende Person besitzt kein einziges der über 50 bekannten Rhesus-Antigene auf ihren roten Blutkörperchen. Das ist äusserst aussergewöhnlich, da nahezu alle Menschen zumindest einige Rh-Antigene tragen. Weltweit sind weniger als 50 Menschen mit Rh-null dokumentiert (Quelle: American Rare Donor Program / International Blood Group Reference Laboratory, Stand 2019).

Der Name „Goldenes Blut» entstand, weil Rh-null-Blut prinzipiell an jede Person mit einem seltenen Rh-Defizit gespendet werden kann – es ist damit universell im Rhesus-System. Gleichzeitig ist es für die Trägerinnen und Träger selbst problematisch: Sie können nur von anderen Rh-null-Personen Blut empfangen, da ihr Immunsystem Antikörper gegen alle Rh-Antigene bildet. Das macht Notfalltransfusionen zu einer logistischen Herausforderung, da weltweit nur eine Handvoll kompatibler Spender existiert.

Rh-null tritt in zwei genetischen Varianten auf:

  • Regulator-Typ: Mutationen im RHAG-Gen verhindern die Expression aller Rh-Antigene.
  • Amorpher Typ: Mutationen im RHCE- und RHD-Gen führen zu komplettem Antigen-Verlust.

Die medizinische Gemeinschaft identifiziert neue Rh-null-Träger vor allem durch erweiterte Blutgruppentypisierungen in Blutbanken und Forschungsprojekten.

Bombay-Blutgruppe (hh): Die vergessene Rarität

Eine weitere extrem seltene Konstellation ist die Bombay-Blutgruppe, medizinisch als Oh oder hh bezeichnet. Betroffene fehlt das H-Antigen, das die Grundlage aller AB0-Antigene bildet. Ohne H-Antigen können A- und B-Antigene nicht gebildet werden – die Person reagiert im AB0-Test scheinbar wie Blutgruppe 0, ist aber mit keiner Standard-0-Gruppe kompatibel.

Die Bombay-Blutgruppe wurde 1952 erstmals in Mumbai (damals Bombay) beschrieben. In Europa tritt sie bei etwa 1 von 1 000 000 Menschen auf; in manchen Regionen Südasiens ist die Häufigkeit mit etwa 1 in 10 000 deutlich höher (Quelle: Yamamoto et al., Blood Reviews, 2012). Bombay-Träger können ausschliesslich von anderen Bombay-Trägern Blut erhalten – was die Versorgung im Notfall besonders schwierig macht.

Vererblich folgt die Bombay-Blutgruppe einem autosomal-rezessiven Muster: Beide Elternteile müssen je eine Kopie des mutierten FUT1-Gens weitergeben. Mehr über die Grundlagen der Vererbung der Blutgruppen erklärt der entsprechende Artikel auf gene.ch.

Seltenste Blutgruppe im AB0-System: AB negativ

Im alltäglichen Klinikbetrieb ist die Frage nach der seltensten AB0-Gruppe entscheidend. Hier gilt: AB negativ (AB Rh−) ist die seltenste der acht Standardgruppen des AB0/Rhesus-Systems. Laut Schweizerischem Roten Kreuz (SRK) hat weniger als 1 % der Schweizer Bevölkerung die Blutgruppe AB negativ.

Gleichzeitig ist AB negativ besonders wertvoll: Das Plasma von AB-Trägern enthält weder Anti-A- noch Anti-B-Antikörper, weshalb AB-Plasma als Universalplasma gilt und bei Massivtransfusionen eingesetzt wird.

Häufigkeit der Blutgruppen in der Schweiz und DACH

Die folgende Tabelle zeigt die ungefähre Verteilung der AB0/Rhesus-Blutgruppen in der Schweiz (Quelle: Schweizerisches Rotes Kreuz SRK / Blutspende SRK, Daten 2023):

Blutgruppe Häufigkeit in der Schweiz (ca.) Besonderheit
A positiv (A Rh+) ~37 % Häufigste Gruppe
0 positiv (0 Rh+) ~35 % Zweithäufigste Gruppe
B positiv (B Rh+) ~9 % Dritthäufigste Gruppe
AB positiv (AB Rh+) ~4 % Universalempfänger (Erythrozyten)
A negativ (A Rh−) ~6 % Wichtiger Spender für A−-Empfänger
0 negativ (0 Rh−) ~6 % Universalspender (Erythrozyten)
B negativ (B Rh−) ~2 % Selten, aber wichtig für B−-Empfänger
AB negativ (AB Rh−) <1 % Seltenste AB0-Gruppe; Universalplasma

Die Verteilung in Deutschland und Österreich ist ähnlich; im DACH-Raum insgesamt liegt AB negativ ebenfalls unter 1 % (Quelle: Deutsches Rotes Kreuz DRK, 2023). Rhesus-negative Blutgruppen sind in Europa häufiger als in Asien oder Afrika, wo Rh-negative Gruppen seltener vorkommen.

Warum seltene Blutgruppen für Transfusionen wichtig sind

Bei einer Bluttransfusion muss die Blutgruppe des Spenders mit der des Empfängers kompatibel sein. Bekommt ein Patient inkompatibles Blut, reagiert sein Immunsystem mit einer hämolytischen Transfusionsreaktion – die lebensbedrohlich sein kann.

Für Menschen mit seltenen Blutgruppen wie Rh-null oder Bombay ist die Versorgung in Notfällen eine logistische Herausforderung:

  • Internationale Blutbanken (z. B. das American Rare Donor Program oder das britische International Blood Group Reference Laboratory) führen weltweite Register seltener Spender.
  • Personen mit extrem seltenen Blutgruppen werden oft gebeten, eigenes Blut einzufrieren (Autologe Transfusion), um im Notfall versorgt werden zu können.
  • In der Schweiz koordiniert die Blutspende SRK Schweiz die Versorgung mit seltenen Blutprodukten und ist mit internationalen Netzwerken vernetzt.

Das unterstreicht die Bedeutung regelmässiger Blutspenden: Je grösser der Spenderpool, desto besser können auch seltene Gruppen versorgt werden.

Wie Blutgruppen vererbt werden

Blutgruppen werden nach den Mendelschen Gesetzen autosomal vererbt. Jedes Kind erbt je ein AB0-Allel von Mutter und Vater; das Rhesus-D-Antigen (Rh+ vs. Rh−) folgt ebenfalls einem autosomal-dominanten Muster, wobei Rh− rezessiv ist. Ausführliche Erklärungen dazu – inklusive Erbgangstabellen – findest du im Artikel zur Vererbung der Blutgruppen auf gene.ch.

Seltene Blutgruppen wie Rh-null oder Bombay entstehen durch Mutationen in spezifischen Genen (RHAG, RHCE, RHD bzw. FUT1). Diese Mutationen sind häufig rezessiv und treten deshalb nur auf, wenn beide Elternteile das entsprechende Allel tragen. Wer mehr über Grundlagen der DNA und Genetik erfahren möchte, findet auf gene.ch einen verständlichen Einstieg. Einen konkreten DNA-Test in der Schweiz kann aufzeigen, ob man Träger seltener genetischer Varianten ist.

Häufige Fragen zur seltensten Blutgruppe

Was ist die seltenste Blutgruppe der Welt?

Die seltenste Blutgruppe der Welt ist Rh-null („Goldenes Blut»). Weltweit sind weniger als 50 Personen mit dieser Blutgruppe bekannt (Stand: International Blood Group Reference Laboratory, 2019). Rh-null-Träger besitzen kein einziges Rhesus-Antigen auf ihren roten Blutkörperchen.

Welche Blutgruppe ist am seltensten in der Schweiz?

Im AB0/Rhesus-Standardsystem ist AB negativ (AB Rh−) mit einem Anteil von unter 1 % die seltenste Blutgruppe in der Schweiz (Quelle: Blutspende SRK Schweiz, 2023). Medizinische Raritäten wie Rh-null oder die Bombay-Blutgruppe kommen in der Schweiz ebenfalls vor, sind aber noch weitaus seltener.

Was ist Goldenes Blut?

Goldenes Blut ist der Volksmund-Begriff für die Blutgruppe Rh-null. Der Name kommt daher, dass dieses Blut an alle Personen mit seltenen Rh-Defiziten gespendet werden kann – es ist also im Rhesus-System universell einsetzbar. Gleichzeitig können Rh-null-Träger selbst nur von anderen Rh-null-Spendern Blut erhalten, was medizinisch ausserordentlich anspruchsvoll ist.

Welche ist die häufigste Blutgruppe in der Schweiz?

Die häufigste Blutgruppe in der Schweiz ist A positiv (A Rh+) mit rund 37 % der Bevölkerung, gefolgt von 0 positiv mit ca. 35 % (Quelle: Blutspende SRK Schweiz, 2023). Zusammen decken diese beiden Gruppen fast drei Viertel der Bevölkerung ab.

Kann sich die Blutgruppe im Laufe des Lebens ändern?

Nein, die Blutgruppe bleibt in aller Regel lebenslang unverändert, da sie genetisch festgelegt ist. In sehr seltenen Fällen – etwa nach einer Knochenmarktransplantation – kann sich die Blutgruppe des Empfängers an die des Spenders angleichen, weil die neuen blutbildenden Stammzellen die Blutgruppe des Spenders tragen. Das ist jedoch eine medizinische Ausnahme, keine natürliche Veränderung.

Warum ist die Bombay-Blutgruppe so problematisch?

Menschen mit der Bombay-Blutgruppe (hh) können ausschliesslich Blut von anderen Bombay-Trägern empfangen, da ihr Immunsystem Antikörper gegen das H-Antigen bildet, das in allen anderen Blutgruppen vorhanden ist. Da die Bombay-Blutgruppe in Europa extrem selten ist (ca. 1 in 1 000 000 Personen), gestaltet sich die Notfallversorgung besonders schwierig.

Fazit

Die seltenste Blutgruppe der Welt ist Rh-null – ein medizinisches Phänomen, das weltweit weniger als 50 Menschen betrifft. Im Alltag ist AB negativ die seltenste AB0-Gruppe in der Schweiz. Seltene Blutgruppen wie Rh-null und die Bombay-Gruppe machen deutlich, wie komplex das Blutgruppensystem ist – und wie wichtig Blutspenden und internationale Vernetzung für die Versorgungssicherheit sind. Wer mehr über Genetik und Vererbung erfahren möchte, findet auf gene.ch vertiefte Artikel zu Blutgruppen-Vererbung und zu DNA-Grundlagen.

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