Blutgruppen vererben: Tabelle und Regeln

Blutproben im Labor zur Blutgruppenbestimmung
Kurze Antwort

Die Blutgruppe wird über das AB0-System und den Rhesusfaktor vererbt: Jedes Kind erhält je ein Allel von Mutter und Vater, wobei A und B dominant über 0 sind. So lässt sich aus den Blutgruppen der Eltern vorhersagen, welche Blutgruppen beim Kind möglich sind.

Das AB0-System zählt zu den anschaulichsten Beispielen dafür, wie dominante und rezessive Allele zusammenwirken. Es baut unmittelbar auf den Grundlagen der DNA auf, denn dort ist festgelegt, welche Oberflächenmerkmale die roten Blutkörperchen tragen.

Das AB0-System

Infografik: Vererbung der Blutgruppen im AB0-System
AB0-System und Rhesusfaktor auf einen Blick.

Im AB0-System gibt es drei Allele: A, B und 0. Jeder Mensch trägt zwei davon, eines auf jedem seiner homologen Chromosomen. A und B sind beide dominant und gleichwertig (kodominant), 0 ist gegenüber beiden rezessiv. Daraus ergeben sich vier mögliche Blutgruppen:

  • Blutgruppe A: Genotyp AA oder A0.
  • Blutgruppe B: Genotyp BB oder B0.
  • Blutgruppe AB: Genotyp AB – beide Merkmale werden ausgeprägt.
  • Blutgruppe 0: Genotyp 00 – nur dann tritt 0 in Erscheinung.

Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp: Eine Person mit der sichtbaren Blutgruppe A kann genetisch AA oder A0 sein.

Der Rhesusfaktor

Zusätzlich zum AB0-System trägt das Blut den Rhesusfaktor. Rhesus-positiv (Rh+) ist dominant, Rhesus-negativ (Rh−) rezessiv. Zwei Rh-positive Eltern können daher ein Rh-negatives Kind bekommen, wenn beide das rezessive Allel weitergeben. Bei einer Rhesus-negativen Mutter und einem Rhesus-positiven Kind kann es zwischen mütterlichem und kindlichem Blut zu einer Unverträglichkeit kommen. Deshalb wird der Rhesusfaktor in der Schweiz routinemässig im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge bestimmt.

Vererbungstabelle

Die folgende Tabelle zeigt, welche Blutgruppen bei den Kindern im AB0-System möglich sind:

Eltern Mögliche Blutgruppen der Kinder
0 × 0 0
A × 0 A, 0
A × B A, B, AB, 0
AB × 0 A, B
AB × AB A, B, AB

Warum die Blutgruppe medizinisch zählt

Bei Bluttransfusionen zählt die Blutgruppe genauso wie bei der Vererbung: Sie entscheidet, ob Spender- und Empfängerblut zusammenpassen. Wird einem Menschen Blut einer unverträglichen Gruppe übertragen, kann das Immunsystem heftig reagieren. Deshalb wird vor jeder Transfusion die Blutgruppe sorgfältig bestimmt. Menschen mit Blutgruppe 0 und Rhesus-negativ gelten als universelle Spender für rote Blutkörperchen, weil ihre Zellen weder das A- noch das B-Merkmal tragen. Wer seine Blutgruppe kennt, kann zudem im Notfall schneller versorgt werden.

Häufigkeit in der Schweiz

In der Schweizer Bevölkerung sind die Blutgruppen A und 0 am weitesten verbreitet, während AB die seltenste Gruppe ist (Quelle: Blutspende SRK Schweiz, 2024). Rund 85 Prozent der Menschen in Mitteleuropa sind zudem Rhesus-positiv (Quelle: Blutspende SRK Schweiz, 2024). Blutspendedienste behalten diese Verteilung im Blick, wenn sie 2026 die Versorgung mit Blutkonserven planen.

Häufige Fragen zur Blutgruppen-Vererbung

Kann ich aus den Eltern-Blutgruppen die Blutgruppe des Kindes berechnen?

Aus den Blutgruppen der Eltern lässt sich das mögliche Spektrum bestimmen, aber nicht immer eine einzige Blutgruppe. Eine Vererbungstabelle zeigt die Bandbreite.

Können zwei Eltern mit Blutgruppe A ein Kind mit Blutgruppe 0 haben?

Ja, wenn beide Eltern den Genotyp A0 tragen und jeweils das 0-Allel weitergeben. Das Kind ist dann 00, also Blutgruppe 0.

Was bedeutet Rhesus-negativ?

Rhesus-negativ bedeutet, dass das Rhesus-Merkmal fehlt. Es wird rezessiv vererbt, weshalb beide Eltern das Allel weitergeben müssen.

Eignet sich die Blutgruppe als Vaterschaftsnachweis?

Nur eingeschränkt. Eine Blutgruppe kann eine Vaterschaft ausschliessen, aber nicht sicher beweisen. Dafür sind moderne DNA-Vaterschaftstests nötig.

Ähnlich wie bei der Vererbung der Augenfarbe entscheidet auch hier, wie mehrere Allele gemeinsam wirken, über das Ergebnis.

Manche Kombinationen treten extrem selten auf – welche das ist, zeigt der Beitrag zur seltensten Blutgruppe.

Wann sich eine genetische Beratung lohnt

Bei den meisten Familien lässt sich die Blutgruppe des Kindes allein mit der Vererbungstabelle gut einordnen. Treten jedoch unerwartete Kombinationen auf, oder bestehen in der Familie zusätzlich vererbte Blutkrankheiten wie Thalassämie oder Sichelzellanämie, kann eine genetische Beratungsstelle die Situation im Detail einordnen. Genetische Untersuchungen am Menschen sind in der Schweiz durch das GUMG, das Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen, geregelt. Es legt unter anderem fest, dass Betroffene vor einem Test umfassend aufgeklärt werden müssen.

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