Das Marfan-Syndrom ist eine vererbte Erkrankung des Bindegewebes, bei der ein verändertes Gen die Stabilität von Geweben in Herz, Gefässen, Skelett und Augen beeinträchtigt.
Das Bindegewebe hält den Körper buchstäblich zusammen. Beim Marfan-Syndrom ist es schwächer, was vor allem die Hauptschlagader gefährden kann. Dieser Beitrag (Stand 2026) erklärt die genetische Ursache, das Vererbungsmuster, die Symptome sowie die wichtigsten Kontroll- und Therapieansätze.

Ursache: das FBN1-Gen und Fibrillin
In den meisten Fällen liegt eine Veränderung im FBN1-Gen vor. Dieses Gen liefert den Bauplan für Fibrillin – ein Faserprotein, das dem Bindegewebe Halt und Elastizität gibt. Ist Fibrillin verändert, werden Gewebe dehnbarer und weniger belastbar. Das erklärt, warum so unterschiedliche Körperregionen betroffen sein können.
Vererbung: autosomal-dominant
Das Marfan-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt. Eine veränderte Genkopie genügt, sodass jedes Kind eines betroffenen Elternteils ein Risiko von rund 50 Prozent hat. In einem Teil der Fälle entsteht die Veränderung jedoch neu, ohne dass ein Elternteil betroffen war. Dieses dominante Muster findet sich auch bei der Chorea Huntington und ist im Überblick zu den Erbkrankheiten erklärt.
Symptome
Das Erscheinungsbild ist sehr unterschiedlich. Häufige Merkmale sind:
- hoher, schlanker Körperbau mit langen Armen, Beinen und Fingern
- Veränderungen am Brustkorb und an der Wirbelsäule
- Augenprobleme, etwa eine verschobene Linse
- Erweiterung der Aorta (Hauptschlagader) – das gefährlichste Merkmal
Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf eine genaue körperliche Untersuchung, die Familiengeschichte, eine Herz- und Gefässuntersuchung, eine augenärztliche Kontrolle und gegebenenfalls einen Gentest des FBN1-Gens. Weil die Symptome vielfältig sind, arbeiten verschiedene Fachrichtungen zusammen.
Therapieansätze
Heilbar ist das Marfan-Syndrom nicht, doch mit guter Betreuung lassen sich Risiken deutlich senken. Im Zentrum stehen regelmässige Kontrollen der Aorta, blutdruck- und herzschonende Medikamente, augenärztliche Betreuung und – bei drohender Gefässerweiterung – rechtzeitige Operationen. Sport und Belastung werden individuell mit dem Behandlungsteam abgestimmt. Eine genetische Beratung hilft Familien, das Wiederholungsrisiko einzuordnen, ähnlich wie beim Test auf BRCA-Genveränderungen.
Leben mit dem Marfan-Syndrom
Mit guter Betreuung können viele Menschen mit Marfan-Syndrom ein erfülltes Leben führen. Entscheidend sind regelmässige Kontrollen, ein bewusster Umgang mit körperlicher Belastung und eine offene Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam. Da die Erkrankung verschiedene Organe betrifft, koordinieren oft mehrere Fachrichtungen die Betreuung. Auch psychologische Aspekte spielen eine Rolle, etwa wenn körperliche Einschränkungen den Alltag prägen. Information und Austausch helfen, mit der Diagnose selbstbestimmt umzugehen.
Wiederholungsrisiko und Familienplanung
Weil das Marfan-Syndrom dominant vererbt wird, beschäftigt das Wiederholungsrisiko viele Familien. Eine genetische Beratung erklärt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Kind die Veränderung erbt, und welche Untersuchungen möglich sind. Da ein Teil der Fälle neu entsteht, ist nicht jede Diagnose familiär vorbelastet. Klar ist: Eine fundierte Beratung ist sinnvoller als Spekulation, denn nur sie ordnet die individuelle Situation richtig ein.
Häufige Fragen zum Marfan-Syndrom
Ist jeder grossgewachsene Mensch betroffen?
Nein. Grosswuchs allein ist kein Beweis. Erst das Zusammenspiel mehrerer Merkmale und gegebenenfalls ein Gentest sichern die Diagnose.
Warum ist die Aorta so wichtig?
Weil das schwächere Bindegewebe die Hauptschlagader erweitern kann. Regelmässige Kontrollen beugen gefährlichen Komplikationen vor.
Kann man mit dem Marfan-Syndrom Sport treiben?
Vieles ist möglich, doch intensive Belastungen sollten mit dem Behandlungsteam abgesprochen werden.
Wird das Marfan-Syndrom immer vererbt?
Häufig ja, da es dominant ist. In einem Teil der Fälle entsteht die Veränderung jedoch neu, ohne familiäre Vorgeschichte.
Fazit
Das Marfan-Syndrom beruht meist auf einer Veränderung im FBN1-Gen, die das Bindegewebe schwächt. Es wird autosomal-dominant vererbt und betrifft vor allem Herz, Aorta, Skelett und Augen. Heilbar ist es nicht, doch regelmässige Kontrollen und gezielte Behandlung schützen wirksam vor Komplikationen.

