Chicoree

Kurze Antwort

Chicorée ist ein bittersüsses Gemüse aus der Wurzelpflanze Cichorium intybus, das vor allem für seinen hohen Inulingehalt bekannt ist – einem Präbiotikum, das die Darmflora gezielt fördern kann. Wie gut dein Darm von Inulin profitiert, hängt unter anderem von der genetisch mitbestimmten Zusammensetzung deines Mikrobioms ab.

Chicorée auf einen Blick
Botanisch Cichorium intybus var. foliosum (Korbblütengewächs)
Besonders reich an Inulin (5–8 g/100 g frisch), Vitamin K, Folat, Bitterstoff Lactucopicrin
Kalorien sehr kalorienarm, ca. 17 kcal/100 g
Verwendung Salat, Gratin, Rohkost; Chicorée-Wurzel als Kaffeeersatz
Genetik-Bezug Mikrobiom-Komposition (präbiotische Reaktion); Bitterstoff-Wahrnehmung (TAS2R38)
Herkunft ursprünglich Mittelmeerraum; heute vor allem aus Holland und Belgien

Chicorée entfaltet seinen Nutzen vor allem durch Inulin – ein Fructooligosaccharid, das unverdaut in den Dickdarm gelangt und dort als Futter für Bifidobakterien dient. Wer Chicorée zum ersten Mal isst, bemerkt vielleicht Blähungen: Das ist ein Zeichen, dass die Darmbakterien aktiv sind. Bitterstoff-Empfindliche nehmen die typische Bitterkeit stärker wahr als andere – das liegt am Gen TAS2R38.

Inulin und Darmgesundheit

Inulin ist das Herzstück des gesundheitlichen Nutzens von Chicorée. Als präbiotischer Ballaststoff gelangt es unverdaut in den Dickdarm und ernährt dort spezifisch gesundheitsförderliche Bakterien:

  • Bifidobacterium und Lactobacillus vermehren sich durch Inulin und produzieren kurzkettige Fettsäuren (SCFA) wie Butyrat.
  • Butyrat ernährt die Darmschleimhautzellen und kann die Darmbarriere stärken.
  • Mehr nützliche Bakterien drängen schädliche Keime zurück (kompetitive Verdrängung).

Vitamine und Bitterstoffe

Nährstoffe in 100 g frischem Chicorée
Nährstoff Menge Funktion
Vitamin K ca. 231 µg Blutgerinnung, Knochengesundheit
Folat ca. 37 µg Zellneubildung, Schwangerschaft
Inulin 5–8 g Präbiotikum, Darmflora
Lactucopicrin Spuren Bitterstoff, diskutierte Schlaffördernde Wirkung
Inulingehalt je 100 g frisch (g, Richtwerte)Chicorée-Wurzel~20 gChicorée (Blatt)~6 gTopinambur~14 gKnoblauch~12 gZwiebeln~4 gWerte variieren stark je nach Sorte und Erntezeitpunkt
Chicorée-Wurzel ist eine der reichsten Inulinquellen überhaupt; das Blattgemüse liefert bereits relevante Mengen für die Darmflora.

Zubereitung und Tipps

Wer Chicorée nicht bitter mag, kann ihn wässern (30 Minuten in Wasser), erhitzen (Bitterkeit wird milder) oder mit süssen Komponenten kombinieren (Nüsse, Birne, Orangen). Beim Erhitzen wird Inulin teilweise gespalten – frischer Chicorée liefert mehr Inulin als gegartes.

Häufige Fragen

Warum schmeckt Chicorée für manche Menschen viel bitterer?

Das liegt am TAS2R38-Gen, das Bitterrezeptoren auf der Zunge codiert. Sogenannte „Super-Taster» mit bestimmten Varianten nehmen Bitterstoffe wie Lactucopicrin in Chicorée deutlich intensiver wahr als „Non-Taster».

Ist Chicorée gut für den Darm?

Ja, durch seinen Inulingehalt. Inulin ist ein Präbiotikum, das Bifidobakterien und Laktobazillen im Dickdarm ernährt und die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren anregt.

Kann Chicorée Blähungen verursachen?

Ja, besonders am Anfang und bei grossen Mengen. Inulin wird von Darmbakterien fermentiert, wobei Gas entsteht. Mit kleinen Portionen beginnen und langsam steigern; der Körper gewöhnt sich an.

Ist Chicorée-Kaffee dasselbe wie Chicorée-Gemüse?

Nein. Chicorée-Kaffee wird aus der gerösteten Wurzel von Cichorium intybus hergestellt und enthält kein Koffein. Das Blattgemüse, das du im Gemüseregal findest, ist dieselbe Pflanzengattung, aber unterschiedlich verarbeitet.

Sollte ich bei Blutverdünnern Chicorée meiden?

Chicorée enthält viel Vitamin K (ca. 231 µg/100 g), das die Blutgerinnung beeinflusst. Wer Warfarin oder ähnliche Cumarin-Präparate nimmt, sollte Vitamin-K-reiche Lebensmittel konstant und nicht schlagartig vermehren – ärztliche Rücksprache empfohlen.

Fazit

Chicorée ist ein unterschätztes Gemüse mit echtem präbiotischem Potenzial durch seinen Inulingehalt. Wie intensiv du den Bittergeschmack wahrnimmst und wie stark du von Inulin profitierst, hängt zu einem guten Teil von deinen Genen ab – von TAS2R38 bis zur Zusammensetzung deines Mikrobioms. Am besten: regelmässig essen und die Portion langsam steigern.

Quellen

  1. Kelly, G.: Inulin-type prebiotics: a review (Part 1), Alternative Medicine Review, 2008.
  2. Wooding, S.: Phenylthiocarbamide: a 75-year adventure in genetics and natural selection, Genetics, 2006.
  3. Van Loo, J. et al.: On the presence of inulin and oligofructose as natural ingredients in the western diet, Critical Reviews in Food Science and Nutrition, 1995.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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