Zitronengras

Kurze Antwort

Zitronengras (Cymbopogon citratus und verwandte Arten) ist eine tropische Grasart aus der Familie der Süssgräser, die als Gewürz, Tee und Aromapflanze genutzt wird und deren ätherisches Öl zu 70–85 % aus Citral (Geranial + Neral) besteht. Wie dein Körper Citral abbaut und wie du auf die antientzündlichen Inhaltsstoffe reagierst, ist genetisch mitbestimmt – besonders durch CYP1A2, Geruchsrezeptor-Gene und SNPs in Entzündungs-Promotoren.

Zitronengras auf einen Blick
Botanisch Cymbopogon citratus (Westindisch), C. flexuosus (Ostindisch); Familie Poaceae
Verwendete Teile Stängel/Blätter (frisch, getrocknet, als Tee), ätherisches Öl (destilliert)
Hauptwirkstoffe Citral (Geranial + Neral, 70–85 %), Myrcen, Geraniol, Limonene
Typische Anwendung Küche (asiatisch), Tee, Aromatherapie, Insektenrepellent, Kosmetik
Sicherheit ätherisches Öl Max. 0,7 % auf Haut (IFRA); Citral ist ein bekanntes Kontaktallergen; verdünnen!
Genetik-Bezug Citral-Metabolismus (CYP1A2), Duftrezeptoren (OR-Gene), Entzündungs-SNPs (TNF-Alpha-Promotor, IL-6)

Zitronengras ist aus der südostasiatischen, indischen und westafrikanischen Küche kaum wegzudenken. In Thai-Currys, vietnamesischen Suppen und indonesischen Marinaden gibt es seinen unverwechselbaren zitrusfrischen, leicht erdigen Duft. Doch Zitronengras ist mehr als ein Gewürz: Sein ätherisches Öl wird in Aromatherapie, Kosmetik und als natürliches Insektenrepellent eingesetzt. Das Citral – Hauptbestandteil des Öls – ist geruchlich intensiv und biologisch aktiv, aber auch potenziell sensibilisierend für die Haut.

Inhaltsstoffe und Wirkprofil

Citral: Hauptwirkstoff und wichtigstes Allergen

Citral ist der namensgebende Duftträger und besteht aus zwei Stereoisomeren: Geranial (trans-Citral, ca. 60 %) und Neral (cis-Citral, ca. 40 %). Es verleiht dem Öl seinen intensiv zitronigen Geruch. Citral ist in der EU unter den 26 deklarierpflichtigen Allergenen in Kosmetika gelistet (Anhang III der Kosmetik-Verordnung) – ein Hinweis, dass es bei sensibilisierten Personen Kontaktallergien auslösen kann.

Myrcen, Geraniol, Limonene

Neben Citral enthält das ätherische Öl Myrcen (antioxidativ in Zellstudien), Geraniol (bekanntes Insektenrepellent) und Limonene (Terpen, das auch in Orangen- und Zitronenschale vorkommt). Diese Begleitkomponenten tragen zum Gesamtprofil und zur Komplexität des Dufts bei.

Anwendungsgebiete

Küche und Tee

Frisches oder getrocknetes Zitronengras aromatisiert Currys, Suppen und Marinaden. Zum Trinken: 2–3 frische Stängel (grob zerkleinert) in 500 ml heissem Wasser 10 Minuten ziehen lassen. Der Tee gilt als Genussmittel; Gesundheitsaussagen sind in der EU reguliert und müssen wissenschaftlich belegt sein.

Aromatherapie und Diffusor

3–5 Tropfen ätherisches Zitronenöl im Diffusor für Sessions bis 30 Minuten. Zitronengras kombiniert gut mit Lavendel, Eukalyptus und Ingwer. Der frische Duft wird oft für Konzentration und Raumfrische genutzt.

Topische Anwendung (verdünnt)

IFRA begrenzt Zitronengrasöl auf max. 0,7 % in hautnahen Produkten (Kategorie 4: Körperlotion). Der Grund: Citral-Sensibilisierung. Verdünnung im Trägeröl ist Pflicht; vor der Anwendung immer einen Hauttest an der Ellenbeuge machen.

Insektenrepellent

Geraniol und Citral wirken insektenabweisend; der Effekt ist deutlich schwächer und kürzer als DEET. Als natürliche Ergänzung in niedrig konzentrierten Formulierungen (Roll-on, Spray) ist es sinnvoll, ersetzt aber in Malaria-Risikogebieten keine chemischen Repellentien.

Zitronengrasöl: Zusammensetzung und SicherheitslimitenGeranial ca. 50–60 %Neral ca. 20–30 %Myrcen ca. 10 %SonstigeMax. Verdünnung (IFRA)0,7 % Körperpflege (Haut)0,2 % GesichtspflegePur: niemals auf Haut!Citral = EU-deklarierpflichtiges Allergenin Kosmetika (Anhang III KVO)
Zitronengrasöl besteht zu ca. 70–85 % aus Citral – einem wirksamen, aber auch sensibilisierenden Inhaltsstoff mit strikten IFRA-Obergrenzen.

Sicherheit und Kontraindikationen

  • Kontaktallergie: Citral ist ein bekanntes Hautsensiblisierungsmittel; wer auf Citral allergisch reagiert, muss auch Produkte mit Geraniol und Limonene meiden (Kreuzreaktionen möglich).
  • Schwangerschaft: Küchenmässiger Gebrauch gilt als unbedenklich; therapeutische Dosen des ätherischen Öls vermeiden (fehlende Sicherheitsdaten).
  • Kinder: Ätherisches Zitronengrasöl nicht bei Kindern unter 6 Jahren anwenden – Citral kann Atemwege reizen.
  • Blutzucker: In manchen Volkstraditionen wird Zitronengrastrophen für Blutzucker-Modulation angewendet; klinische Evidenz fehlt; bei Diabetesmedikamenten vorsichtshalber Arzt konsultieren.

Häufige Fragen

Ist Zitronengras dasselbe wie Zitronenverbene oder Melisse?

Nein. Alle drei riechen ähnlich zitrusartig, sind aber botanisch verschieden. Zitronengras (Cymbopogon) ist ein Gras; Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist ein Lippenblütengewächs; Zitronenverbene (Aloysia citrodora) gehört zu den Eisenkrautgewächsen. Die Citral-Gehalte und Begleitwirkstoffe unterscheiden sich deutlich.

Kann ich mit Zitronengrasöl Insekten abwehren?

Als natürliche Ergänzung ja – aber der Effekt hält nur 1–2 Stunden, deutlich kürzer als DEET. In Risikoegebieten für Malaria oder Dengue ist es kein ausreichender Schutz. Für den heimischen Garten oder kurze Ausflüge ist es eine sinnvolle Option.

Warum rieche ich Zitronengras intensiver oder schwächer als andere?

Das liegt an Polymorphismen in deinen olfaktorischen Rezeptor-Genen (OR-Familie). Varianten in Rezeptoren, die auf Citral und verwandte Aldehyde ansprechen, bestimmen, wie stark und differenziert du den Zitrus-Duft wahrnimmst.

Wie bereite ich Zitronengrastee zu?

2–3 frische Stängel oder 1–2 TL getrocknetes Zitronengras mit 250–300 ml kochendem Wasser übergiessen und 8–10 Minuten ziehen lassen. Absieben und nach Geschmack mit Ingwer oder Honig verfeinern. Als Genussmittel ist Zitronengrastee ein aromatischer, koffeinfreier Tee.

Beeinflusst mein CYP1A2-Genotyp die Verträglichkeit von Zitronengrasöl?

Ja, indirekt. CYP1A2 ist massgeblich am Abbau von Citral-Metaboliten beteiligt. Poor Metabolizer akkumulieren Abbauprodukte länger, was theoretisch die Sensibilisierungswahrscheinlichkeit bei häufiger Exposition erhöhen kann. Rapid Metabolizer bauen Citral schneller ab. Ein Gentest kann deinen CYP1A2-Status zeigen.

Ist Zitronengrasöl auch im Diffusor für Haustiere sicher?

Mit Vorsicht: Katzen und Vögel reagieren besonders empfindlich auf ätherische Öle (fehlende Leber-Enzyme für Phenol- und Terpenoid-Metabolisierung). Raum während der Diffusion für Tiere absperren; nie direkt auf Haustiere versprühen oder auftragen.

Fazit

Zitronengras ist ein vielseitiges Gewürz und Aromastoff mit interessantem biochemischen Profil. Sein Hauptwirkstoff Citral wird über CYP1A2 metabolisiert – Genotypen mit langsamer Enzymaktivität können empfindlicher auf häufige Exposition reagieren. Die Duftwahrnehmung ist individuell durch OR-Genvarianten geprägt; die antientzündlich diskutierten Eigenschaften von Citral könnten durch TNF-Alpha- und IL-6-SNPs in ihrer Ausprägung beeinflusst werden. Als Gewürz und Tee ist Zitronengras unbedenklich; das ätherische Öl erfordert konsequente Verdünnung (max. 0,7 % auf der Haut) und einen Hauttest wegen Citral-Allergen-Potenzial.

Quellen

  1. Tisserand R., Young R. (2014): Essential Oil Safety, 2. Aufl. – Lemongrass: safety data, dermal limits, citral sensitization.
  2. IFRA (2023): Standards for Citral in cosmetic products (IFRA 50th Amendment, Annex I).
  3. Yoo C. B. et al. (2005): Citral inhibits NF-kB and pro-inflammatory cytokine expression. Biochemical Pharmacology 70(4):566–577.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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