Kampfer

Kurze Antwort

Kampfer ist ein bizyklisches Monoterpen (C₁₀H₁₆O) aus dem Kampferbaum (Cinnamomum camphora), das äusserlich schmerzlindernd und durchblutungsfördernd wirkt, aber schon in geringen Mengen innerlich hochgiftig ist. Wie schnell Kampfer abgebaut wird, hängt von genetischen Varianten in CYP2A6 und CYP2B6 ab – wichtig für die Abschätzung von Reizwirkung und Toxizitätsrisiko.

Kampfer auf einen Blick
Chemisch Bizyklisches Keton (Monoterpen); Formel C₁₀H₁₆O; aromatisch, wachsartig
Quelle Holz und Rinde von Cinnamomum camphora; heute meist synthetisch aus Terpentin
Zulassung CH/DE (topisch) Zugelassen als Einreibemittel bei Muskel- und Gelenkschmerzen (Heilmittel)
Innerlich: GIFTIG Schon 2 g können beim Kind, 4–5 g beim Erwachsenen tödlich sein
Typische Konzentration Topisch max. 11 % (EU-Kosmetikverordnung); für Kinder <2 J. verboten
Traditionell Chinesische Medizin, Ayurveda; Mottenschutz; religiöse Zeremonien
Genetik-Bezug CYP2A6, CYP2B6 (hepatischer Kampfer-Metabolismus)

Kampfer ist ein klassischer zweigesichtiger Wirkstoff: Äusserlich angewendet in Salben und Einreibemitteln (z. B. Campho-Phenique, traditionelle Balsame) wirkt er kühlend und durchblutungsfördernd, lindert Muskel- und Gelenkschmerzen und fördert tiefes Atmen. Innerlich ist Kampfer bereits in kleinen Mengen gefährlich toxisch. In der Schweiz und Deutschland sind Produkte mit mehr als 11 % Kampfer rezeptpflichtig; in Kosmetika maximal 1,5 % erlaubt. Wichtig: Kampfer ist nichts für Kinder unter 2 Jahren und nicht auf der Gesichtshaut (Nase, Mund).

Topische Anwendung und Dosierung

  • Muskelschmerzen: Salbe oder Gel mit 1–11 % Kampfer 3–4× täglich auf betroffene Muskelpartien – nicht auf verletzte oder entzündete Haut.
  • Atemunterstützung: Inhalation (nicht direkt unter die Nase bei Kindern; Dampfinhalation mit wenigen Tropfen in heissem Wasser).
  • Nicht anwenden: Unter 2 Jahren; im Gesicht (Aspirationsgefahr); auf Wunden; bei Epilepsie (Krampfschwelle senkt sich).
  • Lagerung: Kühl, dunkel, ausser Reichweite von Kindern – Kampfer-Salbe sieht verführerisch «cremig» aus.
Kampfer: Dosis-Wirkungs-Fenster (vereinfacht)Topisch <11 %: therapeutischOral >1 g (Kind): KrämpfeOral >2 g (Kind): lebensbedrohlichSchlüsselprinzip: Keine Einnahme, keine Anwendung im GesichtCYP2A6-Langsam-Metabolisierer haben engeres Sicherheitsfenster
Topisch in zugelassener Konzentration gilt Kampfer als sicher. Innerlich oder bei Kinderkontakt ist die toxische Grenze erschreckend niedrig.

Historische Nutzung und Bedeutung

Kampfer hat eine jahrtausendealte Geschichte: In der traditionellen chinesischen Medizin als Mittel gegen Parasiten und zur Stärkung des Herzens; in Japan für Holzschnitzereien und als Mottenschutz; in europäischen Apotheken des 18./19. Jahrhunderts als «Herzmittel» (innerlich – eine heute verbotene Anwendung). In religiösen Zeremonien des Hinduismus wird Kampfer verbrannt – als Opferrauch, da er rückstandslos abbrennt.

Häufige Fragen

Kann Kampfer wirklich tödlich sein?

Ja – bei Einnahme. Schon 2 g oraler Kampfer können beim Kleinkind zu Krampfanfällen und Tod führen. Kampfer-Salben müssen deshalb kindersicher aufbewahrt werden. Bei Vergiftungsverdacht sofort Notruf 145 (Schweiz: Tox Info Suisse) oder 112.

Warum wirkt Kampfer beim Auftragen auf die Haut kühlend?

Kampfer aktiviert auf der Haut den TRPM8-Ionenkanal (Kälterezeptor) und hemmt gleichzeitig TRPV1 (Hitzeschmerz-Rezeptor) – das erzeugt das charakteristische Kühl-Kribbeln, ähnlich wie Menthol.

Darf Kampfer auf Kindern angewendet werden?

Auf Kindern unter 2 Jahren ist Kampfer verboten. Ältere Kinder dürfen kampferhaltige Produkte nur auf Körperstellen bekommen, die sie nicht in den Mund nehmen können – nie im Gesicht oder unter der Nase (Atemstopp-Risiko).

Was ist der Unterschied zwischen synthetischem und natürlichem Kampfer?

Chemisch identisch (racemisches Gemisch vs. reines (+)-Kampfer aus Natur). Für topische Arzneimittel sind beide zugelassen; qualitativ hochwertige Produkte geben die Herkunft an.

Kann Kampfer Epilepsie auslösen?

Kampfer ist ein bekannter Krampfauslöser (pro­konvulsiv). Personen mit Epilepsie oder Krampfneigung sollten kampferhaltige Produkte nur nach ärztlicher Absprache einsetzen.

Fazit

Kampfer ist ein wirksames topisches Mittel für Muskelschmerzen und Atemunterstützung – innerhalb seiner engen, behördlich geregelten Grenzen. Das toxische Potenzial innerlich ist erheblich; Kinder und Epileptiker-Status erfordern besondere Vorsicht. Der genetische CYP2A6-Status beeinflusst die Verträglichkeit: Langsam-Metabolisierer sollten bei topischer Anwendung niedrig dosieren und auf Reizzeichen achten.

Quellen

  1. Zuccarini, P.: «Camphor: risks and benefits of a widely used natural product», J. Appl. Sci. Environ. Manage. 2009.
  2. Swissmedic: Merkblatt zu Kampfer-haltigen Arzneimitteln (Stand 2024).
  3. Tox Info Suisse: Kampfer-Vergiftung – Erkennen und Handeln (Merkblatt 2023).

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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