Grünkohl

Kurze Antwort

Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica) ist ein nährstoffdichtes Kreuzblütlergemüse mit aussergewöhnlich hohem Gehalt an Vitamin K, Vitamin C, Beta-Carotin und Glucosinolaten. Ob du von den Glucosinolaten profitierst, hängt massgeblich von deinen Varianten im Enzym-Gen GSTM1 (Glutathion-S-Transferase) ab – ein klassisches Nutrigenomik-Beispiel.

Grünkohl auf einen Blick
Botanik Brassica oleracea var. sabellica (Kreuzblütler)
Herkunft Mittelmeerraum, in Nordeuropa seit Jahrhunderten kultiviert
Hauptnährstoffe Vitamin K, Vitamin C, Beta-Carotin, Folsäure, Kalzium, Eisen
Besondere Stoffe Glucosinolate (→ Sulforaphan), Quercetin, Lutein/Zeaxanthin
Saison (CH) Oktober bis März; nach Frost süsser und nährstoffreicher
Zugelassene Claims Vitamin C (Immunsystem), Vitamin K (Blutgerinnung), Folsäure (Zellteilung)
Genetik-Bezug GSTM1/GSTT1 (Glucosinolat-Metabolismus), VDR (indir. Vitamin-K-Pfad)

Grünkohl ist ein Wintergemüse mit beeindruckendem Nährstoffprofil. Er enthält mehr Vitamin K als fast jedes andere Gemüse, grosszügige Mengen Vitamin C und Beta-Carotin sowie Glucosinolate, die im Körper zu biologisch aktiven Verbindungen wie Sulforaphan umgewandelt werden. Seit dem «Kale-Boom» ist er auch in der Schweiz in vielen Haushalten angekommen.

Vitamin K: Grünkohl und Blutverdünner

100 g roher Grünkohl liefern ca. 800–1.000 µg Vitamin K – das Vielfache des Tagesbedarfs (70 µg). Vitamin K ist zwingend nötig für die Blutgerinnung (Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X). Wer den Blutverdünner Warfarin (Marcoumar) einnimmt, muss die tägliche Grünkohl-Menge konstant halten – starke Schwankungen verschieben den INR-Wert. Mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Nährstoffe auf einen Blick (je 100 g roh)

Grünkohl: % des NRV je 100 g (roh)Vitamin K>1000 %Vitamin C~150 %Beta-Carotin~113 %Folsäure~35 %Kalzium~20 %NRV = Nährstoffbezugswert EU-Verordnung 1169/2011
Grünkohl liefert besonders viel Vitamin K und Vitamin C – schon 100 g übersteigen den Tagesbedarf dieser Vitamine deutlich.

Zubereitung und Tipps

Frost und Kälte verbessern den Geschmack von Grünkohl, weil Stärke zu Zucker umgewandelt wird. Blanchieren (2 Min.) erhält Farbe und Knackigkeit, reduziert aber leicht den Vitamin-C-Gehalt. Rohkost (Smoothies, Salate) liefert die meisten Vitamine. Massieren mit Öl und etwas Salz macht rohen Grünkohl zarter und bekömmlicher. Das Fett fördert die Aufnahme fettlöslicher Carotinoide und Vitamin K.

Häufige Fragen

Kann ich Grünkohl täglich essen?

Ja – wenn du keine Marcoumar/Warfarin-Therapie hast und keine Schilddrüsenerkrankung vorliegt. Bei letzterem sollte Grünkohl nur in Massen roh gegessen werden, weil Glucosinolate die Schilddrüsenfunktion beeinflussen können.

Warum ist Grünkohl nach dem Frost besser?

Kälte löst eine Kältestressreaktion aus: Die Pflanze wandelt Stärke in Zucker um, was den Geschmack milder und süsser macht. Auch der Glucosinolat-Gehalt kann nach Frost steigen.

Ist roher oder gekochter Grünkohl gesünder?

Roh bleiben mehr hitzeempfindliche Vitamine erhalten. Kochen inaktiviert jedoch das Enzym Myrosinase – ohne Myrosinase werden Glucosinolate weniger gut zu Sulforaphan umgewandelt. Kombination mit Senf (enthält Myrosinase) kann das ausgleichen.

Schadet Grünkohl der Schilddrüse?

Grosse rohe Mengen können bei bestehendem Jodmangel die Schilddrüsenfunktion beeinflussen. In normalen Mengen und bei ausreichender Jodversorgung ist Grünkohl unbedenklich.

Was passiert, wenn ich Grünkohl mit Warfarin esse?

Der hohe Vitamin-K-Gehalt kann den INR-Wert verschieben. Menge konstant halten und mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen – keine plötzlichen grossen Mengen essen oder weglassen.

Fazit

Grünkohl ist eines der nährstoffdichtesten Gemüse – Vitamin K, Vitamin C, Glucosinolate und Antioxidantien machen ihn zu einem Winterklassiker mit echtem Gesundheitswert. Wie gut du von den Glucosinolaten profitierst, steuern Gene wie GSTM1. Für Menschen auf Blutverdünnern gilt: Menge konstant halten und ärztlich abklären.

Quellen

  1. Brennan, P. et al.: Effect of cruciferous vegetables on lung cancer in patients stratified by genetic status, Lancet, 2000.
  2. Shapiro, T.A. et al.: Human metabolism and excretion of cancer chemoprotective glucosinolates and isothiocyanates, Cancer Epidemiol., 1998.
  3. BLV Schweiz: Vitamine – Referenzwerte und Nährstofftabellen, 2024.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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