Chromosomen sind die fadenförmigen Träger der Erbinformation im Zellkern: Der Mensch besitzt in fast jeder Körperzelle 46 davon, verteilt auf 22 Paare Autosomen und ein Paar Geschlechtschromosomen. Nur die Keimzellen – Eizellen und Spermien – tragen jeweils einen halben Chromosomensatz von 23 Stück.
Damit das Erbgut bei jeder Zellteilung sauber weitergegeben werden kann, verpacken Chromosomen die gesamte DNA einer Zelle auf engstem Raum. Dieser Beitrag zeigt, wie viele Chromosomen der Mensch besitzt, wie ein einzelnes Chromosom aufgebaut ist und welche Rolle der Karyotyp in der Diagnostik spielt.
Wie viele Chromosomen hat der Mensch?

46 Chromosomen enthält eine normale menschliche Körperzelle, verteilt auf 23 Paare: 22 Paare sogenannter Autosomen sowie ein Paar Geschlechtschromosomen. Frauen tragen zwei X-Chromosomen (XX), Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY). Diese Zahl war lange umstritten, bis die Forscher Tjio und Levan sie 1956 korrekt bestimmten – zuvor ging die Fachwelt fälschlich von 48 Chromosomen aus (Quelle: Hereditas, 1956).
Eine Ausnahme bilden Keimzellen, also Eizellen und Spermien: Sie enthalten nur einen einfachen Chromosomensatz von 23 Stück. Erst bei der Befruchtung verschmelzen beide Hälften wieder zu 46 – jedes Kind erhält so je eine Hälfte seiner homologen Chromosomen von Mutter und Vater.
Aufbau eines Chromosoms
Ein einziges, sehr langes DNA-Molekül bildet jedes Chromosom; eng um Eiweisse – die Histone – gewickelt, ergibt diese Verpackung das sogenannte Chromatin. Entwirrt und aneinandergelegt käme die DNA einer einzigen Zelle laut Schätzungen auf rund zwei Meter Länge (Quelle: National Human Genome Research Institute, 2024). Nur durch extreme Faltung passt dieses Molekül überhaupt in den winzigen Zellkern.
An einer eingeschnürten Stelle, dem Zentromer, hängen bei jedem verdoppelten Chromosom die beiden identischen Schwesterchromatiden zusammen. Schutzkappen an den Enden, die Telomere, verkürzen sich dabei mit jeder Zellteilung etwas.
- Zentromer: Einschnürung und Ansatzpunkt für die Zellteilung.
- Chromatiden: die beiden identischen Längshälften nach der Verdopplung.
- Telomere: Schutzkappen an den Chromosomenenden.
- Gene: Abschnitte mit Bauanleitungen, verteilt entlang des Chromosoms.
Der Karyotyp: das Chromosomenbild
Die geordnete Darstellung aller Chromosomen einer Zelle, sortiert nach Grösse und Form, bezeichnet man als Karyotyp. Um ihn anzufertigen, färben und fotografieren Fachleute die Chromosomen während der Zellteilung. So werden zahlenmässige Abweichungen sichtbar – etwa bei der Trisomie 21, bei der das Chromosom 21 dreifach statt zweifach vorliegt.
| Chromosomen-Typ | Anzahl Paare | Funktion |
|---|---|---|
| Autosomen | 22 | Tragen den Grossteil der Körpermerkmale |
| Geschlechtschromosomen | 1 | Bestimmen das biologische Geschlecht |
| Gesamt | 23 (= 46 Chromosomen) | Vollständiger Chromosomensatz |
Warum die Chromosomenzahl wichtig ist
Für eine gesunde Entwicklung ist eine korrekte Chromosomenzahl entscheidend: Schon ein einzelnes Chromosom zu viel oder zu wenig kann gravierende Folgen haben. In der Schweiz kommt die Chromosomenanalyse unter anderem in der vorgeburtlichen Diagnostik zum Einsatz; Beratungsangebote koordiniert die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Genetik. Geregelt wird eine solche Untersuchung durch das Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen (GUMG), das unter anderem eine vorherige Aufklärung und Einwilligung vorschreibt. Wer wissen möchte, ob ein bestimmtes Merkmal dominant oder rezessiv weitergegeben wird, muss zunächst verstehen, wie Chromosomen organisiert sind; wer nach einem auffälligen Befund Fragen hat, findet bei einer genetischen Beratung in der Schweiz eine erste Anlaufstelle.
Häufige Fragen zu Chromosomen
Wie viele Chromosomen hat ein gesunder Mensch?
Eine gesunde Körperzelle enthält 46 Chromosomen, angeordnet in 23 Paaren. Nur die Keimzellen tragen jeweils 23 einzelne Chromosomen statt des vollen Satzes.
Was ist der Unterschied zwischen Autosomen und Geschlechtschromosomen?
Die 22 Autosomenpaare sind bei Mann und Frau gleich aufgebaut. Das 23. Paar, die Geschlechtschromosomen, bestimmt mit XX oder XY das biologische Geschlecht.
Was zeigt ein Karyotyp?
Der Karyotyp ist ein geordnetes Bild aller Chromosomen einer Zelle. Er macht zahlenmässige oder strukturelle Veränderungen sichtbar, etwa eine Trisomie.
Verändert sich die Chromosomenzahl im Laufe des Lebens?
Die normale Chromosomenzahl bleibt grundsätzlich konstant. Einzelne Zellen können jedoch durch Fehler bei der Zellteilung oder durch Alterungsprozesse abweichen.
Weicht Zahl oder Struktur der Chromosomen vom Normalzustand ab, spricht man von einer Mutation. Erbgut ausserhalb des Zellkerns tragen zudem die Mitochondrien in sich, wie der Beitrag zur mitochondrialen Vererbung zeigt.
Chromosomen als Ausgangspunkt für weitere Fragen
Die Chromosomenzahl bildet den Ausgangspunkt für die meisten Themen der Humangenetik: Von hier aus lässt sich nachvollziehen, wie Merkmale weitergegeben werden, wie eine Mutation im Erbgut entsteht oder wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist. Wer konkrete Fragen zum eigenen Befund hat, sollte diese mit einer Fachperson für Genetik besprechen: Das Grundwissen über Chromosomen liefert dafür die Basis, ersetzt aber keine individuelle medizinische Beratung.

