Angelikawurzel

Kurze Antwort

Angelikawurzel (Angelica archangelica) ist die Wurzel einer nordeuropäischen Doldenblüter-Heilpflanze, die traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden und Atemwegserkrankungen eingesetzt wurde. Ihre ätherischen Öle werden durch Leberenzyme metabolisiert – ein Prozess, den Genvarianten im CYP-System massgeblich steuern.

Angelikawurzel auf einen Blick
Pflanzenfamilie Apiaceae (Doldenblütler)
Botanischer Name Angelica archangelica
Wirkstoffe Furanocumarine, ätherische Öle (Phellandren, Pinene), Bitterstoffe
Traditionelle Anwendung Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Atemwege (Phytotherapie)
Sicherheitshinweis Furanocumarine phototoxisch; Wechselwirkung mit Antikoagulanzien möglich
Genetik-Bezug Metabolisierung via CYP1A2, CYP3A4; Psoralen-Sensitivität

Die Engelwurz – so ihr volksmedizinischer Name – wächst in feuchten Lagen Nordeuropas und Skandinaviens. Ihre Wurzel enthält ein komplexes Gemisch aus Furanocomarinen und ätherischen Ölen. In der Phytotherapie wird Angelikawurzel bei Appetitlosigkeit und krampfartigen Beschwerden des Magen-Darm-Trakts eingesetzt; die Kommission E (Deutschland) hat eine Monographie veröffentlicht. Wichtig: Wegen der Furanocumarine kann sie bei äusserlicher Anwendung oder hoher Dosis in Kombination mit UV-Licht phototoxische Reaktionen auslösen.

Wirkstoffe und Pharmakologie

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Angelikawurzel sind Furanocumarine (Bergapten, Isoimperatorin), ätherische Öle (α- und β-Phellandren, α-Pinen) sowie Bitterstoffe und Phenolcarbonsäuren. Die Bitterstoffe regen die Magensaftsekretion an; ätherische Öle sollen spasmolytisch wirken. Furanocumarine sind jedoch auch für die mögliche Phototoxizität verantwortlich.

Traditionelle und moderne Anwendung

Phytotherapeutische Nutzung

  • Verdauungsbeschwerden: Tee oder Tinktur bei Blähungen, Magenkrämpfen, Appetitlosigkeit.
  • Atemwege: traditionell als Expektorans (schleimlösend) verwendet.
  • Aromaindustrie: Angelikawurzelessenz in Kräuterlikören (z. B. Benediktiner, Chartreuse).

Zubereitung

Tee: 1–1,5 g getrocknete Wurzel mit 150 ml kochendem Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, bis 3× täglich. Tinktur (1:5): 1–2 ml, 3× täglich. Nicht länger als 4 Wochen ohne Pause einnehmen.

Angelikawurzel – WirkstoffgruppenFuranocumarineBergapten, PsoraleneÄtherische Öleα-Phellandren, PinenBitterstoffePhenolcarbonsäurenAlle drei Gruppen gemeinsam bestimmen Wirkung und Risiko
Die drei Hauptwirkstoffgruppen der Angelikawurzel und ihre Eigenschaften.

Sicherheit und Kontraindikationen

Angelikawurzel ist nicht für Schwangere geeignet (uterusstimulierend). Wegen der Furanocumarine nach dem Kontakt mit frischer Pflanze keine direkte Sonneneinstrahlung auf die Haut. Wechselwirkungen mit blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzien) sind möglich. Bei Gallenblasenerkrankungen oder entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen nicht einnehmen.

Häufige Fragen

Wofür wird Angelikawurzel traditionell eingesetzt?

Hauptsächlich bei Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Krämpfen und Appetitlosigkeit sowie traditionell zur Unterstützung der Atemwege. Eine Kommission-E-Monographie liegt vor.

Ist Angelikawurzel phototoxisch?

Ja, die enthaltenen Furanocumarine können bei äusserlicher Anwendung in Verbindung mit UV-Strahlung Hautreizungen und Verfärbungen verursachen. Sonnenexposition nach Hautkontakt meiden.

Kann ich Angelikawurzel mit Blutverdünnern nehmen?

Vorsicht: Angelikawurzel kann die Wirkung von Antikoagulanzien wie Warfarin verstärken. Vor der Einnahme ärztlichen Rat einholen.

Wie lange darf ich Angelikawurzel einnehmen?

Nicht länger als 4 Wochen am Stück. Bei anhaltenden Beschwerden ärztliche Abklärung suchen statt Eigenmassnahmen zu verlängern.

Ist Angelikawurzel in der Schwangerschaft sicher?

Nein, sie sollte in der Schwangerschaft gemieden werden, da die Inhaltsstoffe die Gebärmutter stimulieren können.

Fazit

Angelikawurzel ist eine traditionelle Heilpflanze mit belegtem Einsatzgebiet bei Verdauungsbeschwerden. Ihre Wirkstoffe – insbesondere die Furanocumarine – werden durch genetisch variable CYP-Enzyme metabolisiert, was die individuelle Verträglichkeit mitbestimmt. Korrekte Dosierung, Sicherheitsabstände und medizinische Beratung bei Arzneimittelinteraktionen sind entscheidend.

Quellen

  1. Kommission E: Monographie Angelicae radix (Angelikawurzel), BAnz 1990.
  2. Wichtl M. (Hrsg.): Teedrogen und Phytopharmaka, 6. Aufl., WVG Stuttgart.
  3. EMA: Community herbal monograph on Angelica archangelica L., radix, 2016.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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