Stevia (Stevia rebaudiana) ist eine südamerikanische Pflanze, deren Blätter Steviol-Glykoside enthalten – natürliche Süssungsmittel, die bis zu 300-mal süsser als Zucker sind, aber keine Kalorien liefern und den Blutzucker nicht erhöhen. Wie gut dein Körper Steviol abbaut, ist genetisch mitgeprägt – und beeinflusst, ob du Stevia gut verträgst.
| Botanisch | Stevia rebaudiana (Korbblütler, Asteraceae) |
|---|---|
| Herkunft | Paraguay, Brasilien; heute weltweit kultiviert |
| Hauptwirkstoffe | Steviosid, Rebaudiosid A (Steviol-Glykoside) |
| Süsskraft | 200–300-fach gegenüber Saccharose |
| Kalorien | praktisch 0 (Steviol-Glykoside werden nicht absorbiert) |
| Genetik-Bezug | UGT-Gene (Glucuronosyltransferasen), Darmmikrobiom-Gene |
Die Guaraní-Indianer nannten Stevia „Ka’a He’e» – süsses Kraut. Seit 2011 sind Steviol-Glykoside in der EU als Lebensmittelzusatzstoff (E 960) zugelassen. Heute steckt Stevia in Light-Getränken, Joghurts, Schokoladen und Proteinriegeln. Das Besondere: Steviol-Glykoside werden im Dünndarm nicht nennenswert absorbiert, sondern gelangen als Substrat in den Dickdarm.
Steviol-Glykoside: die wichtigsten Typen
- Steviosid: das häufigste Glykosid; leicht bitterer Nachgeschmack.
- Rebaudiosid A (Reb A): süsser, weniger bitter; daher bevorzugt in Lebensmitteln.
- Rebaudiosid D/M: neuere Fraktionen mit noch rundererem Geschmack; in Premiumgetränken.
Regulierung und Sicherheit in der EU und Schweiz
Steviol-Glykoside sind als Lebensmittelzusatzstoff E 960 in der EU reguliert. Die EFSA hat eine akzeptable tägliche Aufnahme (ADI) von 4 mg Steviol-Äquivalente je kg Körpergewicht festgelegt.
| ADI (EFSA) | 4 mg Steviol-Äquivalente / kg KG / Tag |
|---|---|
| Blutzucker | kein Einfluss (keine Absorption im Dünndarm) |
| Diabetes | nach aktuellem Stand sicher; kein Insulinstimulus |
| Schwangerschaft | aktuelle EFSA-Einschätzung: bei ADI-konformer Menge ok |
| Kinder | ADI-basierte Mengen; auf Etikett achten |
Häufige Fragen
Ist Stevia ein natürlicher Süssstoff?
Das Blatt ist natürlich. Der gereinigte Zusatzstoff E 960 wird technisch aus den Blättern extrahiert und aufgereinigt. Er ist „natürlichen Ursprungs», aber kein einfaches Naturprodukt wie frische Blätter.
Hat Stevia einen Nachgeschmack?
Ja, besonders Steviosid hinterlässt einen leicht bitteren, lakritzartigen Nachgeschmack. Rebaudiosid A (Reb A) ist deutlich besser. Die Wahrnehmung dieses Nachgeschmacks ist zudem genetisch variabel – über Bitterrezeptor-Gene (TAS2R).
Ist Stevia für Diabetiker geeignet?
Nach aktuellem Kenntnisstand ja. Steviol-Glykoside erhöhen weder Blutzucker noch Insulinspiegel. Die EFSA bewertet den Einsatz als sicher. Für personalisierte Empfehlungen bei Diabetes Typ 1 oder 2 immer ärztlichen Rat einholen.
Kann Stevia Blähungen verursachen?
Bei manchen Menschen ja – besonders wenn das Darmmikrobiom Steviol-Glykoside intensiv fermentiert. Dieser Effekt ist individuell unterschiedlich und hängt auch vom Genotyp ab.
Wie viel Stevia darf man täglich konsumieren?
Die EFSA setzt den ADI auf 4 mg Steviol-Äquivalente je kg Körpergewicht täglich. Bei einer 70-kg-Person entspricht das ca. 280 mg Steviol pro Tag – was einem deutlich höheren Gewicht an gereinigtem Steviosid entspricht und mit normalen Lebensmitteln kaum erreicht wird.
Fazit
Stevia ist ein gut erforschter, kalorienfrei süssender Pflanzenextrakt, der Blutzucker und Insulin nicht beeinflusst. Verträglichkeit und Abbaueffizienz sind genetisch mitgeprägt – über das Darmmikrobiom und UGT-Enzyme. Als Zuckerersatz in Mass konsumiert ist Stevia eine sinnvolle Option für alle, die Kalorien reduzieren oder den Blutzucker stabilisieren möchten.
Quellen
- EFSA: Scientific Opinion on the safety of steviol glycosides, EFSA Journal, 2010.
- Gardana, C. et al.: Metabolism of stevioside and rebaudioside A from Stevia rebaudiana extracts by human microflora, J Agric Food Chem, 2003.
- EU-Verordnung (EG) 1333/2008 sowie Anhang II zu E 960 (Steviol-Glykoside).
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
