Rizinusöl

Kurze Antwort

Rizinusöl ist das aus den Samen der Rizinuspflanze (Ricinus communis) kaltgepresste Öl und besteht zu ca. 85–90 % aus der einzigartigen Hydroxyfettsäure Rizinolsäure, die für seine abführenden und hautpflegenden Eigenschaften verantwortlich ist. Wichtig: Die Samen enthalten das hochgiftige Protein Ricin – das Öl selbst ist dagegen bei sachgemässer Anwendung sicher, wenn auch mit Vorsicht zu geniessen.

Rizinusöl auf einen Blick
Stammpflanze Ricinus communis L. (Wolfsmilchgewächse, Euphorbiaceae)
Hauptfettsäure Rizinolsäure (12-Hydroxy-Ölsäure), ~85–90 %
Gewinnung Kaltpressung der Samen (Ricin im Presskuchen, nicht im Öl)
Anwendung äusserlich Hautpflege, Haarpflege, Kopfhaut, Nagelpflege
Anwendung innerlich kurzfristiges Abführmittel (Rx in vielen Ländern); max. 1–2 ×
Genetik-Bezug CYP4F2 und PTGER3 (Prostaglandin-Rezeptor) modulieren Rizinolsäure-Wirkung

Rizinusöl ist in der Küche kaum verbreitet, dafür umso mehr in Kosmetik, Pharmazie und Industrie. Als Abführmittel ist es ein medizinisches Klassikum – heute aber oft von modernen Mitteln verdrängt. Auf der Haut ist es ein altbewährtes Pflegeöl. Das genetische Interesse gilt dem Prostaglandin-Rezeptor, über den Rizinolsäure wirkt.

Verdünnungs-Rechner

Wie viele Tropfen ätherisches Öl auf deine Trägeröl-Menge? Wähle Menge und Konzentration.

Trägeröl-Menge
30 ml

5100200 ml
Konzentration
Ätherisches Öl
Tropfen
Konzentration
Anteil ätherisches Öl
Menge ätherisches Öl
≈ 20 Tropfen je ml
Geeignet für
Richtwert
Hinweis: Ätherische Öle nie unverdünnt auf die Haut. Vor der ersten Anwendung einen Hauttest (Ellenbeuge) machen. Bei Schwangerschaft, Kindern und Haustieren gelten besondere Vorsichten. Werte sind rechnerische Richtwerte, keine medizinische Empfehlung.

Äusserliche Anwendung: Haut und Haare

Rizinusöl ist sehr zähflüssig (hohe Viskosität) und eignet sich deshalb gut als Basis für Pflegeprodukte. Es wird häufig als Trägeröl für ätherische Öle verdünnt (Rechner oben). Bewährt hat sich Rizinusöl für:

  • Trockene, rissige Haut: okklusive Wirkung bewahrt Feuchtigkeit.
  • Kopfhaut und Haare: kann auf die Kopfhaut massiert werden – Verdünnung mit Jojobaöl oder Kokosnussöl ist empfehlenswert (1:2).
  • Wimpern und Augenbrauen: vorsichtig mit Wattestäbchen auftragen – nie in die Augen.
  • Nagelpflege: spröde Nägel und Nagelhaut einmassieren.
Rizinusöl: Fettsäureprofil (schematisch)Rizinolsäure ~88 %Öls. ~5 %Lins. ~5 %Rest ~2 %Rizinolsäure = einzigartige Hydroxyfettsäure; PTGER3-Varianten bestimmen Rezeptor-Empfindlichkeit
Rizinusöl ist das einzige Pflanzenöl mit so hohem Anteil an Rizinolsäure – das macht es einzigartig in der Pflanzenwelt.

Innerliche Anwendung und Sicherheit

Als Abführmittel wird Rizinusöl innerlich in Dosen von 15–30 ml (Erwachsene) eingesetzt – dies sollte nur kurzfristig und nach ärztlicher Rücksprache geschehen. In der Schweiz ist Rizinusöl als Abführmittel in der Apotheke erhältlich. Nebenwirkungen bei innerlicher Einnahme: Übelkeit, Krämpfe, starker Durchfall, Dehydration. Niemals bei Darmstenosen, Appendizitis oder in der Schwangerschaft (wehentreibend). Für Kinder unter 12 Jahren ohne ärztliche Verordnung ungeeignet.

Häufige Fragen

Ist Rizinusöl dasselbe wie das giftige Ricin?

Nein. Ricin ist ein Protein, das im Presskuchen (Rückstand der Samenpressung) bleibt. Das gepresste Öl enthält kein Ricin und ist bei sachgemässer Anwendung sicher.

Kann Rizinusöl das Haarwachstum fördern?

Dafür gibt es keine belastbaren wissenschaftlichen Belege. Rizinusöl pflegt Kopfhaut und Haarstruktur, hat aber keinen bewiesenen Einfluss auf die Haarfollikel.

Darf ich Rizinusöl während der Schwangerschaft verwenden?

Innerlich auf keinen Fall – Rizinusöl kann Wehen auslösen. Äusserlich in kleinen Mengen auf der Haut gilt als unbedenklich, aber vorab ärztlich abklären.

Warum wirkt Rizinusöl bei mir stärker als bei anderen?

Varianten im Prostaglandin-Rezeptor-Gen PTGER3 beeinflussen, wie empfindlich der Darm auf Rizinolsäure reagiert. Genetisch bedingte Unterschiede sind ein möglicher Erklärungsansatz.

Wie verdünne ich Rizinusöl für die Kopfhautpflege?

Eine gängige Mischung ist 1 Teil Rizinusöl auf 2 Teile Jojobaöl oder Kokosnussöl. Pur ist es sehr zähflüssig und schwer auswaschbar. Den Rechner oben für ätherische Öl-Ergänzungen nutzen.

Fazit

Rizinusöl hat zwei klar getrennte Anwendungsgebiete: als äusserliches Pflegeöl ist es sicher und breit einsetzbar, als Abführmittel wirksam aber nur kurzfristig und unter Aufsicht. Die individuelle Reaktion auf die abführende Wirkung ist teilweise genetisch durch PTGER3-Varianten mitbestimmt. Die giftige Pflanze und das sichere Öl sorgfältig auseinanderhalten.

Quellen

  1. Tunaru, S. et al.: Castor oil induces laxation and uterus contraction via ricinoleic acid activating prostaglandin EP3 receptors, PNAS, 2012.
  2. EMA: Community herbal monograph on Ricinus communis L., oleum, HMPC, 2011.
  3. Swissmedic: Arzneimittelkompendium – Abführmittel mit Rizinusöl (swissmedic.ch).

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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