Das Mikrobiom ist die Gesamtheit der Billionen Mikroorganismen im und auf dem Körper – vor allem im Darm – deren riesiges Erbgut so eng mit dem menschlichen zusammenwirkt, dass man es als «zweites Genom» bezeichnet.
Der Mensch ist nie allein: In und auf seinem Körper leben unzählige Bakterien, Pilze und Viren. Besonders dicht besiedelt ist der Darm. Diese Lebensgemeinschaft beeinflusst Verdauung, Immunsystem und vermutlich noch viel mehr. Dieser Beitrag erklärt, was das Mikrobiom mit unseren Genen zu tun hat – und warum die Forschung 2026 vorsichtig optimistisch ist.

Das zweite Genom
Die Mikroben im Darm bringen zusammengenommen weit mehr Gene mit als der Mensch selbst. Während das menschliche Erbgut rund 20’000 proteincodierende Gene umfasst (Quelle: GENCODE/Ensembl, 2024), steuern die mikrobiellen Gene zusätzliche Stoffwechselleistungen bei. Sie helfen, Ballaststoffe zu zerlegen, bilden Vitamine und produzieren Stoffe, die der Körper selbst nicht herstellen kann. Deshalb spricht man vom «zweiten Genom». Wer die Grundlagen des menschlichen Erbguts nachlesen möchte, findet sie im Beitrag zur DNA.
Wie Wirt und Mikroben zusammenwirken
Die Beziehung ist keine Einbahnstrasse. Unsere eigenen Gene beeinflussen, welche Mikroben sich wohlfühlen – etwa über das Immunsystem oder die Zusammensetzung des Darmschleims. Umgekehrt wirken die Mikroben auf unseren Stoffwechsel und sogar auf die Aktivität unserer Gene. Diese Verbindung überschneidet sich mit der Epigenetik, denn Stoffe aus dem Darm können epigenetische Schalter mitbeeinflussen.
| Aspekt | Bedeutung |
|---|---|
| Verdauung | Mikroben zerlegen Ballaststoffe |
| Immunsystem | Training und Abwehr werden mitgeprägt |
| Stoffwechsel | Mikroben bilden Vitamine und Botenstoffe |
| Wirt-Gene | beeinflussen, welche Mikroben gedeihen |
Was die Ernährung bewirkt
Die Zusammensetzung des Mikrobioms ist nicht starr. Sie verändert sich mit der Ernährung, mit Medikamenten wie Antibiotika und mit dem Lebensstil. Ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Kost gilt als günstig für die Vielfalt der Darmflora. Hier zeigt sich die Nähe zur Nutrigenetik: Gene, Mikroben und Ernährung greifen ineinander. Auch beim Thema Langlebigkeit wird dem Mikrobiom zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt.
Vorsicht vor übertriebenen Versprechen
Das Mikrobiom ist ein heisses Forschungsthema, und entsprechend gross ist die Versuchung, mehr zu behaupten, als belegt ist. Viele Zusammenhänge sind 2026 noch nicht abschliessend geklärt. Kommerzielle «Mikrobiom-Tests» mit konkreten Diätversprechen sind kritisch zu sehen, da die Aussagekraft begrenzt ist und sich die Darmflora ständig verändert.
- Das Mikrobiom bringt mehr Gene mit als der Mensch selbst.
- Wirt-Gene und Mikroben beeinflussen sich gegenseitig.
- Ernährung und Lebensstil formen die Zusammensetzung.
- Viele Versprechen sind noch nicht wissenschaftlich gesichert.
Häufige Fragen zum Mikrobiom
Was ist das Mikrobiom?
Es ist die Gesamtheit der Mikroorganismen im und auf dem Körper, vor allem im Darm, samt ihrem Erbgut.
Warum spricht man vom «zweiten Genom»?
Weil die Mikroben zusammen weit mehr Gene mitbringen als der Mensch selbst und damit unseren Stoffwechsel ergänzen.
Kann ich mein Mikrobiom beeinflussen?
Ja, vor allem über die Ernährung. Ballaststoffreiche, pflanzenbetonte Kost gilt als günstig für die Vielfalt der Darmflora.
Sind Mikrobiom-Tests sinnvoll?
Für allgemeine Empfehlungen sind sie 2026 wenig aussagekräftig, da sich die Darmflora ständig ändert und viele Zusammenhänge offen sind.
Fazit
Das Mikrobiom ist ein faszinierendes zweites Genom, das eng mit unseren eigenen Genen zusammenarbeitet. Es prägt Verdauung, Immunsystem und Stoffwechsel. Vieles ist 2026 noch in Erforschung – wer seine Darmflora unterstützen will, setzt am besten auf eine vielfältige, ballaststoffreiche Ernährung.

