Mandrake

Kurze Antwort

Mandrake (Alraune, Mandragora officinarum) ist eine giftige Heilpflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse, die stark wirksame Tropan-Alkaloide wie Scopolamin und Hyoscyamin enthält. Diese Alkaloide blockieren den Acetylcholinrezeptor – wie empfindlich dein Nervensystem darauf reagiert, hängt auch von genetischen Varianten im Cholinesterase-System ab.

Mandrake auf einen Blick
Botanik Mandragora officinarum, Familie Solanaceae (Nachtschattengewächse)
Giftige Hauptstoffe Scopolamin, Hyoscyamin, Atropin (Tropan-Alkaloide)
Verbreitung Mittelmeerraum, Vorderasien; in CH nicht heimisch
Toxizität alle Pflanzenteile giftig; niedrige Giftdosis, kein Hausmittel
Historische Nutzung Antike als Narkotikum, Schmerzmittel; heute kein zugelassenes Arzneimittel
Genetik-Bezug ACHE (Acetylcholinesterase), CHRM2 (Muskarinrezeptor) – Alkaloidsensitivität

Die Alraune gehört zu den mythologisch bedeutendsten Pflanzen Europas – ihre menschenähnliche Wurzel inspirierte Jahrhunderte von Sagen und Aberglauben. In der Antike war Mandrake tatsächlich medizinisch genutzt: als Schmerzmittel vor Operationen, als Schlafmittel und als Anästhetikum. Diese Wirkungen beruhen auf den enthaltenen Tropan-Alkaloiden, die heute in der modernen Medizin als Reinsubstanzen (Scopolamin, Atropin) eingesetzt werden – nicht aber als Pflanzenextrakt.

Warum Mandrake gefährlich ist

Mandrake enthält in allen Pflanzenteilen (Wurzel, Blätter, Früchte) toxische Tropan-Alkaloide. Die therapeutische Breite – der Abstand zwischen wirksamer und giftiger Dosis – ist extrem schmal. Vergiftungssymptome sind:

  • Mundtrockenheit, Schluckschwierigkeiten, erweiterte Pupillen
  • Herzrasen, Blutdruckanstieg
  • Halluzinationen, Verwirrtheit, Bewusstseinsverlust
  • Bei hoher Dosis: Atemlähmung und Tod

Mandrake-Selbstmedikation ist gefährlich und in der Schweiz kein Arzneimittel. Lebensmittel aus Mandrake sind in der EU und CH verboten.

Historische Bedeutung

In der Antike und im Mittelalter war Alraune eine der wichtigsten medizinischen Pflanzen. Ägypter und Griechen nutzten sie zur Schmerzlinderung vor chirurgischen Eingriffen. Die menschenähnliche Gestalt der Wurzel machte die Pflanze mythologisch bedeutsam – es wurde geglaubt, ihr Ausgraben bringe den Tod. In der Bibel (Genesis) wird Mandrake als Fruchtbarkeitsmittel erwähnt. In Harry Potter – ein Hinweis auf die anhaltende kulturelle Präsenz.

Moderne Alkaloide aus der Mandrake-Pflanzenfamilie

Tropan-Alkaloide: Vorkommen und medizinische Nutzung
Alkaloid Vorkommen Medizinische Nutzung heute
Scopolamin Mandrake, Stechapfel Reisekrankheit, Prämedikation
Hyoscyamin / Atropin Bilsenkraut, Tollkirsche Herzstillstand-Reanimation, Augenheilkunde
Atropin Atropa belladonna Augenuntersuchungen, Vergiftungsantidot
Tropan-Alkaloide: Rezeptor-Blockade (vereinfacht)CHRM2-Rezeptor(Muskarinrezeptor)Scopolamin / Hyoscyaminblockiert RezeptorkompetitivNervensystemHerzrasen, Halluzin.CHRM2-Genvarianten bestimmen Rezeptorsensitivität – relevant für Alkaloidsensitivität
Tropan-Alkaloide blockieren muskarinerge Acetylcholinrezeptoren. Genetische CHRM2-Varianten beeinflussen die individuelle Empfindlichkeit.

Sicherheit und Rechtslage in der Schweiz

Mandrake ist kein Lebens- oder Arzneimittel in der CH und EU. Alle Pflanzenteile sind giftig. Selbstversuche mit Pflanzenteilen oder Extrakten sind lebensgefährlich – die wirksame Dosis liegt gefährlich nah an der letalen Dosis. Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (Tox Info Suisse, Tel. 145) ist bei Vergiftungsverdacht sofort zu kontaktieren. Dieser Eintrag dient ausschliesslich der Information.

Häufige Fragen

Ist Mandrake in der Schweiz legal zu besitzen?

Als Zierpflanze ist der Besitz nicht explizit verboten, aber der Verkauf als Nahrungsergänzungsmittel oder Heilmittel ist nicht erlaubt. Als psychoaktive Substanz zur Einnahme unterliegt die Nutzung strengen Vorschriften.

Welche modernen Medikamente basieren auf Mandrake-Wirkstoffen?

Scopolamin (Reisekrankheit-Pflaster) und Atropin (Augenheilkunde, Reanimation) sind reine Tropan-Alkaloide, die synthetisch oder aus Solanaceen-Pflanzen gewonnen werden. Nicht aus Mandrake als Rohpflanze.

Ist Mandrake dasselbe wie Alraune?

Ja. „Alraune» ist der deutsche Name für Mandragora officinarum. Die Begriffe werden synonym verwendet.

Warum hat Mandrake halluzinogene Wirkungen?

Scopolamin und Hyoscyamin blockieren Acetylcholinrezeptoren im Zentralnervensystem und rufen dadurch Halluzinationen, Verwirrtheit und Amnesie hervor.

Kann man aus Mandrake einen harmlosen Tee machen?

Nein. Die Alkaloide sind wasserlöslich und werden im Teeaufguss extrahiert. Mandrake-Tee ist giftig und wird nicht empfohlen.

Fazit

Mandrake ist kulturhistorisch faszinierend und Quelle wichtiger medizinischer Wirkstoffe – als Hausmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist es jedoch gefährlich und nicht zugelassen. Die genetische Sensitivität über CHRM2 und ACHE erklärt individuelle Unterschiede in der Alkaloidsensitivität. Wer sich für Tropan-Alkaloide interessiert, findet deren sichere Anwendung ausschliesslich in zugelassenen Arzneimitteln.

Quellen

  1. Schimmer O, Kühne J: Scopolamine and related alkaloids. In: Pharmacognosy. Springer. 2017.
  2. Tox Info Suisse: Mandragora officinarum – Giftsteckbrief. tox.ch. 2024.
  3. Lewis WH, Elvin-Lewis MPF: Medical Botany: Plants Affecting Human Health. 2. Aufl. Wiley. 2003.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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