Hanföl

Kurze Antwort

Hanföl wird durch Kaltpressung aus den Samen der Nutzhanfpflanze (Cannabis sativa L. var. sativa) gewonnen und besticht durch ein nahezu ideales Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von 3:1 sowie einen hohen Gamma-Linolensäure-Anteil. Wie dein Körper die Fettsäuren des Hanföls umwandelt und nutzt, hängt entscheidend von Genvarianten in den FADS-Genen ab.

Hanföl auf einen Blick
Quelle Samen von Cannabis sativa (Nutzhanf, THC < 0,3 %)
Gewinnung Kaltpressung der Hanfsamen (unraffiniert); keine CBD oder THC im Öl
Fettsäuren Linolsäure (LA, Ω-6) ~55 %, ALA (Ω-3) ~15–20 %, GLA (Ω-6) ~2–4 %
Omega-6:Omega-3 Verhältnis ~2,5:1 bis 3:1 (ernährungsphysiologisch günstig)
Rechtslage CH Hanföl aus Nutzhanfsamen: legal als Lebensmittel und Kosmetikum
Genetik-Bezug FADS1/FADS2 (Fettsäure-Desaturasen), ELOVL2 (Elongase), PPARG

Hanföl liegt im Trend – und das aus ernährungswissenschaftlich nachvollziehbaren Gründen: Das Fettsäureprofil ist ausgesprochen ausgewogen. Doch nicht jeder profitiert gleich stark davon. Ob du aus der Omega-3-Fettsäure ALA effizient die langkettigen EPA und DHA herstellen kannst, ist zu einem grossen Teil genetisch bedingt – und hier kommen die FADS-Gene ins Spiel.

Fettsäureprofil und seine Bedeutung

Das Fettsäuremuster des Hanföls ist selten ausgewogen:

  • Linolsäure (LA, Omega-6): Ca. 55 % – essentielle Fettsäure für Hautbarriere und Zellmembranen
  • Alpha-Linolensäure (ALA, Omega-3): Ca. 17 % – Vorstufe für EPA/DHA (Konvertierung genetisch variabel)
  • Gamma-Linolensäure (GLA, Omega-6): Ca. 2–4 % – entzündungshemmende Omega-6 (wie in Nachtkerzenöl); selten in anderen Pflanzenölen
  • Vitamin E (Tocopherole): Natürlicher Antioxidationsschutz des Öls

Anwendung in Küche und Pflege

Hanföl hat einen niedrigen Rauchpunkt (~160 °C) und oxidiert beim Erhitzen schnell – deshalb nur für Kaltspeisen verwenden:

  • Salate: Nussig-erdiges Aroma; ideal als Dressing
  • Smoothies und Dips: Einfach unterrühren
  • Brot/Nudeln: Zum Fertigstellen über das Gericht
  • Nicht erhitzen – oxidierte Öle sind kontraproduktiv
  • Hautpflege: Hanföl ist nichtokklusiv, zieht gut ein und eignet sich besonders für trockene, empfindliche und ekzemgefährdete Haut
Hanföl – Fettsäuren und FADS-GenetikLinolsäure (LA) ~55 %Omega-6 · HautbarriereZellmembranALA ~17 %Omega-3FADS1/2 nötig → EPA/DHAGLA ~3 %Omega-6 entz.-hemmend (selten)FADS1 Var.rs174546↓ ALA→EPA/DHA~35 % der Europäer tragen FADS1-Variante mit reduzierter Omega-3-Konvertierung
Das Fettsäureprofil von Hanföl ist günstig – aber ob du ALA gut zu EPA/DHA umwandeln kannst, hängt von FADS1 und FADS2 ab.

Lagerung und Qualität

Kaltgepresstes Hanföl oxidiert schnell. Immer dunkel (Braun- oder Schwarzglasflasche) und kühl (Kühlschrank) lagern. Nach dem Öffnen innerhalb von 4–6 Wochen verbrauchen. Ranziger Geruch (kratzig, fischartig) signalisiert Oxidation – dann nicht mehr verwenden. Bio-Qualität empfehlenswert, da Hanf als Akkumulationspflanze Schadstoffe aus dem Boden aufnehmen kann.

Häufige Fragen

Enthält Hanföl CBD oder THC?

Nein. Hanföl wird aus den Samen gepresst; CBD und THC befinden sich im Harz der Blüten und Blätter. Samen enthalten keine oder nur Spuren von Cannabinoiden – seriöse kaltgepresste Hanföle liegen weit unter dem EU-Grenzwert von 10 µg/kg THC.

Ist Hanföl dasselbe wie CBD-Öl?

Nein. CBD-Öl enthält Cannabidiolextrakt aus der Blüte, gelöst in einem Trägeröl (oft Hanfsamenöl oder MCT). Hanföl allein ist das kaltgepresste Samenöl ohne CBD-Zusatz.

Kann Hanföl Fischöl ersetzen?

Nur bedingt. Hanföl liefert ALA (Omega-3-Vorstufe), aber die Umwandlung zu EPA und DHA ist begrenzt – besonders wenn du FADS1-Varianten trägst. Wer auf Fischöl verzichten möchte, sollte Algenöl erwägen (direkt EPA/DHA, vegan).

Hilft Hanföl bei Neurodermitis?

Kleinere Studien zeigen, dass Hanföl (reich an LA und GLA) bei atopischer Dermatitis die Hautbarriere unterstützen kann. Als Ergänzung, nicht als Ersatz für ärztliche Therapie.

Wie erkenne ich gutes Hanföl?

Kaltpressung (auf Etikett angegeben), dunkle Glasflasche, Bio-Siegel, Erntejahr (frisch), leicht nussig-erdiger Geruch. Günstige Produkte in klaren Plastikflaschen sind meist qualitativ schlechter.

Fazit

Hanföl ist eines der ausgewogensten Pflanzenöle für die Ernährung – mit einem günstigen Omega-Verhältnis, seltenem GLA-Anteil und reichlich Vitamin E. Ob die Omega-3-Vorstufe ALA bei dir gut zu EPA/DHA konvertiert, hängt von FADS1- und FADS2-Genvarianten ab – ein klassischer Nutrigenomik-Zusammenhang. Nicht erhitzen, frisch kaufen, kühl lagern.

Quellen

  1. Leson G et al.: Hemp seed and hemp seed oil, Journal of Industrial Hemp, 2002.
  2. Tanaka T et al.: Genome-wide association study of plasma fatty acids in the InCHIANTI Study, PLOS Genetics, 2009 (FADS1/FADS2).
  3. Callaway JC: Hempseed as a nutritional resource, Euphytica, 2004.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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