Cystein

Kurze Antwort

Cystein ist eine schwefelhaltige, bedingt essenzielle Aminosäure mit der Formel C₃H₇NO₂S, die der Körper aus Methionin selbst synthetisieren kann, wenn ausreichend Methionin vorhanden ist. Entscheidend ist Cystein als Baustein von Glutathion – dem wichtigsten zellulären Antioxidans – und dieser Prozess wird durch genetische Varianten im Enzymgen CBS massgeblich gesteuert.

Cystein auf einen Blick
Typ Schwefelhaltige, bedingt essenzielle Aminosäure
Besonderheit Thiolgruppe (–SH): ermöglicht Disulfidbrücken und Redoxreaktionen
Körpereigene Synthese Aus Methionin über den Transsulfurierungsweg (CBS-Enzym)
Wichtige Produkte Glutathion, Taurin, Keratin, Coenzym A
Quellen Geflügel, Rindfleisch, Eier, Sonnenblumensamen, Brokkoli
Supplement-Form N-Acetylcystein (NAC) – bessere Bioverfügbarkeit
Genetik-Bezug CBS-Gen (Transsulfurierung), GCLC-Gen (Glutathion-Synthese)

Cystein ist keine lebensnotwendige Aminosäure im klassischen Sinn – bei ausreichender Methionin-Zufuhr produziert der Körper selbst genug. Dennoch kann der Bedarf in Stressphasen, bei Erkrankungen oder durch genetische Varianten die Synthesekapazität übersteigen. In der Medizin kommt vor allem N-Acetylcystein (NAC) zum Einsatz – als Antidot bei Paracetamol-Vergiftung und als Schleimlöser (Mukolytikum). NAC ist in der Schweiz als Arzneimittel und als freiverkäufliches Supplement erhältlich.

Wozu der Körper Cystein braucht

  • Glutathion: Cystein liefert die reaktive Thiolgruppe des Tripeptids Glutathion (GSH) – dem zentralen intrazellulären Antioxidans und Entgiftungshelfer.
  • Keratin und Kollagen: Disulfidbrücken zwischen Cystein-Resten geben Haar, Nagel und Haut ihre mechanische Festigkeit.
  • Taurin: In der Leber wird Cystein zu Taurin oxidiert; wichtig für Gallensäure-Konjugation und Herzfunktion.
  • Mukolyse (NAC): NAC löst Disulfidbrücken im Schleim auf und macht ihn flüssiger – zugelassene Indikation bei chronischer Bronchitis.
Transsulfurierungsweg: Methionin → CysteinMethioninHomocysteinCystathioninCysteinCBS-GenGlutathion→ Taurin→ KeratinCBS-Varianten beeinflussen, wie schnell Homocystein zu Cystein wird
Das CBS-Enzym ist der Schlüsselschritt: Arbeitet es langsamer, steigt Homocystein – ein bekannter Herz-Kreislauf-Risikofaktor.

Nahrungsquellen und Supplement

Cystein-Gehalt je 100 g (gerundet)
Lebensmittel Cystein (mg)
Hühnchenbrust ~300 mg
Eier ~210 mg
Sonnenblumensamen ~450 mg
Brokkoli ~50 mg
Knoblauch ~65 mg

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Cystein und N-Acetylcystein (NAC)?

NAC ist eine acetylierte Form, die im Darm stabiler und besser aufgenommen wird. Im Körper wird die Acetylgruppe abgespalten und Cystein freigesetzt. NAC gilt als die klinisch bevorzugte Supplementform.

Kann zu viel Cystein schaden?

Sehr hohe Dosen (über 7 g/Tag) können die Insulinsignalisierung stören und sind mit neurotoxischen Effekten assoziiert. In normalen Nahrungsmengen und bei üblichen NAC-Dosen (600–1 200 mg/Tag) gilt Cystein als sicher.

Warum steigen Glutathionwerte, wenn man NAC nimmt?

Weil Cystein der limitierende Baustein der Glutathion-Synthese ist. Mehr Cystein (als NAC) steigert die Syntheserate, solange GCLC-Kapazität verfügbar ist.

Welche genetischen Varianten erhöhen den Cystein-Bedarf?

CBS-Varianten mit reduzierter Aktivität (langsamer CBS-Metabolisierer) und GCLC-Polymorphismen, die die Glutathion-Synthesekapazität senken, können den Bedarf erhöhen.

Ist Cystein gut für Haare und Nägel?

Ja – Keratin, das Hauptstrukturprotein von Haaren und Nägeln, ist reich an Cystein. Ein Mangel kann die Qualität beeinträchtigen; ob Supplementierung bei normalem Spiegel hilft, ist nicht eindeutig belegt.

Fazit

Cystein ist weit mehr als eine gewöhnliche Aminosäure – über seine Rolle in Glutathion, Keratin und Taurin ist es an zentralen Schutzsystemen des Körpers beteiligt. Die individuelle Synthesekapazität hängt massgeblich von CBS- und GCLC-Genvarianten ab. NAC ist die klinisch gut belegte Supplementform, besonders bei Atemwegserkrankungen und erhöhtem oxidativem Stress.

Quellen

  1. Townsend, D. M. et al.: «The importance of glutathione in human disease», Biomed. Pharmacother. 2003.
  2. Mosharov, E. et al.: «The quantitatively important relationship between homocysteine metabolism and glutathion synthesis», Biochemistry 2000.
  3. Atkuri, K. R. et al.: «N-Acetylcysteine – a safe antidote for cysteine/glutathione deficiency», Curr. Opin. Pharmacol. 2007.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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