Caryophyllen (beta-Caryophyllen, BCP) ist ein Sesquiterpen aus ätherischen Ölen von Nelken, schwarzem Pfeffer und Cannabis, das als einziges bekanntes Nahrungsmittel-Terpen direkt an Cannabinoid-Rezeptoren im Körper bindet. Wie gut dein Körper diese Wirkung entfalten kann, hängt von Varianten im Endocannabinoid-System ab.
| Typ | Sesquiterpen (C₁₅H₂₄); natürlicher Aromastoff in Gewürzen und Kräutern |
|---|---|
| Reichhaltige Quellen | Nelkenöl (ca. 80 %), schwarzer Pfeffer, Cannabis/Hanf, Oregano, Rosmarin, Basilikum |
| Wirkmechanismus | agonistisch am CB2-Cannabinoid-Rezeptor (immunmodulierend, nicht psychoaktiv) |
| EU-Rechtsstatus | zugelassenes Aroma (FEMA 4447); keine EU-Gesundheitsaussagen (432/2012) |
| Psychoaktivität | keine – CB2 ist kein psychoaktiver Rezeptor (CB1 = psychoaktiv, CB2 = immunmodulierend) |
| Genetik-Bezug | CNR2-Gen (CB2-Rezeptor-Varianten); individuelle Endocannabinoid-System-Ausstattung |
Jedes Mal, wenn du schwarzen Pfeffer oder Nelken benutzt, nimmst du Caryophyllen auf. Es ist verantwortlich für die würzige, holzige Note dieser Gewürze. Das Besondere: Caryophyllen ist das erste bekannte dietary cannabinoid – ein Nahrungsmittelinhaltsstoff, der an Cannabinoid-Rezeptoren bindet, ohne psychoaktiv zu sein. Das macht es in der Forschung zu einem interessanten Molekül.
Woher kommt Caryophyllen?
Beta-Caryophyllen kommt in Hunderten von Pflanzen vor. Die reichsten Nahrungsquellen:
- Nelkenöl: bis zu 80 % BCP – das konzentrierteste Vorkommen in Gewürzölen.
- Schwarzer Pfeffer: ca. 10–35 % BCP im ätherischen Öl.
- Cannabis/Hanf: eines der häufigsten Terpene in Cannabis-Varietäten (kein THC).
- Kräuter: Oregano, Rosmarin, Basilikum, Lavendel – geringere Mengen.
Was die Forschung zeigt
| Wirkung | Datenlage | Anmerkung |
|---|---|---|
| Entzündungshemmend | In vitro + Tiermodelle | via CB2-Aktivierung; Humanstudien begrenzt |
| Schmerzlindernd | Tiermodelle (neuropathischer Schmerz) | klinische Daten beim Menschen laufen |
| Antioxidativ | In vitro | direkte Radikalfänger-Aktivität |
| Neuroprotektiv | Tiermodelle | Mechanismus: CB2 auf Mikroglia |
Caryophyllen in der Aromatherapie und als Supplement
In der Aromatherapie wird Nelkenöl und schwarzer Pfeffer wegen ihres Caryophyllen-Gehalts für stimmungsmodulierende Düfte genutzt. Als isoliertes Supplement (BCP-Kapseln) ist Caryophyllen in der Schweiz frei verkäuflich und wird vor allem für Entzündungsmanagement und stressmodulierende Wirkungen vermarktet. Achtung: Für diese Aussagen fehlen EU-zugelassene Gesundheitsclaims; alle Angaben sind Forschungsinformationen.
Häufige Fragen
Ist Caryophyllen legal in der Schweiz?
Ja. Caryophyllen ist ein Nahrungsmittelaromastoff (zugelassen als FEMA 4447) und in Nahrungsergänzungsmitteln sowie ätherischen Ölen legal. Es ist nicht psychoaktiv und kein THC-ähnlicher Stoff.
Macht Caryophyllen high?
Nein. Caryophyllen bindet nur am CB2-Rezeptor, nicht am CB1-Rezeptor, der die psychoaktiven Wirkungen von THC vermittelt. CB2 ist vor allem in Immunzellen aktiv und nicht für psychoaktive Wirkungen zuständig.
Wie nehme ich Caryophyllen auf?
Über Gewürze (schwarzer Pfeffer, Nelken, Oregano, Rosmarin) in der täglichen Küche. Als Supplement gibt es BCP-Kapseln. Ätherische Öle können über Inhalation oder (stark verdünnt) auf die Haut verwendet werden – nie pur einnehmen.
Welche genetischen Faktoren beeinflussen die Wirkung von Caryophyllen?
Hauptsächlich Varianten im CNR2-Gen (CB2-Rezeptor) und FAAH (Endocannabinoid-Abbauenzym). Menschen mit bestimmten CNR2-Polymorphismen reagieren stärker oder schwächer auf CB2-Agonisten wie Caryophyllen.
Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?
Caryophyllen beeinflusst das Endocannabinoid-System und kann theoretisch mit Medikamenten interagieren, die denselben Weg nutzen. Gesicherte Wechselwirkungshinweise für Menschen sind aber noch begrenzt. Bei Einnahme starker Medikamente ärztliche Rücksprache.
Fazit
Caryophyllen ist ein faszinierendes Molekül an der Schnittstelle von Küchenaroma und Pharmakologie: als einziges Nahrungsmittel-Terpen mit CB2-Aktivität ist es Forschungsgegenstand für Entzündungs- und Schmerztherapie. Wie stark dein Körper reagiert, hängt von Varianten im CNR2-Gen ab. Über Gewürze nimmst du es täglich in geringen Mengen auf – sicher und genussvoll.
Quellen
- Gertsch, J. et al.: Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid, PNAS, 2008.
- Bento, A.F. et al.: beta-Caryophyllene inhibits dextran sulfate sodium-induced colitis through CB2 receptor activation, Journal of Immunology, 2011.
- Horváth, B. et al.: The endocannabinoid system and plant-derived cannabinoids in diabetes and diabetic complications, American Journal of Pathology, 2012.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
