Borax (Natriumtetraborat, Na₂B₄O₇·10H₂O) ist ein natürlich vorkommendes Bormineral, das in der Industrie als Reinigungsmittel, Fluss- und Glasrohstoff eingesetzt wird. Als innerliches Nahrungsergänzungsmittel ist Borax in der Schweiz und der EU nicht zugelassen und gilt bei höheren Mengen als toxisch. Bor als Spurenelement hingegen kommt in Lebensmitteln vor und wird diskutiert, ob es essenziell ist.
| Chemische Formel | Na₂B₄O₇·10H₂O (Natriumtetraborat-Decahydrat) |
|---|---|
| Natürliches Vorkommen | Verdunstungslagerstätten (Türkei, USA, Argentinien) |
| Industrienutzen | Reiniger, Glasherstellung, Emaillen, Fluss- und Düngemittel |
| Zulassung Lebensmittel/NEM | In EU/CH als Nahrungsergänzung NICHT zugelassen (E285 nur in Kaviar, max. 4 g/kg) |
| Toxizität | Reizend ab ca. 1–3 g/kg KG; giftig für Fortpflanzung (EU Repr. 1B) |
| Genetik-Bezug | Bor beeinflusst Steroidhormon-Metabolismus über CYP17A1 und Vitamin-D-Rezeptor (VDR) |
Borax kursiert in manchen Online-Kreisen als Hausmittel oder Nahrungsergänzung. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht problematisch: Die EU klassifiziert Natriumtetraborat als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B) und entwicklungsschädigend. Bor als Spurenelement ist nicht dasselbe wie Borax als Haushaltschemikal – hier ist Genauigkeit wichtig.
Bor vs. Borax: Ein wichtiger Unterschied
Bor ist ein chemisches Element (Symbol B), das in kleinen Mengen natürlich in Lebensmitteln vorkommt – vor allem in Nüssen, Hülsenfrüchten, Weintrauben und Rosinen (typisch 0,5–3 mg/100 g). Borax ist eine Borverbindung mit Natrium und Sauerstoff, die gezielt industriell genutzt wird. Die blosse Anwesenheit des Elements Bor in Lebensmitteln bedeutet nicht, dass Borax essbar oder sicher ist.
Rechtslage und Sicherheit
- EU/Schweiz: Borax (E285) ist nur als Konservierungsmittel in Kaviar (max. 4 g/kg) zugelassen. Als Nahrungsergänzung ist es nicht erlaubt.
- Reproduktionstoxizität: Die EU-Chemikalienverordnung REACH stuft Natriumborat als reproduktionstoxisch (Repr. 1B) ein. In der Schwangerschaft ist jede Exposition zu vermeiden.
- Nierentoxizität: Bor wird über die Nieren ausgeschieden; bei hoher Zufuhr oder eingeschränkter Nierenfunktion kann es sich anreichern.
- Haushalt: Borax als Reiniger ist für Erwachsene bei Hautkontakt wenig problematisch, sollte aber nicht geschluckt werden.
Häufige Fragen
Ist Borax als Nahrungsergänzung legal?
In der EU und der Schweiz ist Borax als Nahrungsergänzungsmittel nicht zugelassen. Die Empfehlung aus Online-Foren, verdünntes Borax zu trinken, ist weder reguliert noch wissenschaftlich belegt und potenziell gefährlich.
Braucht der menschliche Körper Bor?
Bor gilt als möglicherweise essenzielles Spurenelement, ist aber nicht offiziell als notwendiger Nährstoff anerkannt. Den Bedarf deckt man problemlos über eine abwechslungsreiche Ernährung mit Nüssen, Hülsenfrüchten und Trockenfrüchten.
Warum wird Borax manchmal mit Knochen- oder Gelenkgesundheit in Verbindung gebracht?
Frühe Tierstudien zeigten, dass Bor den Knochenstoffwechsel beeinflusst. Belastbare klinische Belege für Borax-Supplementierung beim Menschen fehlen; ausserdem wäre das Element Bor der wirksame Bestandteil – nicht das Mineral Borax.
Wie gefährlich ist Borax im Haushalt?
Als Reiniger ist Borax bei normaler Anwendung hautverträglich; Einatmen von Staub ist zu vermeiden. Für Kinder und Haustiere ist es gefährlich – sicher aufbewahren.
Kann Borax Haut oder Haare schädigen?
Konzentrierte Lösungen können Haut und Schleimhäute reizen. Verdünnte Anwendungen in manchen Kosmetikrezepturen sind historisch bekannt, werden aber in modernen Produkten kaum noch eingesetzt.
Fazit
Borax als Nahrungsergänzung ist in der EU und der Schweiz nicht zugelassen und bei höheren Mengen toxisch. Das Element Bor, das in vielen Lebensmitteln steckt, ist wissenschaftlich interessant – unter anderem wegen seiner Rolle im Hormon- und Vitamin-D-Stoffwechsel über Gene wie VDR und CYP17A1. Den Borbedarf über eine abwechslungsreiche Ernährung zu decken ist sicherer und belegt.
Quellen
- EFSA Scientific Opinion on Boric Acid and Sodium Borates – Safety for use in food, 2013.
- European Chemicals Agency (ECHA): Klassifikation Natriumtetraborat (Repr. 1B), aktualisiert 2024.
- Nielsen F.H.: Is Boron Nutritionally Relevant?, Nutrition Reviews, 2008.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
