Silizium

Kurze Antwort

Silizium (Si) ist das zweithäufigste Element der Erdkruste und als Spurenelement in Form der Kieselsäure (orthosilicic acid, OSA) biologisch aktiv – es spielt eine Rolle bei Knochen, Bindegewebe und Haut. Wie viel Silizium dein Körper verwerten kann, wird unter anderem von Genen gesteuert, die Silicattransporter und Kollagenaufbau regulieren.

Silizium auf einen Blick
Chemisches Symbol Si (Ordnungszahl 14)
Biologisch aktive Form orthosilicic acid (OSA) im Blut
Kein NRV kein offizieller EU-Tagesbedarf festgelegt
Gute Nahrungsquellen Vollkorngetreide, Hafer, Bier, Mineralwasser (kieselsäurehaltig)
Anwendung als Supplement flüssige Kieselsäure, Schachtelhalm-Extrakt, Tabs
Genetik-Bezug Kollagen-Gene (COL1A1, COL1A2), Silicat-Transporter SLC33A1-Pathway

Silizium im Sinne des Halbleitermaterials (reines Si-Kristall) hat mit der Ernährung nichts zu tun. Biologisch relevant ist die lösliche Kieselsäure, die aus der Nahrung ins Blut übergeht und dort Konzentrationen von 5–20 µmol/l erreicht. Schachtelhalm (Equisetum arvense) gilt in der Phytotherapie als klassische Siliziumquelle.

Wie Silizium im Körper wirkt

Lösliche Kieselsäure (OSA) wird im Dünndarm passiv absorbiert und im Blutplasma transportiert. Sie gelangt vor allem ins Knochengewebe, Haut und Haarfollikel. Im Knochengewebe interagiert sie mit Kalzium und Phosphor während der Knochenmineralisation; in der Haut unterstützt sie die Bildung von Glykosaminoglykanen (Bestandteile der extrazellulären Matrix). Die Evidenz aus randomisierten Studien ist begrenzt – am robustesten sind Assoziationsdaten zwischen Siliziumaufnahme und Knochendichte.

Nahrungsquellen

Quelle Silizium-Gehalt (mg/kg/l) Hinweis
Vollkornhafer ~4300 mg/kg aber als Phytolit, schlechte Bioverfügbarkeit
Bier ~20–30 mg/l Malz – gut bioverfügbar als OSA
Kieselsäure-Mineralwasser ≥30 mg/l beste Bioverfügbarkeit
Grüne Bohnen ~200 mg/kg mittlere Bioverfügbarkeit
  • Bioverfügbarkeit schwankt stark: Pflanzliches Silizium liegt oft als schwer lösliches Phytolit vor, das kaum absorbiert wird.
  • Kieselsäure-reiches Mineralwasser (Aufschrift: ≥30 mg Si/l) und Bier liefern gut bioverfügbares OSA – Bier ist allerdings aufgrund des Alkohols keine Empfehlung.
Silizium – Bioverfügbarkeit (schematisch)Mineralwasser (OSA)hochBier (Malz-OSA)hoch (Alkohol!)Grüne BohnenmittelVollkornhafergering (Phytolit)Synthsupplementvariiert stark
Die Bioverfügbarkeit hängt entscheidend von der chemischen Form ab – lösliche Kieselsäure (OSA) wird am besten aufgenommen.

Silizium-Supplemente und Phytopräparate

Schachtelhalm-Extrakt (Equisetum arvense) ist das am häufigsten eingesetzte pflanzliche Silizium-Supplement. Daneben gibt es flüssige Kieselsäurepräparate mit laut Hersteller höherer Bioverfügbarkeit. Die EMA hat Schachtelhalm-Monographien für traditionelle Anwendungen bei Ödemen anerkannt. Für knochengesundheitliche Aussagen fehlen zugelassene Health Claims in der EU.

Häufige Fragen

Brauche ich ein Silizium-Supplement?

Ein klar definierter Mangelbedarf ist nicht etabliert. Bei abwechslungsreicher Ernährung mit Vollkornprodukten und Gemüse ist ein Mangel unwahrscheinlich. Wer Knochen- oder Bindegewebsthemen hat, sollte ärztlich abklären.

Hilft Silizium Haaren und Nägeln?

Es gibt Hinweise, dass Kieselsäure die Zugfestigkeit von Nägeln und Haaren verbessern kann. Randomisierte Studien sind jedoch klein und von begrenzter Qualität. Keine zugelassenen Health Claims in der EU.

Kann ich Silizium aus Mineralwasser aufnehmen?

Ja – kieselsäurereiches Mineralwasser (≥30 mg/l Si) ist eine praktische und gut bioverfügbare Quelle. Die Aufschrift „Kieselsäure» oder „Silicium» auf dem Etikett prüfen.

Schadet zu viel Silizium?

Nahrungsaufnahme aus Lebensmitteln: kein bekanntes Toxizitätsrisiko. Eingeatmetes kristallines Siliziumdioxid (Siliziumstaub, Quarzstaub) ist dagegen stark toxisch (Silikose) – das betrifft Berufsschutz, nicht die Ernährung.

Was unterscheidet Silizium von Silikon?

Silikon (Polysiloxane) sind synthetische Polymere ohne ernährungsrelevante Bedeutung. Silizium als Element und Kieselsäure als biologisch aktive Form sind davon völlig verschieden.

Fazit

Silizium in Form von löslicher Kieselsäure ist ein physiologisch relevantes Spurenelement, das Kollagenaufbau, Knochen und Haut beeinflusst. Genetische Varianten in COL1A1/COL1A2 und ALPL-verwandten Wegen bestimmen mit, wie stark du von ausreichender Versorgung profitierst. Einen klar definierten Tagesbedarf gibt es nicht, und Health Claims sind in der EU nicht zugelassen – trotzdem ist eine siliziumreiche Ernährung mit Vollkorn, Gemüse und Mineralwasser gut begründet.

Quellen

  1. Nielsen FH: Update on the possible nutritional importance of silicon, Journal of Trace Elements in Medicine and Biology 2014.
  2. Jugdaohsingh R et al.: Dietary silicon intake is positively associated with bone mineral density in men and premenopausal women, Journal of Bone and Mineral Research 2004.
  3. EMA: Community herbal monograph on Equisetum arvense L., EMA/HMPC 2016.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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