Vitamin o

Kurze Antwort

„Vitamin O» ist kein anerkanntes Vitamin – der Begriff wurde ab den 1990er Jahren als Produktname für ein angeblich mit Sauerstoff angereichertes Wasser vermarktet, dem Heilwirkungen zugeschrieben wurden. Wissenschaftlich existiert kein Vitamin O. Der Begriff taucht heute im Internet auf und hat Potenzial zur Verwirrung. Diese Seite klärt auf, was hinter der Bezeichnung steckt – und warum echte Vitamine wie A, C oder E genetisch ganz andere Dimensionen eröffnen.

„Vitamin O» auf einen Blick
Status Kein anerkanntes Vitamin; kein offizieller Nährstoffbezugswert
Ursprung Marketingprodukt (stabilisiertes Sauerstoffwasser, USA, 1990er Jahre)
Regulierung FTC (USA) stoppte Heilsversprechen 1999 wegen fehlender Belege
Genetik-Bezug Keiner direkt; Sauerstoffstoffwechsel wird durch HIF1A, EPAS1 reguliert
Verwechslung Manchmal für Ozon-Therapie oder Sauerstoff-Infusion verwendet
Empfehlung Keine Supplementierung empfohlen; Anbieter-Versprechen kritisch prüfen

Hinter „Vitamin O» steckten meist stark verdünnte Salzlösungen, denen angeblich zusätzlicher Sauerstoff eingebracht worden war. Schon physikalisch kann Wasser nicht mehr gelösten Sauerstoff tragen als unter normalen Umgebungsbedingungen absorbiert wird – geschweige denn therapeutische Mengen. Die US-Behörde FTC untersagte 1999 entsprechende Heilsversprechen wegen Irreführung.

Wie Sauerstoff im Körper wirklich transportiert wird

Sauerstoff wird über Hämoglobin in roten Blutkörperchen zu den Geweben transportiert. Die Menge an Hämoglobin und die Effizienz des Transports hängen unter anderem von Eisen, Folsäure, Vitamin B12 und – genetisch – von HIF1A-Varianten ab. Eine ausgewogene Ernährung mit diesen Nährstoffen unterstützt die natürliche Sauerstoffversorgung weit wirksamer als jedes „Sauerstoffwasser».

Verwechslungsgefahr: Was „O» auch bedeuten kann

  • Ozon-Therapie: Medizinisch umstrittene Anwendungen mit Ozon (O3); in der Schweiz streng reguliert.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie: Medizinisch etabliert bei bestimmten Wunden oder CO-Vergiftungen; braucht ärztliche Indikation.
  • Sauerstoff-Anreicherung in Sportgetränken: Wissenschaftlich ohne nachgewiesenen Vorteil für gesunde Sportler.
Sauerstofftransport – echte BiologieLungeO2 aufnehmenHämoglobinO2 binden (Eisen)KapillarenTransport (HIF1A)ZelleATP-ProduktionEisen, B12, Folsäure und Gene wie HIF1A steuern diese Kette – kein Marketingprodukt.
Sauerstoffversorgung ist komplex und genetisch mitgesteuert – „Vitamin O» als Produkt hat damit nichts zu tun.

Häufige Fragen

Gibt es ein echtes Vitamin O?

Nein. Die Vitaminbezeichnungen enden bei K (mit einigen Untergruppen). „Vitamin O» ist kein offiziell anerkannter Nährstoff und hat keinen NRV.

Kann ich mit Sauerstoffwasser mehr Energie gewinnen?

Nein. Gelöster Sauerstoff in Wasser wird im Magen-Darm-Trakt nicht absorbiert; die Sauerstoffversorgung des Körpers hängt von Lunge und Blut ab, nicht vom Trinkwasser.

Ist hyperbare Sauerstofftherapie dasselbe wie „Vitamin O»?

Nein. Hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) ist eine medizinisch etablierte Behandlung für spezifische Indikationen (Wunden, CO-Vergiftung) unter ärztlicher Aufsicht in Druckkammern. Sie hat nichts mit dem vermarkteten „Vitamin O» gemein.

Welche Gene steuern meinen Sauerstoffstoffwechsel?

HIF1A, EPAS1 und VEGFA sind zentrale Regulatoren. Varianten in diesen Genen erklären zum Beispiel, warum Hochlandvölker wie Tibeter oder Andenindios besser mit Sauerstoffarmut umgehen als Tieflandbewohner.

Was kann ich tun, um meine Sauerstoffversorgung wirklich zu verbessern?

Ausdauersport (stimuliert rote Blutbildung), ausreichend Eisen, Vitamin B12 und Folsäure für die Hämoglobinproduktion, Nichtrauchen (kein CO, das Hämoglobin blockiert) – das sind nachgewiesene Wege.

Fazit

„Vitamin O» ist kein Vitamin, hat keinen Nährstoffbezugswert und keine wissenschaftliche Grundlage. Der Sauerstoffstoffwechsel ist hochkomplex und genetisch reguliert – aber nicht durch ein Präparat namens Vitamin O beeinflusst. Wer seine Energie und Ausdauer steigern möchte, profitiert von einer nährstoffreichen Ernährung und Bewegung weit mehr als von einem Marketingprodukt.

Quellen

  1. Federal Trade Commission (FTC): Consent Order in the Matter of Rose Creek Health Products, 1999 – Untersagung irreführender Vitamin-O-Werbung.
  2. Semenza GL: HIF-1 and mechanisms of hypoxia sensing, Curr Opin Cell Biol 2001.
  3. Bigham AW, Lee FS: Human high-altitude adaptation: forward genetics meets the HIF pathway, Genes Dev 2014.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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