Taurin

Kurze Antwort

Taurin ist eine schwefelhaltige organische Säure, die in Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten vorkommt und im menschlichen Körper selbst gebildet werden kann. Sie spielt Rollen in der Herzfunktion, im Nervensystem, in der Augengesundheit und als Gallensäure-Vorstufe. Wie viel Taurin dein Körper selbst herstellt, ist genetisch mitbestimmt.

Taurin auf einen Blick
Chemisch 2-Aminoethansulfonsäure (keine proteinogene Aminosäure)
Vorkommen Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte; Spuren in Milchprodukten
Eigensynthese aus Methionin und Cystein über Cystathionin
Tagesbedarf kein offizieller NRV; Schätzungen 200–500 mg (Erwachsene)
Typische Verwendung Energydrinks, Sporternährung, klinische Ernährung (Kleinkinder)
Genetik-Bezug CSE-Gen (Cystathionin-γ-Lyase), CDO1-Gen (Cysteinabbau)

Taurin wurde 1827 erstmals aus Ochsengalle isoliert – daher der Name (lateinisch taurus = Stier). Heute kennen wir es vor allem aus Energydrinks, wo es ein populärer Zusatzstoff ist. Tatsächlich hat Taurin im Körper wichtige Aufgaben, die weit über den Marketing-Kontext hinausgehen: Es stabilisiert Zellmembranen, reguliert den Calciumhaushalt in Herzmuskelzellen und unterstützt die Entwicklung von Netzhaut und Gehirn.

Funktion im Körper

  • Herzmuskel: reguliert den intrazellulären Calciumtransport; stabilisiert Herzrhythmus.
  • Nervensystem: schwacher Neurotransmitter; neuroprotektive Eigenschaften in der Netzhaut.
  • Gallensäurenkonjugation: Taurin wird mit Gallensäuren gekoppelt, um die Fettverdauung zu unterstützen.
  • Antioxidans: fängt hypochlorige Säure (HOCl) ab und schützt Zellen vor Oxidationsstress.
  • Osmoregulation: schützt Zellen vor übermässigem Volumen- und Druckstress.

Quellen und Bedarf

Taurin-Gehalt ausgewählter Lebensmittel (je 100 g)
Miesmuscheln ~655 mg
Tintenfisch ~356 mg
Thunfisch ~250 mg
Rindfleisch ~50 mg
Poulet ~60 mg
Kuhmilch ~6 mg
Taurin-Biosynthese (vereinfacht)Methionin(Nahrung)Cystein(CSE-Enzym)Cysteinsulfinat(CDO1-Enzym)Taurin(Leber)Herz, Nerven,Galle, AugenCDO1- und CSE-Genvarianten beeinflussen die Syntheseeffizienz
Taurin wird aus Methionin über Cystein in der Leber gebildet – Genvarianten in CDO1 und CSE bestimmen, wie viel der Körper selbst produzieren kann.

Taurin in Energydrinks

Ein typischer Energydrink enthält 1000–2000 mg Taurin. Die European Food Safety Authority (EFSA) hat 2009 erklärt, dass Taurin in diesen Mengen für gesunde Erwachsene als sicher gilt. Die häufig beschriebene „Wirkung» von Energydrinks ist jedoch primär dem Koffein zuzuschreiben – Taurin selbst ist kein Stimulans.

Häufige Fragen

Brauchen Veganer Taurin-Supplemente?

Möglicherweise – aber es kommt auf den Genotyp an. Wer mit den Biosynthese-Enzymen CSE und CDO1 gut ausgestattet ist, stellt auch ohne Fleisch ausreichend Taurin her. Studien zeigen, dass Plasmaspiegel bei Veganern tendenziell niedriger sind, aber klinisch relevante Mangelsymptome beim gesunden Erwachsenen selten.

Macht Taurin in Energydrinks wach?

Nein. Taurin ist kein Stimulans. Die Wachmacherwirkung von Energydrinks kommt von Koffein, manchmal auch von B-Vitaminen und Glucuronolacton. Taurin spielt dort eine untergeordnete Rolle.

Kann Taurin bei Herzerkrankungen helfen?

Es gibt erste Hinweise aus klinischen Studien, dass hohe Tauringaben (3 g/Tag) bei bestimmten Herzinsuffizienz-Patienten die Belastungstoleranz verbessern können. Das ist keine allgemeine Therapieempfehlung – bei Herzerkrankung immer ärztlich abklären.

Ist Taurin ein Aminosäure?

Taurin wird oft als „Aminosäure» bezeichnet, ist aber chemisch gesehen eine Aminosulfonsäure – es gibt keine Carboxylgruppe, die es zu einer proteinogenen Aminosäure machen würde. Im Körper ist es jedoch wie eine Aminosäure aktiv.

Wie viel Taurin ist im Körper vorhanden?

Der erwachsene Körper enthält etwa 70 mg Taurin pro Kilogramm Körpergewicht – also rund 5–6 g insgesamt. Die höchsten Konzentrationen finden sich in Herzmuskel, Skelettmuskel, Gehirn und Netzhaut.

Fazit

Taurin ist eine physiologisch wichtige Verbindung mit klar dokumentierten Rollen in Herz, Nervensystem und Augen. Ob jemand auf eine ausreichende Eigenproduktion bauen kann, hängt massgeblich von den Genvarianten in CSE und CDO1 ab. Als Nahrungsergänzungsmittel ist Taurin in üblichen Mengen sicher – aber kein Wundermittel.

Quellen

  1. Huxtable, R.J.: Physiological actions of taurine, Physiological Reviews, 1992.
  2. EFSA: Scientific Opinion on the safety of taurine, EFSA Journal, 2009.
  3. Schaffer, S.W. et al.: Role of taurine in the pathologies of MELAS and WWS, Amino Acids, 2014.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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