Lysin ist eine essenzielle Aminosäure, die der Körper nicht selbst herstellen kann und daher täglich über die Nahrung aufnehmen muss. Sie ist Baustein von Proteinen, Vorstufe von Carnitin und spielt eine zentrale Rolle bei der Kollagenbildung. Genetische Varianten im Aminosäuretransport beeinflussen, wie viel Lysin dein Körper aus einer Mahlzeit zieht.
| Chemische Formel | C₆H₁₄N₂O₂ (basische, positiv geladene Aminosäure) |
|---|---|
| Typ | essenzielle Aminosäure (proteogen) |
| Tagesbedarf (WHO) | ca. 30–38 mg pro kg Körpergewicht für Erwachsene |
| Beste Quellen | Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Quinoa |
| Funktionen | Proteinaufbau, Kollagensynthese, Carnitin-Biosynthese, Kalziumaufnahme |
| Genetik-Bezug | Lysintransporter SLC7A9/SLC3A1 (Zystinurie-Gene), Carnitin-Synthese |
Lysin ist die limitierende Aminosäure in Getreide – Weizen, Mais und Reis enthalten wenig davon. Deshalb litt ein grosser Teil der Weltbevölkerung, der sich hauptsächlich von Getreide ernährt, historisch an Lysinmangel. Durch die Kombination von Getreide mit Hülsenfrüchten (Bohnen, Linsen) ergänzen sich die Aminosäureprofile optimal.
Funktionen im Körper
Lysin ist für mehrere zentrale Körperprozesse unverzichtbar:
- Kollagensynthese: Lysin und Hydroxyllysin sind essenziell für stabile Kollagenquervernetzungen in Haut, Knochen, Knorpel und Gefässwänden.
- Carnitin-Biosynthese: Aus Lysin + Methionin entsteht Carnitin, das Fettsäuren in die Mitochondrien transportiert.
- Kalziumstoffwechsel: Lysin verbessert die intestinale Kalziumaufnahme und reduziert die Kalziumausscheidung über die Niere.
- Immunfunktion: Antikörper und viele Immunproteine sind lysinreich; Mangel beeinträchtigt die Antikörperproduktion.
Lysin und Herpes-simplex
Ein gut dokumentierter Einsatz von Lysin-Supplementen ist die Prävention und Abschwächung von Herpes-simplex-Ausbrüchen (Lippenherpes). Das Virus benötigt Arginin zum Replizieren; Lysin konkurriert mit Arginin um denselben Transporter und reduziert so die Arginin-Verfügbarkeit für das Virus. Mehrere kontrollierte Studien zeigen eine Reduktion der Ausbruchhäufigkeit bei täglicher Einnahme von 1–3 g Lysin. Diese Anwendung ist kein EU-zugelassener Health Claim, aber klinisch verbreitet.
Dosierung und Sicherheit
Über die Ernährung ist eine Unterversorgung bei ausgewogener Kost selten. Als Supplement werden 1–3 g täglich eingesetzt, bei Herpesneigung auch bis 3 g. In diesen Mengen gilt Lysin als sicher. Sehr hohe Dosen (über 10 g täglich über längere Zeit) können laut Tierstudien Nieren und Leber belasten – relevant für die tägliche Ernährung ist das nicht, aber für hochdosierte Präparate. Wer Lysinsupplements einsetzt, sollte gleichzeitig argininreiche Lebensmittel wie Nüsse und Schokolade reduzieren (bei Herpes-Indikation).
Häufige Fragen
Was ist die beste Lysinquelle für Veganer?
Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen) und Sojaprodukte (Tofu, Tempeh) sind die besten pflanzlichen Lysinquellen. Quinoa ist ein der wenigen Getreide mit vollständigem Aminosäureprofil.
Hilft Lysin wirklich gegen Lippenherpes?
Mehrere kontrollierte Studien zeigen eine Reduktion der Ausbruchhäufigkeit. Die Evidenz ist moderat; viele Betroffene berichten von positivem Effekt. Kein zugelassener Heilanspruch, aber klinisch verbreitet.
Wann soll ich Lysin einnehmen?
Am besten mit oder kurz nach einer Mahlzeit, um die Magenverträglichkeit zu verbessern. Bei Herpesprävention täglich, bei akutem Ausbruch mehrmals täglich (nach Rücksprache mit Arzt).
Kann Lysin die Sportleistung verbessern?
Direkte Belege für Leistungssteigerung fehlen. Indirekt unterstützt Lysin durch seine Rolle bei der Carnitin-Biosynthese den Fettstoffwechsel – für Ausdauersportler potenziell relevant.
Hat Lysin Wechselwirkungen mit Medikamenten?
Bekannte Interaktionen sind selten. Wer Aminoglykosid-Antibiotika einnimmt, sollte hohe Lysin-Supplementierung vermeiden – beides belastet die Nieren. Bei Unsicherheit Arzt fragen.
Fazit
Lysin ist eine essenzielle Aminosäure mit klaren Funktionen in Kollagen, Carnitin und Immunsystem. Die genetische Steuerung über Histon-Modifikationen macht Lysin ausserdem zu einem zentralen Spieler in der Epigenetik. Als Supplement ist Lysin in Standarddosen sicher und wird am häufigsten zur Herpes-Prävention eingesetzt.
Quellen
- Flodin NW: The metabolic roles, pharmacology and toxicology of lysine, J Am Coll Nutr 1997.
- Griffith RS et al.: Success of L-lysine therapy in frequently recurrent herpes simplex infection, Dermatologica 1987.
- WHO/FAO/UNU: Protein and amino acid requirements in human nutrition, WHO Technical Report 935, 2007.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
