Lycopin ist ein rotes Carotinoid (C₄₀H₅₆) und eines der stärksten antioxidativen Pflanzenpigmente, das vor allem in Tomaten und Wassermelonen vorkommt. Im Körper akkumuliert es in Prostata, Leber und Hoden. Genetische Varianten im Carotinoid-Transportwesen beeinflussen, wie viel Lycopin du aus einer Mahlzeit aufnimmst.
| Chemische Formel | C₄₀H₅₆ (azyklisches Carotinoid, 11 Doppelbindungen) |
|---|---|
| Farbe | leuchtend Rot (Chromophor durch konjugierte Doppelbindungen) |
| Beste Quellen | Tomatenpüree/-mark, Wassermelone, rote Papaya, Guave, rosa Grapefruit |
| Bioverfügbarkeit | steigt stark durch Erhitzen + Fett (z. B. Olivenöl) |
| Speicherorte | Prostata, Leber, Nebennieren, Testes, Fettgewebe |
| Status in der EU | zugelassener Lebensmittelfarbstoff (E160d); kein zugelassener Health Claim |
| Genetik-Bezug | SR-BI (Carotinoid-Aufnahme), SCARB1-SNPs, BCO2 (Carotinoid-Spaltung) |
Lycopin gibt Tomaten, Wassermelonen und roten Papayas ihre typische Farbe. Anders als Beta-Carotin hat Lycopin keine Vitamin-A-Aktivität – sein gesundheitlicher Wert liegt ausschliesslich in seiner antioxidativen und zellschützenden Wirkung. Erhitzte Tomatenprodukte (Ketchup, Passata, Tomatenpüree) liefern bis zu fünfmal mehr bioverfügbares Lycopin als frische Tomaten.
Lycopin und Prostatagesundheit
Die am häufigsten untersuchte gesundheitliche Wirkung von Lycopin betrifft die Prostata. Epidemiologische Studien – allen voran grosse Kohortenstudien wie die Health Professionals Follow-Up Study – zeigen eine inverse Assoziation zwischen hohem Lycopin-Konsum (insbesondere aus gekochten Tomatenprodukten) und dem Prostatakrebs-Risiko. Mechanistisch wird diskutiert, ob Lycopin den oxidativen DNA-Schaden in Prostatazellen reduziert und den Zellzyklus moduliert. Ein kausaler Beweis beim Menschen fehlt; in der EU ist kein entsprechender Health Claim zugelassen.
Herzgesundheit und Entzündung
Lycopin hemmt in vitro die LDL-Oxidation – ein Schlüsselmechanismus in der Atherosklerose-Entstehung. Mehrere randomisierte Studien zeigen, dass Lycopin-Supplements (25–75 mg/Tag) LDL-Cholesterin signifikant senken können. Auch entzündliche Marker wie IL-6 und CRP werden in einigen Studien reduziert. Für eine allgemeine Herzgesundheitsaussage reicht die Evidenz laut EFSA aktuell nicht aus.
Tipps für mehr Lycopin
- Tomaten erhitzen: Ketchup, Passata, Sugo – beim Kochen werden Lycopin-Kristalle aus der Zellmatrix gelöst.
- Mit Fett kombinieren: Ein Löffel Olivenöl verbessert die Lycopin-Aufnahme aus dem Darm erheblich.
- Rote Wassermelone: schon 150 g liefern ~6 mg Lycopin bei sehr wenig Kalorien.
- Supplements: 7–15 mg Lycopin täglich ist eine in Studien eingesetzte Dosis; natürliche Quellen sind vorzuziehen.
Häufige Fragen
Kann Lycopin die Haut vor UV-Schäden schützen?
In einer kontrollierten Studie (Aust et al.) zeigte die tägliche Einnahme von 40 g Tomatenpaste über 10 Wochen einen signifikant verringerten Sonnenbrand bei UV-Bestrahlung. Lycopin ist kein Sonnenschutz, aber es kann die endogene Schutzkapazität der Haut moderat verbessern.
Warum ist Ketchup eine bessere Lycopin-Quelle als frische Tomaten?
Durch Erhitzen und Konzentrieren werden Lycopin-Kristalle aufgebrochen und in bioverfügbare all-trans-Isomere umgewandelt. Ketchup enthält je nach Marke 10–20 mg Lycopin pro 100 g – deutlich mehr als rohe Tomaten.
Hat Lycopin Nebenwirkungen?
Bei sehr hohem Konsum roter Früchte kann Lykopinämie auftreten – eine harmlose Orangeverfärbung der Haut. Supplements in hohen Dosen werden im Darm insgesamt gut vertragen; wechselwirkt potenziell mit blutverdünnenden Mitteln.
Schützt Lycopin vor Prostatakrebs?
Epidemiologische Daten sind assoziativ positiv, ein kausaler Beweis beim Menschen fehlt. Kein zugelassener Health Claim in der EU. Es ist sinnvoll, Tomatenprodukte regelmässig zu essen – als Krebsschutzgarantie gilt das aber nicht.
Sollte ich Lycopin-Supplements einnehmen?
Für die meisten Menschen ist eine tomate- und gemüsereiche Ernährung ausreichend. Supplements können sinnvoll sein, wenn jemand sehr wenig rote Früchte isst oder spezifische gesundheitliche Überlegungen bestehen – nach ärztlicher Beratung.
Fazit
Lycopin ist ein gut erforschtes Carotinoid mit starker antioxidativer Kraft. Die SCARB1-Genvariante erklärt einen Teil davon, warum manche Menschen trotz gleicher Ernährung niedrigere Lycopin-Plasmaspiegel haben. Am einfachsten nimmst du mehr Lycopin auf, indem du regelmässig Tomatenprodukte mit etwas Öl konsumierst – und genetisch ungünstig Gestellte profitieren dabei überproportional von gezielter Optimierung.
Quellen
- Giovannucci E: A review of epidemiologic studies of tomatoes, lycopene, and prostate cancer, Exp Biol Med 2002.
- Aust O et al.: Lycopene from tomato paste enhances skin photoprotection, J Nutr 2005.
- Borel P et al.: SCARB1 polymorphisms influence carotenoid absorption, FASEB J 2013.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
