Kolloidales Gold ist eine Suspension von nanometergrossen Goldpartikeln in Wasser, die in der Medizin als diagnostisches Mittel und in der Forschung weit verbreitet ist – als Nahrungsergänzungsmittel ist der Nutzen dagegen nicht wissenschaftlich belegt. Wie dein Körper Goldpartikel verarbeitet und verteilt, ist individuell verschieden und hängt auch von genetischen Faktoren ab.
| Zusammensetzung | Goldnanopartikel (1–100 nm) in destilliertem Wasser |
|---|---|
| Farbe | Je nach Partikelgrösse: rotviolett (5–20 nm), dunkelrot (50 nm+) |
| Medizinische Nutzung | Diagnostik (Schwangerschaftstests, Rapid-Tests), Krebsforschung (Nanomedizin) |
| Als NEM | In Europa als Lebensmittelzusatz E175 (Goldpigment) zugelassen – anders als Nanopartikel |
| Regulierung | Goldnanopartikel als NEM: keine EU-Health-Claims zugelassen; Rechtslage komplex |
| Sicherheit | Langzeitstudien für orales kolloidales Gold fehlen; kein belegter Nutzen |
| Genetik-Bezug | Metallothionein-Gene (MT1A, MT2A), nanopartikel-spezifische Aufnahme-Mechanismen |
Gold gilt seit der Antike als edelstes Metall und wurde in verschiedenen Kulturen als Heilmittel verehrt. In der modernen Medizin spielen Goldnanopartikel eine wichtige Rolle in der Diagnostik und werden intensiv in der Krebsforschung untersucht – für gezielte Wirkstofflieferung und als Photothermal-Therapie. Als trinkbares Supplement dagegen ist die Datenlage dünn: Keine anerkannten Health Claims, keine belastbaren klinischen Studien.
Gold in der Medizin – was wirklich belegt ist
Goldverbindungen haben in der Rheumatologie eine Geschichte: Goldthiamalat und Auranofinare zugelassene Wirkstoffe gegen rheumatoide Arthritis (Antirheumatika). Diese Verbindungen sind aber keine Goldnanopartikel und nicht dasselbe wie kolloidales Gold. Goldnanopartikel werden intensiv in der Onkologie erforscht – für die gezielte Wirkstofflieferung in Tumorgewebe und als Wärmequelle bei Hyperthermie-Behandlungen. Diese Anwendungen befinden sich grösstenteils noch in der Forschungsphase.
Kolloidales Gold als Supplement – kritische Einordnung
- Keine zugelassenen Health Claims: Weder EFSA noch andere europäische Behörden haben Heilaussagen für kolloidales Gold genehmigt.
- Fehlende Langzeitstudien: Die Langzeit-Sicherheit von oral eingenommenen Goldnanopartikeln ist beim Menschen nicht ausreichend untersucht.
- E175 ist kein Goldkolloid: Lebensmittelfarbstoff Gold (E175) sind Goldplättchen oder -pulver – andere Struktur und Grösse als nanometergrosse Kolloide.
- Marketing vs. Wissenschaft: Behauptungen über Hirnleistung, Gelenke oder Immunsystem für kolloidales Gold sind nicht belegt.
Sicherheit und Hinweise
Gold als Element ist chemisch sehr stabil und gilt allgemein als bioinert. Goldallergien sind selten, aber möglich – v. a. bei Kontaktallergikern (Schmuck). Die Sicherheit von oral eingenommenen Goldnanopartikeln über lange Zeiträume ist beim Menschen nicht untersucht. Für Schwangere, Stillende und Kinder ist von unkontrollierter Einnahme abzuraten. In der Schweiz und der EU sind Health Claims für kolloidales Gold nicht zugelassen. Informiere dich beim BLV und konsultiere eine Ärztin.
Häufige Fragen
Ist kolloidales Gold dasselbe wie Lebensmittelgold (E175)?
Nein. E175 ist Blattgold oder Goldpulver für Lebensmittelfarbe – Mikrometer-Partikel, die der Körper kaum aufnimmt. Kolloidales Gold sind nanometergrosse Partikel mit ganz anderen Eigenschaften.
Hilft kolloidales Gold bei Gelenkschmerzen?
Zugelassene Gold-Arzneimittel (wie Natriumaurothiomalat) wurden früher bei Rheuma eingesetzt – das sind aber pharmazeutisch entwickelte Verbindungen, kein kolloidales Gold. Für Letzteres gibt es keine belegten Wirkungen.
Ist kolloidales Gold in der Schweiz legal?
Goldnanopartikel als Supplement liegen in einer Grauzone. Health Claims sind verboten. Wende dich bei Fragen ans BLV oder Swissmedic.
Warum forschen Wissenschaftler mit Goldnanopartikeln in der Krebstherapie?
Goldnanopartikel können gezielt in Tumorgewebe eingebracht werden und dort Wärme erzeugen (Photothermal-Effekt) oder Wirkstoff abgeben. Das ist eine medizinische Forschungsanwendung unter kontrollierten Bedingungen – kein Supplement.
Kann ich kolloidales Gold täglich einnehmen?
Das Sicherheitsprofil bei Langzeiteinnahme ist nicht ausreichend untersucht. Wir raten, ohne ärztliche Begleitung darauf zu verzichten.
Fazit
Kolloidales Gold fasziniert als Forschungsthema – in der Diagnostik und Nanomedizin hat Gold echte Zukunft. Als orales Supplement aber fehlen belegte Wirkungen und Langzeit-Sicherheitsdaten. Für die Verarbeitung von Goldnanopartikeln spielen Metallothionein-Gene eine Rolle – aber das allein rechtfertigt keine Einnahme ohne medizinische Indikation.
Quellen
- Dreaden, E.C. et al.: The golden age: gold nanoparticles for biomedicine, Chem. Soc. Rev. 2012.
- EFSA: Health Claims Register – kein zugelassener Claim für kolloidales Gold (Stand 2025).
- Lipka, J. et al.: Biodistribution of PEG-modified gold nanoparticles following intratracheal instillation, Biomaterials 2010.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
