Horny goat weed

Kurze Antwort

Horny Goat Weed ist der volkstümliche Name für Pflanzen der Gattung Epimedium (Berberidaceae), die in der traditionellen chinesischen Medizin seit über 2.000 Jahren als Tonikum und libidostärkendes Mittel eingesetzt werden. Hauptwirkstoff ist Icariin, ein Flavonoidglykosid – ob und wie stark es bei dir wirkt, hängt unter anderem von Varianten im Androgen-Rezeptor-Gen AR und im PDE5-Gen ab.

Horny Goat Weed (Epimedium) auf einen Blick
Botanik Epimedium grandiflorum, E. sagittatum, E. koreanum u. a.
Herkunft China, Korea, Japan, Himalaya-Region
Hauptwirkstoff Icariin, Icariside II, Icaritin (Flavonoidglykoside)
Bekannter Effekt (Prüflabor) PDE5-Hemmung (wie Sildenafil, aber schwächer)
Formen Kapseln, Pulver, Tee; Extrakt (standardisiert 10–40 % Icariin)
Rechtslage CH/EU Nahrungsergänzungsmittel; kein Heilmittel; keine zugelassenen Health Claims
Genetik-Bezug AR (Androgen-Rezeptor), NOS3 (Stickstoffmonoxid-Synthase), CYP3A4

Epimedium-Extrakte werden v. a. von Männern mit Libido- und Erektionsproblemen sowie von Menschen mit nachlassender Vitalität genutzt. Der Spitzname leitet sich von der Legende ab, dass ein Ziegenhirte erhöhte Paarungsaktivität seiner Herde nach dem Verzehr der Pflanze beobachtete. Harte klinische Evidenz beim Menschen fehlt weitgehend; Grundlagenstudien zeigen aber interessante Befunde zu Icariin.

Icariin: Wirkweise und Grenzen

Icariin und sein Abbauprodukt Icariside II sind in Zellstudien die aktivsten Verbindungen. Icariin hemmt PDE5, was theoretisch die Erweiterung von Blutgefässen fördert. In Tier-experimenten wurden positive Effekte auf sexuelles Verhalten und Testosteronspiegel beschrieben. Humanstudien sind spärlich, klein und methodisch eingeschränkt. Die Potenz als PDE5-Hemmer ist um Grössenordnungen geringer als bei Sildenafil – als natürliches Tonikum allenfalls interessant, aber kein Medikamenten-Ersatz.

Mögliche Anwendungsgebiete in der Forschung

  • Libido und sexuelle Funktion (Tier- und In-vitro-Daten)
  • Knochenstoffwechsel (Icariin aktiviert Osteoblasten in Labordaten)
  • Kognitive Funktion (neurotrophe Effekte in Tiermodellen)
  • Entzündungsmodulation (NF-kB-Hemmung in Zellstudien)
Icariin: vereinfachter PDE5-Hemm-MechanismusIcariinhemmt PDE5cGMP steigtnicht abgebautGlatte Muskulaturentspannt (schwächerals Sildenafil)
Icariin hemmt PDE5 und erhöht damit cGMP in der glatten Muskulatur – der gleiche Mechanismus wie bei PDE5-Hemmern, aber mit deutlich geringerer Potenz.

Sicherheit und Kontraindikationen

Epimedium-Extrakte gelten in moderaten Mengen als relativ sicher. Cave: Kombination mit PDE5-Hemmern (Sildenafil, Tadalafil) nicht empfohlen – additive Effekte auf Blutdruck möglich. Nicht bei schwerer Herzinsuffizienz, Hypotonie oder Blutdruckmedikamenten ohne ärztliche Absprache. In der Schweiz ist Epimedium als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, nicht als Arzneimittel.

Häufige Fragen

Ist Horny Goat Weed ein natürliches Viagra?

Nein. Icariin hemmt zwar dasselbe Enzym (PDE5), aber seine Potenz ist um ein Vielfaches geringer als die von Sildenafil. Es ist kein Arzneimittel und kein Ersatz für ärztlich verordnete PDE5-Hemmer.

Ist Horny Goat Weed in der Schweiz legal?

Ja. Epimedium-Extrakte sind als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Heilversprechen bezüglich Erektionsstörungen wären irreführend und nicht erlaubt.

Gibt es Wechselwirkungen mit Blutdruckmitteln?

Möglicherweise. Icariin kann blutdrucksenkend wirken. Wer Antihypertensiva nimmt, sollte Epimedium-Präparate ärztlich abklären lassen.

Wie lange bis erste Effekte?

Keine verlässlichen Daten aus Humanstudien. Traditionell wird Epimedium über mehrere Wochen eingenommen. Schnelle Effekte wie bei Sildenafil sind nicht zu erwarten.

Wer sollte Horny Goat Weed meiden?

Menschen mit Herzerkrankungen, Blutdruckproblemen, die PDE5-Hemmer nehmen, Schwangere, Stillende und Personen unter 18 Jahren sollten Epimedium meiden oder erst nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.

Fazit

Horny Goat Weed (Epimedium) enthält mit Icariin einen interessanten Wirkstoff, der mechanistisch plausibel, aber klinisch noch wenig belegt ist. Genetische Faktoren – AR-Varianten, NOS3-SNPs, CYP3A4-Aktivität – steuern stark mit, ob und wie du reagierst. Als Nahrungsergänzungsmittel in der Schweiz legal und bei korrekter Dosierung in der Regel sicher, solange keine Kontraindikationen bestehen.

Quellen

  1. Dell’Agli, M. et al.: Potent inhibition of human phosphodiesterase-5 by icariin derivatives, J. Nat. Prod., 2008.
  2. Zhang, Z.B. & Yang, Q.T.: The testosterone mimetic properties of icariin, Asian J. Androl., 2006.
  3. Swaminathan, N. et al.: Androgen receptor gene and sexual function, Hum. Reprod., 2011.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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