DHEA

Kurze Antwort

DHEA (Dehydroepiandrosteron) ist ein Steroidhormon, das die Nebennieren produzieren und das als Vorläufer für Testosteron und Östrogen dient. Die DHEA-Produktion erreicht um das 25. Lebensjahr ihr Maximum und sinkt dann kontinuierlich – wobei die Abnahmekurve genetisch erheblich variiert.

DHEA auf einen Blick
Chemische Klasse Steroidhormon (Androgen/Progestagen-Vorstufe)
Produktionsort Zona reticularis der Nebennierenrinde; in kleinen Mengen Gonaden und Gehirn
Formel C₁₉H₂₈O₂
Spitzenspiegel ca. 20.–25. Lebensjahr; danach ~2 % Abfall pro Jahr
CH/DE-Rechtslage Verschreibungspflichtig (Rx); ohne Rezept nur als «Nahrungsergänzung» in Grauzone
Risiken Akne, Haarausfall, Hormonstörungen; hormonabhängige Tumoren möglich
Genetik-Bezug Gene CYP17A1, HSD3B1, DHEAS-Spiegel-SNPs

DHEA wird im Körper in Androgene und Östrogene umgewandelt und beeinflusst deshalb viele Systeme – vom Muskelstoffwechsel bis zur Stimmung. In den USA ist DHEA als Nahrungsergänzung frei erhältlich; in der Schweiz und Deutschland gilt es als Arzneimittel und ist nur auf Rezept legal. Eigenversuche ohne Laborwerte und ärztliche Begleitung sind riskant.

Physiologische Funktionen

Als «Prä-Hormon» hat DHEA selbst wenig direkte Wirkung; seine Bedeutung liegt in der Konversion:

  • Testosteron: Bei Männern wie Frauen aus DHEA über Androstendion gebildet.
  • Östrogen: In postmenopausalen Frauen ist DHEA eine wichtige Östrogenquelle (intrakrines Geschehen in der Haut und im Fettgewebe).
  • Immunmodulation: DHEA beeinflusst T-Zell-Aktivierung; entsprechende Rezeptoren wurden im Immungewebe nachgewiesen.
  • Neuroprotektion: Als Neurosteroid beeinflusst DHEA GABA- und NMDA-Rezeptoren; Zusammenhänge mit Stimmung und Kognition werden erforscht.
DHEA-Spiegel im Lebensverlauf (schematisch)020406080 J.Peak ~25 J.relativ
DHEA erreicht etwa mit 25 Jahren seinen Höchstwert und fällt dann um durchschnittlich 2 % pro Jahr. Die Kurve variiert individuell und genetisch erheblich.

Risiken und kritische Einordnung

Ohne Labordiagnostik ist DHEA-Supplementierung nicht sinnvoll und kann schaden:

  • Hormonabhängige Tumoren: DHEA stimuliert potenziell Brust-, Prostata- und Endometriumgewebe; bei entsprechender Vorgeschichte kontraindiziert.
  • Virilisierung bei Frauen: Zu hohe Androgenkonversion → Akne, Körperbehaarung, tiefere Stimme.
  • Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS): Hohe Androgenspiegel können ein PCOS verschlechtern.
  • Wechselwirkungen: Insulin, Antikoagulanzien, Hormonersatztherapie können durch DHEA beeinflusst werden.

Häufige Fragen

Warum sinkt DHEA mit dem Alter?

Die Zona reticularis der Nebenniere atrophiert mit dem Alter, und die Aktivität der DHEA-produzierenden Enzyme nimmt ab. Das ist ein normaler biologischer Prozess, kein Mangelzustand per se.

Kann man DHEA in der Schweiz ohne Rezept kaufen?

Nein. In der Schweiz gilt DHEA als Arzneimittel und ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Im Internet bestellte Produkte aus dem Ausland befinden sich in einer rechtlichen Grauzone.

Wie merkt man, ob der eigene DHEA-Spiegel niedrig ist?

Nur durch einen Bluttest (DHEAS im Serum). Symptome wie Erschöpfung oder Libidoverlust sind unspezifisch und können viele Ursachen haben.

Für wen kommt eine ärztlich verordnete DHEA-Therapie in Frage?

Primär für Frauen mit Nebenniereninsuffizienz (belegte Indikation) und postmenopausale Frauen mit vaginaler Atrophie (topisches DHEA, Prasterone, in der EU zugelassen).

Verbessert DHEA sportliche Leistung?

DHEA ist von der WADA als verbotene Substanz im Leistungssport gelistet. Für eine leistungssteigernde Wirkung bei gesunden Sportlern mit normalen Spiegeln gibt es keine belastbare Evidenz.

Fazit

DHEA ist ein wichtiges körpereigenes Hormon, dessen Spiegel durch Alter und Gene bestimmt wird. Supplementierung macht nur in klar begründeten medizinischen Situationen Sinn und erfordert ärztliche Begleitung und Laborkontrollen. Wer wissen will, wie sein persönlicher DHEA-Stoffwechsel tickt, sollte Labordiagnostik und – wer es genauer wissen will – einen Gentest zu CYP17A1-Varianten in Betracht ziehen.

Quellen

  1. Labrie, F.: «DHEA, important source of sex steroids in men and even more in women», Progress in Brain Research 2010.
  2. Schoneshofer, M. et al.: Genomweite Assoziationsstudie zu DHEAS-Spiegeln, Nature Genetics 2011.
  3. Swissmedic: Arzneimittelregister – DHEA/Prasterone (Stand 2025).

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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