Seidelbast

Kurze Antwort

Seidelbast (Daphne mezereum) ist ein stark giftiger Zierstrauch aus der Familie der Seidelbastgewächse, dessen Beeren, Blätter und Rinde giftige Diterpenverbindungen enthalten. Die Pflanze ist in Europa und Teilen Asiens heimisch und gilt als eine der giftigsten heimischen Pflanzen der Schweiz. Wie empfindlich jemand auf Pflanzentoxine reagiert, hängt unter anderem von genetischen Faktoren in der Entgiftungskapazität der Leber ab.

Seidelbast auf einen Blick
Botanischer Name Daphne mezereum (Seidelbastgewächse / Thymelaeaceae)
Typ Giftstrauch – alle Pflanzenteile hochgiftig
Verbreitung Europa, Westasien; in der Schweiz heimisch, in Wäldern und Gärten
Hauptgifte Mezerein, Daphnin (Diterpenester, Cumarine)
Symptome bei Kontakt Hautverätzungen, Schleimhautreizung, Erbrechen, Krämpfe
Rechtslage CH nicht reguliert, aber als Gartenpflanze bekannt – Kinder gefährdet
Genetik-Bezug CYP450-Entgiftungsgene (z. B. CYP3A4, CYP1A2), individuelle Giftempfindlichkeit

Seidelbast begegnet einem häufig im Wald oder in Ziergärten – die rosa Blüten erscheinen im Frühling noch vor den Blättern und sind wunderschön anzusehen. Doch besonders die leuchtend roten Beeren wirken auf Kinder verlockend. Schon wenige Beeren können für ein Kind lebensbedrohlich sein. In der Volksmedizin wurde der Seidelbast historisch als Heilpflanze erwähnt, von einer eigenständigen Anwendung heute ist dringend abzuraten.

Botanik und Verbreitung

Daphne mezereum wächst als Strauch von bis zu einem Meter Höhe und ist im Laubmischwald, an Waldrändern und in Berggärten der Schweiz weit verbreitet. Er blüht sehr früh im Jahr – oft schon im Februar – mit intensiv duftenden rosa bis roten Blüten direkt an den Ästen. Die elliptischen Beeren reifen im Sommer rot und bleiben selbst nach dem Trocknen hochgiftig. Weniger bekannt ist der immergrüne Lorbeerseidelbast (Daphne laureola) mit gelbgrünen Blüten.

Giftstoffe und Wirkung

  • Mezerein und Daphnin: Diterpenester, die starke Hautirritationen und Schleimhautentzündungen auslösen.
  • Daphnetoxin: weiteres Diterpenlacton, verantwortlich für systemische Vergiftungszeichen.
  • Ätherische Öle: verstärken die lokale Reizwirkung bei Hautkontakt.

Was passiert bei Vergiftung?

Beim Berühren von Beeren oder Saft können bereits Hautrötungen, Blasenbildung und Schleimhautverätzungen auftreten. Nach Einnahme folgen Mundschmerzen, Erbrechen, starke Bauchschmerzen und – bei grösseren Mengen – Kreislaufstörungen und Krämpfe. Im Verdacht auf Vergiftung sofort das Tox-Zentrum Schweiz anrufen: 145.

Giftige Teile des Seidelbasts – RisikostufenBeerenHöchste GefahrRindeSehr giftigBlätterGiftigBlütenWeniger, noch giftigAlle Pflanzenteile sind giftig – kein Teil sicher für den Verzehr
Alle Teile des Seidelbasts sind giftig. Beeren wirken am stärksten und sind besonders für Kinder gefährlich.

Historische Nutzung und heutige Einschätzung

Historisch wurde Seidelbast in der Volksmedizin als drastisches Abführmittel und zur äusserlichen Anwendung bei Hauterkrankungen verwendet – eine Praxis, die aus heutiger Sicht hochgefährlich ist. In der Homöopathie existiert eine stark verdünnte Zubereitung (Mezereum D6 ff.), die aber keine anerkannte Heilwirkung belegt. Eine eigenständige Anwendung von Pflanzenteilen ist abzulehnen.

Sicherheit und Erste Hilfe

Kontakt mit Pflanzensäften sofort mit viel Wasser abspülen. Augen gründlich spülen. Bei Verschlucken kein Erbrechen auslösen, sondern sofort das Tox-Zentrum Schweiz (145) anrufen. Hände nach dem Gärtnern gründlich waschen, Kinder nicht unbeaufsichtigt in Gebieten lassen, in denen der Seidelbast bekannt ist.

Häufige Fragen

Wie gefährlich sind Seidelbastbeeren für Kinder?

Bereits 3–5 Beeren können für ein Kleinkind lebensgefährlich sein. Bei jedem Verdacht auf Einnahme sofort das Tox-Zentrum Schweiz (145) anrufen und nicht auf Symptome warten.

Kann man Seidelbast anfassen?

Kurzer Hautkontakt mit den Beeren ist weniger kritisch als Kontakt mit Pflanzensaft oder Rinde, die hautreizende Diterpenester enthalten. Nach Kontakt sofort Hände waschen und Augen meiden.

Warum ist Seidelbast als Gartenpflanze noch erlaubt?

In der Schweiz gibt es keine gesetzliche Pflicht, Seidelbast aus Gärten zu entfernen. Er gilt als heimische Wildpflanze. Verantwortungsvoller Umgang und Aufklärung von Kindern sind deshalb wichtig.

Hat Seidelbast echte Heilwirkungen?

Historische Anwendungen existieren, sind aber ohne ausreichende Sicherheitsnachweise. Eine eigenständige Verwendung ohne medizinische Aufsicht ist abzulehnen. Die Homöopathie kennt stark verdünnte Zubereitungen, deren Wirksamkeit nicht belegt ist.

Warum reagieren manche Menschen empfindlicher auf Seidelbast?

Genetische Varianten in Leberenzymen wie CYP3A4 oder CYP1A2 beeinflussen, wie schnell Giftstoffe abgebaut werden. Sogenannte „langsame Metabolisierer» reagieren auf viele Toxine und Medikamente stärker.

Fazit

Seidelbast ist eine einheimische Wildpflanze, die durch ihre Schönheit besticht, aber erhebliche Giftgefahren birgt. Alle Pflanzenteile sind toxisch – Beeren besonders. Bei Vergiftungsverdacht sofort das Tox-Zentrum Schweiz (145) kontaktieren. Wer verstehen will, warum Menschen unterschiedlich auf Giftstoffe reagieren, findet die Antwort in den individuellen CYP450-Genvarianten.

Quellen

  1. Tox-Zentrum Schweiz: Steckbrief Daphne mezereum (Seidelbast) – toxinfo.ch.
  2. Frohne/Pfänder: Giftpflanzen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 6. Aufl.
  3. Ingelman-Sundberg M.: Human drug metabolising cytochrome P450 enzymes, Pharmacol Ther 2004.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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