Ginkgo

Kurze Antwort

Ginkgo biloba ist eines der ältesten Bäume der Erde und das einzige lebende Mitglied der Ordnung Ginkgoales – ein botanisches Fossil, dessen Blätter Flavonoide und Terpenoide enthalten, die in der Phytotherapie zur Unterstützung von Durchblutung und Gedächtnis eingesetzt werden. Wie stark Ginkgo-Extrakt im individuellen Körper wirkt, hängt auch von genetisch bestimmten Stoffwechselenzymen ab.

Ginkgo biloba auf einen Blick
Botanischer Name Ginkgo biloba L. (Ginkgoaceae)
Genutzte Teile Blätter (standardisierter Trockenextrakt EGb 761)
Hauptwirkstoffe Flavonolglykoside (24 %), Terpenoide: Ginkgolide A/B/C, Bilobalid (6 %)
Zugelassene Indikation (DE) leichte Demenz, zerebrovaskuläre Insuffizienz (Arzneimittel; keine EU-Health-Claims)
Wichtige Sicherheit Blutungsrisiko, Interaktion mit Blutverdünnern; rohe Samen giftig
Genetik-Bezug CYP2C19 (Ginkgolid-Metabolismus), P-Glycoprotein ABCB1

Ginkgo ist in China seit über 2000 Jahren als Heilpflanze bekannt. In Deutschland ist standardisierter Ginkgo-Extrakt (EGb 761) als Arzneimittel bei leichter Demenz zugelassen. In der Schweiz ist er als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich – dabei dürfen keine Heilversprechen gemacht werden.

Was die Forschung zeigt

Die Studienlage zu Ginkgo ist umfangreich, aber nicht eindeutig. Für folgende Bereiche gibt es die stärksten Belege:

  • Zerebrovaskuläre Durchblutung: Mehrere randomisierte Studien zeigen Verbesserungen bei Symptomen zerebrovaskuärer Insuffizienz.
  • Leichte kognitive Beeinträchtigung / Demenz: Einige Studien, darunter die GuidAge-Studie, zeigen positive Effekte auf den Erhalt kognitiver Funktionen; andere, darunter die GINKGO EVALUATION OF MEMORY (GEM)-Studie, zeigen keinen präventiven Effekt.
  • Tinnitus und periphere arterielle Verschlusskrankheit: Evidenz vorhanden, aber inkonsistent.
Ginkgo-Extrakt EGb 761 – WirkstoffklassenFlavonolglykoside24 % (Norm)Quercetin, Kaempferol→ AntioxidansGinkgolide A/B/C6 % Terpenoide (Norm)PAF-Hemmer→ BlutflussBilobalidSesquiterpenneuroprotektiv(in vitro)Nur standardisierter Extrakt EGb 761 ist klinisch untersucht – nicht vergleichbar mit losen Blättern
Die Normierung von Flavonoidglykosiden (24 %) und Terpenoiden (6 %) ist entscheidend für die Vergleichbarkeit von Studien und Produkten.

Sicherheitshinweise

Ginkgo-Extrakt erhöht das Blutungsrisiko, insbesondere in Kombination mit Blutverdünnern (Warfarin, Aspirin, Clopidogrel). Vor Operationen mindestens zwei Wochen absetzen. Ginkgo-Samen sind giftig (Ginkgotoxin = 4′-O-Methylpyridoxin) und dürfen nie roh verzehrt werden; in kleinen gekochten Mengen sind sie in der asiatischen Küche üblich. Seltene Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, allergische Reaktionen.

Häufige Fragen

Kann Ginkgo das Gedächtnis verbessern?

Bei jungen, gesunden Menschen ist kein bedeutsamer Effekt belegt. Bei älteren Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen gibt es Hinweise auf einen positiven Effekt auf kognitive Funktionen – aber keine eindeutigen Belege für Prävention von Demenz.

Wer sollte Ginkgo nicht nehmen?

Menschen, die Blutverdünner oder Thrombozytenhemmer einnehmen, sowie Personen vor Operationen. Bei Epilepsie ist Vorsicht angebracht (Absenkung der Krampfschwelle diskutiert). In der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Was ist der Unterschied zwischen Ginkgo-Tee und Extrakt?

Standardisierter Trockenextrakt (EGb 761 oder LI 1370) enthält definierte Wirkstoffe in kontrollierter Konzentration. Ginkgo-Tee aus losen Blättern hat keinen garantierten Wirkstoffgehalt und ist pharmakologisch nicht vergleichbar.

Warum wirkt Ginkgo bei manchen besser?

Varianten in CYP2C19 (Abbaugeschwindigkeit der Terpenoide) und ABCB1 (Transport über die Blut-Hirn-Schranke) bestimmen, wie viel Wirkstoff das Gehirn erreicht und wie lange er dort bleibt.

Sind die Samen des Ginkgo-Baumes giftig?

Roh ja – sie enthalten Ginkgotoxin, das bei grösserem Verzehr Vergiftungserscheinungen und Krampfanfälle auslösen kann. Kleine Mengen gekochter Samen sind in Japan und China traditionell üblich.

Fazit

Ginkgo biloba ist eine der am besten untersuchten Heilpflanzen. Standardisierter Extrakt zeigt Wirkungen auf zerebrale Durchblutung und kann bei leichter kognitiver Beeinträchtigung helfen. Genetische Varianten in CYP2C19 und ABCB1 erklären individuelle Unterschiede. Das Blutungsrisiko ist real – Kombination mit Gerinnungshemmern unbedingt ärztlich abklären.

Quellen

  1. DeKosky S.T. et al.: Ginkgo biloba for Prevention of Dementia, JAMA, 2008 (GEM-Studie).
  2. Vellas B. et al.: Long-term use of standardised Ginkgo biloba, Lancet Neurology, 2012 (GuidAge-Studie).
  3. Uchida S. et al.: CYP2C19 polymorphism and Ginkgo biloba, European Journal of Clinical Pharmacology, 2006.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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