Ylang Ylang Öl

Kurze Antwort

Ylang-Ylang-Oel ist das aetherische Oel aus den Blueten des Cananga-Baums (Cananga odorata), das reich an Linalool, Geraniol und Benzylbenzoat ist und intensiv-blumig duftet. In der Aromatherapie und Kosmetik weit verbreitet, entscheiden Enzyme wie CYP3A4 und Olfaktor-Rezeptorgene, wie individuell der Duft und seine Wirkung wahrgenommen werden.

Ylang-Ylang-Oel auf einen Blick
Botanisch Cananga odorata (Lam.) Hook.f. & Thomson (Annonaceae)
Herkunft Suedostasien, Madagaskar, Komoren; intensiver blumiger Duft
Schlüsselinhaltsstoffe Linalool, Geraniol, Benzylbenzoat, Benzylacetat, Farnesol, Methyl-para-Cresol
Anwendung Aromatherapie, Parfuemerie, Kosmetik, Haaroele; nie pur auf Haut
Allergierisiko Bekanntes Kontaktallergen; INCI-Deklarationspflicht (SCCS)
Hautbarriere FLG (Filaggrin)-Varianten erhoehen das Sensibilisierungsrisiko
Genetik-Bezug CYP3A4 (Linalool-Metabolismus), OR51E1/OR51E2 (Duftwahrnehmung), FLG (Hautsensibilisierung)

Ylang-Ylang gehoert zu den charakteristischsten Duftpflanzen der Welt – der Name stammt aus dem Tagalog und bedeutet sinngemass „Bluete der Blueten». Das Oel aus den gelben Blueten von Cananga odorata ist seit dem 19. Jahrhundert in der europaischen Parfuemerie verankert und findet sich heute in Produkten von Chanel No. 5 bis zum Massageoel im Drogeriemarkt. Fuer die Haut ist es allerdings kein harmloses Naturprodukt: Ylang-Ylang-Oel gehoert zu den haeufigsten Ursachen von Kontaktsensibilisierungen durch aetherische Oele.

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Hinweis: Ätherische Öle nie unverdünnt auf die Haut. Vor der ersten Anwendung einen Hauttest (Ellenbeuge) machen. Bei Schwangerschaft, Kindern und Haustieren gelten besondere Vorsichten. Werte sind rechnerische Richtwerte, keine medizinische Empfehlung.

Inhaltsstoffe und Duftprofil

Ylang-Ylang-Oel ist in seiner Zusammensetzung komplex und variiert je nach Destillationsfraktion (Extra, Grad I–III):

  • Linalool (10–15 %): Blumig-leichtes Terpendiol; beruhigende Wirkung in der Aromatherapie postuliert; CYP3A4-Substrat.
  • Benzylbenzoat (10–20 %): Filmend-suesslich; haeufiges Kontaktallergen; EU-Deklarationspflicht in Kosmetika.
  • Benzylacetat (5–15 %): Fruchtig-blumig; stabilisierend im Duft.
  • Geraniol (5–10 %): Rosenartiger Duft; sensitisierend; ebenfalls deklarationspflichtig.
  • Farnesol (ca. 5 %): Langkettig; Kontaktallergen; besonders relevant bei FLG-Varianten.
  • Methyl-para-Cresol (variabel): Kreosotartig; mitverantwortlich fuer den schweren, betaeubenden Charakter.

Anwendung in Aromatherapie und Kosmetik

Ylang-Ylang-Oel ist nie pur auf der Haut anzuwenden. Die empfohlenen Verdünnungen:

Typische Anwendungen und Verdünnungsrichtwerte
Massageoel 0,5–1 % in Traegeroel (z. B. Jojobaoel, Mandeloel); max. 1 %
Parfuem / Duftmischung 1–2 % als Unternotenkomponente; Dosierung wegen Intensitaet tief halten
Haaroele 1–2 % in Kokosnuss- oder Arganoel; traditionell in Suedostasien
Diffuser / Raumduft Wenige Tropfen geniegen; uebler Geruch bei Uberdosierung
Kinder und Schwangere Von Spezialisten abraten lassen; Vorsicht ab Geburt bis 12 Jahre

Sicherheit und Allergierisiko

Das SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety der EU) hat mehrere Ylang-Ylang-Komponenten auf die deklarationspflichtige Allergenliste gesetzt. Folgendes solltest du wissen:

  • Benzylbenzoat, Benzylcinnamat, Geraniol, Farnesol und Linalool muessen in Kosmetikprodukten deklariert werden, wenn sie ueber Schwellenwerte vorhanden sind.
  • Ein Patch-Test (Pflastertest) beim Dermatologen ist sinnvoll, bevor du Ylang-Ylang-Oel regelmaessig auf groesseren Hautflaechen verwendest.
  • Personen mit bekanntem atopischen Ekzem (haeufig mit FLG-Mutationen) haben ein deutlich erhoehtes Sensibilisierungsrisiko.
  • Das Oel ist lichtempfindlich und phototoxisches Potenzial wurde diskutiert – direkte Sonneneinstrahlung nach Hautauftrag vermeiden.
Ylang-Ylang-Oel: Schluessel-Komponenten und GenetikBenzylbenzoat ~15%Linalool ~12%Geraniol ~8%Benzylacetat ~10%Farnesol ~5%Genetische Einflussfaktoren:CYP3A4 → Linalool-Abbau (Geschwindigkeit)OR51E1/OR51E2 → DuftintensitaetswahrnehmungFLG-Mutation → erhoehtes Allergie-RisikoEU: 26 Duftstoffe deklarationspflichtigin Kosmetika > Schwellenwert
Ylang-Ylang-Oel enthaelt mehrere EU-deklarationspflichtige Kontaktallergene. Wer FLG-Mutationen traegt, hat ein erhoehtes Sensibilisierungsrisiko.

Haeufige Fragen

Kann ich Ylang-Ylang-Oel pur auf die Haut auftragen?

Nein. Reines aetherisches Oel auf der Haut kann Reizungen, Verbrennungen und Sensibilisierungen verursachen. Immer in einem Traegeroel verduennen (max. 0,5–1 % fuer Hautanwendung).

Wie erkenne ich, ob ich auf Ylang-Ylang allergisch bin?

Ein Patch-Test beim Dermatologen oder Allergologen ist der sicherste Weg. Bei bekannter Duftstoff-Allergie oder atopischem Ekzem sollte der Test vor jeder Verwendung erfolgen.

Was sind OR51E1 und OR51E2?

Das sind Gene, die Riechrezeptoren im Nasenepithel kodieren. Sie sind polymorph – je nach Variante riechst du Linalool und Geraniol intensiver oder schwaecher. Das erklaert, warum ein und dasselbe Parfuem fuer verschiedene Menschen ganz unterschiedlich intensiv riecht.

Warum riecht Ylang-Ylang-Oel so intensiv?

Die Kombination aus Benzylbenzoat, Geraniol und Methyl-para-Cresol erzeugt ein sehr schweres, suesslich-blumiges Profil. Extra-Fraktion (erste Destillationsstufe) riecht besonders intensiv und ist am reichsten an Benzylbenzoat.

Kann Ylang-Ylang-Oel mit Medikamenten wechselwirken?

In der Aromatherapie (Hautanwendung, Inhalation) ist das Risiko gering, aber Linalool wird durch CYP3A4 abgebaut. Wer CYP3A4-Hemmer oder -Induktoren einnimmt (z. B. bestimmte Antibiotika oder Antimykotika), sollte dies beachten.

Ist Ylang-Ylang-Oel fuer Haustiere sicher?

Nein. Aetherische Oele – besonders Ylang-Ylang – sind fuer Katzen stark toxisch, da ihnen das CYP-Enzymsystem zur Verstoffwechselung fehlt. Im gleichen Raum wie Haustiere nicht diffundieren.

Fazit

Ylang-Ylang-Oel ist ein faszinierender Dufttraeger mit langer Tradition in Parfuemerie und Aromatherapie – aber kein harmloses Naturprodukt. Kontaktallergene wie Benzylbenzoat und Farnesol erfordern Vorsicht, besonders bei FLG-Mutationstraegern. CYP3A4-Polymorphismen bestimmen den Metabolismus, OR51E1/OR51E2-Varianten praegen die individuelle Wahrnehmung. Gut verduennt und mit Hauttest eingesetzt ist es ein genussreiches Erlebnis – pur oder unkontrolliert dosiert birgt es Risiken.

Quellen

  1. SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety): Opinion on Ylang-ylang oil, SCCS/1598/17, European Commission 2017.
  2. Bauer, K. et al.: Common Fragrance and Flavor Materials, Wiley-VCH, 2008.
  3. Palmer, C.N. et al.: Common loss-of-function variants of the epidermal barrier protein filaggrin are a major predisposing factor for atopic dermatitis, Nature Genetics, 2006; 38(4):441–446.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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