Scharrow-Tee

Kurze Antwort

Schafgarben-Tee (Achillea millefolium), im Volksmund auch Schafgarben-Kräutertee genannt, ist ein traditionelles europäisches Heilkräutergetränk aus den oberirdischen Teilen der Schafgarbe – einer der ältesten und verbreitetsten Heilpflanzen des deutschsprachigen Raums. Die Pflanze enthält ätherische Öle (v. a. Chamazulen, Campfer), Bitterstoffe, Gerbstoffe und Flavonoide. Wie stark jemand auf die Bitterstoffe der Schafgarbe reagiert, ist unter anderem genetisch bestimmt.

Schafgarben-Tee auf einen Blick
Botanischer Name Achillea millefolium L. (Korbblütler / Asteraceae)
Verwendete Pflanzenteile oberirdische Teile (Kraut, Blüten) – getrocknete oder frische Ernte
Hauptwirkstoffe Ätherisches Öl (Chamazulen, Kampfer, Thujon), Achillicin (Bitterstoff), Apigenin, Gerbstoffe
Traditionelle Anwendung Verdauungsbeschwerden, Menstruationskrämpfe, Wundheilung
Rechtslage CH/DE HMPC-Monografie: traditionelles pflanzliches Arzneimittel (EU 2004/24/EG)
Genetik-Bezug TAS2R38 (Bitterrezeptor-Gen), CYP1A2 (Chamazulen-Metabolismus)

Schafgarbe ist in ganz Europa auf Wiesen, Wegrändern und Hängen heimisch. Du hast sie vielleicht selbst schon gepflückt: die weissen oder rosa Blütendolden mit dem typisch würzigen, leicht bitteren Duft. Schafgarben-Tee hat eine HMPC-Monografie der Europäischen Arzneimittelagentur – er ist als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden und Menstruationsbeschwerden anerkannt.

Inhaltsstoffe im Detail

Das Qualitätsmerkmal für Schafgarben-Tee ist vor allem der Gehalt an ätherischem Öl, der je nach Erntezeitpunkt, Standort und Chemotyp stark variiert:

  • Chamazulen: das blaue Azulen, das durch Dampfdestillation aus Matricin entsteht; antiphlogistische Eigenschaften.
  • Campfer: dominant in manchen Chemotypen; kann bei empfindlichen Personen reizend wirken.
  • Achillicin und Bitterstoffe: stimulieren die Gallenproduktion und fördern Verdauungssäfte (Cholagogum).
  • Apigenin: Flavonoid mit entzündungsmodulierenden Eigenschaften, auch in Kamille präsent.

Traditionelle und HMPC-anerkannte Anwendung

Laut HMPC-Monografie (EMA/HMPC/290411/2013) ist Schafgarbe als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zugelassen für:

  • Appetitlosigkeit und leichte krampfartige Magenbeschwerden (Verdauungsförderung durch Bitterstoffe und Gallensekretionsstimulierung).
  • Leichte Menstruationsschmerzen (krampflösende Eigenschaften im Uterus werden traditionell genutzt).
  • Äusserlich: bei kleinflächigen Verletzungen, Prellungen und oberflächlichen Entzündungen.

Zubereitung des Tees

  • 1–2 Teelöffel getrocknetes Schafgarbenkraut (ca. 1,5 g) mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen.
  • 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen.
  • 2–3 Tassen täglich, vorzugsweise zwischen den Mahlzeiten.
  • Frische Blütenköpfe können direkt geerntet werden (April–September).
Schafgarben-Tee: HMPC-AnwendungenInnerlich (oral)Verdauung · AppetitMenstruationsbeschwerdenÄusserlich (topisch)Wunden · Prellungenoberfl. EntzündungenTraditionell (nicht HMPC)Atemwege · FieberWunddesinfektion historischHMPC = European Medicines Agency, Herbal Medicinal Products Committee – zugelassene traditionelle Anwendungen
Schafgarbe ist eine der wenigen heimischen Heilpflanzen mit HMPC-Monografie für Verdauungsbeschwerden und Menstruationskrämpfe.

Sicherheit und Hinweise

Schafgarbe gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae). Wer allergisch auf Kamille, Arnika oder Beifuss reagiert, kann auch auf Schafgarbe kreuzallergisch reagieren – vor Einnahme austesten. Nicht in der Schwangerschaft einnehmen (uterusstimulierender Effekt traditionell beschrieben). Nicht bei Gallensteinleiden ohne ärztliche Beratung.

Häufige Fragen

Wofür trinkt man Schafgarben-Tee?

Primär bei leichten Verdauungsbeschwerden (Völlegefühl, Appetitlosigkeit, krampfartige Magenschmerzen) und bei leichten Menstruationsbeschwerden – laut HMPC-Monografie als traditionell anerkannte Anwendung.

Kann ich Schafgarbe selbst sammeln?

Ja, sie ist in der Schweiz verbreitet und leicht erkennbar. Ernte an sauberen Standorten, fern von Strassenrändern und Pestizidflächen. Blüten und Kraut von Mai bis September ernten, an der Luft trocknen.

Ist Schafgarben-Tee für Kinder geeignet?

Für Kinder unter 12 Jahren gibt es keine ausreichende Datenlage. In der HMPC-Monografie ist die Anwendung ab 12 Jahren bei Menstruationsbeschwerden vorgesehen; für jüngere Kinder ärztlichen Rat einholen.

Wie unterscheidet sich Schafgarbe von Kamille?

Beide gehören zu den Korbblütlern und enthalten Chamazulen im ätherischen Öl. Kamille wirkt stärker entzündungshemmend; Schafgarbe hat ausgeprägteren Bitterstoff-Anteil und gilt als krampflösender im Verdauungs- und Uterusbereich.

Gibt es Wechselwirkungen mit Medikamenten?

Theoretisch möglich mit Blutverdünnern (Cumarine in Schafgarbe können die Wirkung verstärken). Bei Antikoagulationstherapie ärztliche Rücksprache.

Fazit

Schafgarben-Tee ist ein gut belegtes traditionelles Heilkräutergetränk mit HMPC-Zulassung für Verdauungs- und Menstruationsbeschwerden. Ob du ihn als herb-erfrischend oder unangenehm bitter empfindest, entscheidet dein TAS2R38-Gen. Kreuzallergien mit anderen Korbblütlern berücksichtigen – und bei Schwangerschaft oder Blutverdünnungstherapie Arzt konsultieren.

Quellen

  1. EMA/HMPC: Community herbal monograph on Achillea millefolium L., EMA/HMPC/290411/2013.
  2. Saeidnia S. et al.: Phytochemistry and pharmacological properties of Achillea millefolium, DARU Journal 2011.
  3. Mennella JA. et al.: Genetic determinants of bitter taste perception, Current Biology 2005.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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