Celandine

Kurze Antwort

Celandine (Schöllkraut, Chelidonium majus) ist eine traditionelle Heilpflanze Europas mit leuchtend gelbem Milchsaft, die zwar eine lange Anwendungsgeschichte in der Volksmedizin hat, aber durch ihre Alkaloide erhebliche Risiken birgt. In der Schweiz und der EU ist Schöllkraut-Einnahme wegen dokumentierter Lebertoxizität mit grösster Vorsicht zu behandeln.

Celandine / Schöllkraut auf einen Blick
Botanisch Chelidonium majus L. (Mohngewächse, Papaveraceae)
Inhaltsstoffe Alkaloide: Berberin, Chelidonin, Sanguinarin, Coptisine
Traditionelle Verwendung Warzen (äusserlich), Leber/Galle (innerlich) – historisch
Risikoeinstufung Lebertoxizität bei innerlicher Anwendung dokumentiert; Vorsicht
CH-Rechtslage Swissmedic: Heilpflanzen-Präparate müssen Qualitätsnachweise erbringen; bei Leberproblemen kontraindiziert
Genetik-Bezug CYP1A2, CYP3A4 (Alkaloidmetabolismus); individuelle Hepatotoxizität-Risiken

Schöllkraut wächst als mehrjährige Pflanze an Wegrändern, Zäunen und in Wäldern in der ganzen Schweiz. Der orangegelbe Milchsaft enthält zahlreiche Isochinolin-Alkaloide, die in der Volksmedizin zur Behandlung von Warzen, Leber- und Gallenbeschwerden genutzt wurden. Heute warnen Behörden wie Swissmedic und die EMA ausdrücklich vor innerlicher Einnahme ohne ärztliche Überwachung.

Alkaloide und ihre Wirkungen

Schöllkraut enthält mehr als 20 verschiedene Isochinolin-Alkaloide. Die wichtigsten:

  • Chelidonin: Antispasmodisch (krampflösend); krampflösende Wirkung auf glatte Muskulatur belegt; hepatotoxisch bei Überdosierung.
  • Berberin: Antimikrobiell, blutzuckersenkend; auch in anderen Pflanzen (Berberitze); gut untersucht.
  • Sanguinarin: Stark zytotoxisch – zerstört Zellen und wird daher auch für die Warzenwirkung verantwortlich gemacht; innerlich sehr heikel.
  • Coptisine: Entzündungshemmend in vitro.

Äusserliche vs. innerliche Anwendung

Risikoprofil nach Anwendungsform
Anwendungsform Einschätzung Hinweis
Äusserlich: Frischer Saft auf Warzen volksmedizinisch etabliert Schleimhäute/Augen meiden; Hautkontakt begrenzen
Innerlich: Tinktur, Tee, Extrakt Risiko überwiegt für die meisten Anwendungen dokumentierte Hepatotoxizität; nicht empfohlen
Standardisierte Arzneimittel in kontrollierten Mengen zugelassen (z.B. Iberogast®) enthält Schöllkraut in fixer Kombination; Dosierung definiert
Chelidonin-Verteilung in Chelidonium majus (relativ)Milchsaft (frisch)sehr hochWurzel (getrocknet)hochBlättermittelBlütengeringSamensehr geringAlkaloide höchste Konzentration im Milchsaft und der Wurzel
Der Alkaloidgehalt ist im frischen Milchsaft am höchsten; daher ist die äusserliche Warzenbehandlung mit frischem Saft ein anderes Risikoprofil als getrocknete Extrakte für die innerliche Anwendung.

Rechtslage in der Schweiz

In der Schweiz unterliegen Heilpflanzenpräparate mit Schöllkraut der Zulassungspflicht durch Swissmedic. Freiverkäufliche Tees mit Schöllkraut-Anteilen müssen klar deklariert sein. Die EMA (Europäische Arzneimittelbehörde) hat 2011 zu Chelidonium majus Stellung genommen und innerliche Anwendungen über mehr als 4 Wochen wegen des Hepatotoxizitäts-Risikos nicht empfohlen. Bei bekannten Leber- oder Gallenproblemen ist Schöllkraut zur inneren Anwendung kontraindiziert.

Häufige Fragen

Kann Schöllkraut wirklich Warzen entfernen?

Der orangefarbene Milchsaft enthält Alkaloide, die Gewebezellen zerstören (zytotoxisch). Äusserlich punktuell auf Warzen aufgetragen wird das volksmedizinisch genutzt. Schleimhäute und Augen müssen streng gemieden werden. Alternativ stehen effektivere und besser standardisierte Methoden zur Verfügung (Kryotherapie, Salicylsäure).

Ist Schöllkraut giftig?

Ja, besonders bei innerlicher Einnahme grösserer Mengen. Dokumentierte Fälle von Hepatitis und Leberversagen existieren. Die Toxizität ist individuell und genetisch mitbestimmt – ein Teil der Bevölkerung ist deutlich anfälliger als andere.

In welchen Medikamenten steckt Schöllkraut?

In Europa ist Schöllkraut u.a. in standardisierten Kombinationspräparaten wie Iberogast® enthalten. Dort sind die Alkaloide in kontrollierten Mengen in einer Kombination von Heilpflanzenpräparaten. Diese Präparate haben eine Zulassung und klare Dosierungen.

Wie wirkt Berberin aus Schöllkraut?

Berberin ist auch in anderen Pflanzen (Berberitze, Gelbwurz) enthalten und ist das am besten erforschte Alkaloid. Es wirkt antimikrobiell und kann den Blutzucker senken. Als isolierter Wirkstoff (ohne begleitende Schöllkraut-Alkaloide) ist es besser untersucht und sicherer – hierzu gibt es separate Nahrungsergänzungsmittel.

Darf ich Schöllkraut in der Schwangerschaft nehmen?

Nein. Schöllkraut ist in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert. Die Alkaloide sind plazentagängig und können den Fötus schädigen.

Fazit

Schöllkraut ist eine historisch bedeutsame Heilpflanze mit klar nachgewiesener Wirkstoffchemie, aber einem erheblichen Risikoprofil bei innerlicher Anwendung. Die Hepatotoxizität ist real und individuell – genetisch bestimmt durch CYP1A2 und CYP3A4-Varianten. Äusserlich auf Warzen hat der Milchsaft eine Tradition; innerlich solltest du nur standardisierte Präparate in Kombination mit ärztlicher Begleitung nutzen.

Quellen

  1. EMA/HMPC/577749/2013 – Assessment report on Chelidonium majus, European Medicines Agency 2011.
  2. Stickel, F. et al.: Hepatitis induced by Chelidonium majus L., Digestion, 2003.
  3. Teschke, R. et al.: Drug and herb-induced liver injury: Council for International Organizations of Medical Sciences scale for causality assessment, World Journal of Gastroenterology, 2014.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

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