Aprikosenkernöl

Kurze Antwort

Aprikosenkernöl ist das aus den Steinkernen der Aprikose (Prunus armeniaca) kaltgepresste Pflegeöl, das durch einen besonders hohen Anteil an Ölsäure (Omega-9) und Vitamin E charakterisiert wird und sowohl zur äusserlichen Haut- und Haarpflege als auch gelegentlich kulinarisch eingesetzt wird. Wie gut Haut und Körper von seinen Fettsäuren und Tocopherolen profitieren, ist mitunter durch Genvarianten in der Fettsäure-Verarbeitung und im Vitamin-E-Transport gesteuert.

Aprikosenkernöl auf einen Blick
Botanische Herkunft Prunus armeniaca L. (Rosaceae) – Aprikosensteinkernel
Hauptfettsäuren Ölsäure (Omega-9) 58–74 %, Linolsäure (Omega-6) 20–34 %
Vitamin E ca. 40–60 mg/100 ml (Tocopherole)
Textur leicht, nicht-komedogen; zieht schnell ein
Anwendung Haut (Massage, Gesichtspflege), Haare, gelegentlich als Salatöl
Wichtiger Hinweis Bittermandelöl aus Kernen enthält Amygdalin (HCN-Vorstufe) – für Speiseöl nur süsse Sorten verwenden
Genetik-Bezug Vitamin-E-Transport TTPA, Fettsäure-Desaturase FADS1, Hautbarriere-Gen FLG

Aprikosenkernöl (englisch: Apricot Kernel Oil, INCI: Prunus Armeniaca Kernel Oil) gehört zu den klassischen Trägerölen der Naturkosmetik. Seine leichte Textur und der hohe Ölsäuregehalt machen es besonders für trockene, empfindliche und alternde Haut geeignet. In der kulinarischen Anwendung ist Vorsicht geboten: Bittere Aprikosenkerne enthalten Amygdalin, das im Körper zu Blausäure (HCN) gespalten wird – Speiseöle werden deshalb ausschliesslich aus süssen Sorten gewonnen.

Fettsäureprofil und Hautpflege

Die Kombination aus hoher Ölsäure (58–74 %) und relevanter Linolsäure (20–34 %) macht Aprikosenkernöl für verschiedene Hauttypen geeignet: Ölsäure ist eine exzellente Emolliens (Weichmacher, dringt in obere Hautschichten ein), Linolsäure ist ein Vorläufer von Ceramiden der Hautbarriere. Für atopische Haut (Neurodermitis) hat Linolsäure eine besonders positive Evidenzlage.

Fettsäuren im Überblick

Fettsäure Anteil (%) Hauptnutzen in der Hautpflege
Ölsäure (C18:1, Omega-9) 58–74 Emolliens, Hautweichmacher, Barriere-Penetration
Linolsäure (C18:2, Omega-6) 20–34 Ceramid-Vorstufe, Barrierestärkung
Palmitinsäure (C16:0) 3–7 Stabilisierung der Öl-Textur
Ölsäuregehalt (Omega-9): Vergleich TrägeröleAprikosenkernöl~66 %Mandelöl~60 %Avocadoöl~43 %Jojobaöl~11 %Aprikosenkernöl hat ähnlich viel Ölsäure wie Mandelöl – aber mehr Linolsäure (Omega-6)
Mit ca. 66 % Ölsäure liegt Aprikosenkernöl im oberen Bereich der Trägeröle – und ist dabei leichter als Avocado- oder Olivenöl.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Bitterkerne und Amygdalin

Rohe bittere Aprikosenkerne enthalten das Glykosid Amygdalin, das im Körper zu Blausäure (Cyanwasserstoff, HCN) abgebaut wird. Mehrere Vergiftungsfälle – auch in der Schweiz – sind dokumentiert. Kerne (nicht Öl!) sollten nicht in grösseren Mengen gegessen werden. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BAFU/EFSA) empfiehlt, keine bitteren Aprikosenkerne als Rohprodukt zu konsumieren. Speiseöl aus süssen Kernen ist unbedenklich; kosmetisches Aprikosenkernöl ist zur äusserlichen Anwendung bestimmt.

Häufige Fragen

Eignet sich Aprikosenkernöl für die Gesichtspflege?

Ja, besonders für trockene, reife und empfindliche Haut. Es zieht schnell ein, ist leicht und nicht-komedogen im Normalbereich. Bei sehr fettiger Haut alternatives Öl mit höherem Linolsäuregehalt (z. B. Hanfsamenöl) prüfen.

Kann ich Aprikosenkernöl einnehmen?

Speiseöl aus süssen Kernen ist als Salatöl möglich. Kosmetisches Öl ist für den Verzehr nicht vorgesehen. Bittere Kerne selbst sind gefährlich (Amygdalin/Blausäure).

Warum ist Aprikosenkernöl gut für Neurodermitis?

Der Linolsäuregehalt ist ein Ceramid-Vorläufer und kann die gestörte Hautbarriere bei atopischer Dermatitis (oft mit FLG-Mutationen) unterstützen. Kein Ersatz für medizinische Therapie, aber eine sanfte ergänzende Pflege.

Wie lange ist Aprikosenkernöl haltbar?

Ca. 12–18 Monate nach dem Öffnen, wenn kühl und dunkel gelagert. Der hohe Ölsäureanteil macht es weniger oxidationsanfällig als Leinöl, aber empfindlicher als Kokosöl.

Ist Aprikosenkernöl das gleiche wie Mandelöl?

Nein. Beide haben ähnliches Fettsäureprofil, kommen aber von verschiedenen Pflanzen: Aprikose (Prunus armeniaca) vs. Mandelbaum (Prunus dulcis). Beide INCI-Bezeichnungen sind verschieden und sollten auf der Verpackung stehen.

Fazit

Aprikosenkernöl ist ein vielseitiges, leichtes Pflegeöl mit ausgewogenem Fettsäureprofil. Besonders bei trockener und atopischer Haut (FLG-Genvarianten) kann der Linolsäureanteil die Hautbarriere unterstützen, während der hohe Vitamin-E-Gehalt vor oxidativem Stress schützt. Für die äusserliche Anwendung unbedenklich; bittere Kerne als Rohprodukt meiden.

Quellen

  1. EFSA CONTAM Panel: Acute health risks related to the presence of cyanogenic glycosides in raw apricot kernels, EFSA Journal, 2016.
  2. Rawlings AV: Trends in stratum corneum research and the management of dry skin conditions, Int J Cosmet Sci, 2003.
  3. Proksch E et al.: Skin as a route of entry for environmental exposure, Exp Dermatol, 2006.

Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.

How useful was this post?

Click on a star to rate it!

Average rating 5 / 5. Vote count: 291

No votes so far! Be the first to rate this post.