Allantoin ist ein natürlich vorkommender Stickstoffmetabolit (Harnsäureabbauprodukt) mit feuchtigkeitsbindenden und regenerierenden Eigenschaften, der in vielen Pflanzenwurzeln und in der Kosmetikindustrie weltweit eingesetzt wird. Wie gut der Körper Allantoin verarbeitet, hängt auch von Genvarianten im Purinstoffwechsel ab.
| Chemische Formel | C₄H₆N₄O₃ (5-Ureidohydantoin); Abbauprodukt der Harnsäure |
|---|---|
| Natürliche Quellen | Beinwellwurzel (Symphytum officinale), Zuckerrübe, Weizenkeime |
| INCI-Name (Kosmetik) | Allantoin |
| Zugelassene Konzentrationen (EU) | Kosmetika: typisch 0,1–2 %; kein EU-Health Claim |
| Anwendung | topisch (Cremes, Wundpflegemittel); äusserlich |
| Genetik-Bezug | Purinstoffwechsel-Gene (UOX-Pseudogen), Urikolyse, HPRT1 |
Allantoin ist ein faszinierendes Molekül – es ist Endprodukt des Purinstoffwechsels bei den meisten Säugetieren, doch nicht beim Menschen. Die meisten Tiere bauen Harnsäure mit dem Enzym Uricase (Uratoxidase) weiter zu Allantoin ab; beim Menschen ist das entsprechende UOX-Gen ein Pseudogen (inaktiviert durch Mutation) – deshalb ist Harnsäure unser Endprodukt des Purinstoffwechsels, nicht Allantoin. In der Natur kommt Allantoin in Beinwellwurzel (Symphytum officinale) vor, wo es die Zellproliferation anregen soll. In der Kosmetik ist es einer der am besten verträglichen Wirkstoffe für empfindliche Haut.
Allantoin in der Kosmetik
Allantoin ist einer der meistgetesteten hautverträglichen Wirkstoffe. Es beschleunigt die Zellerneuerung der Epidermis, fördert die Feuchtigkeitsbindung und mildert Reizzustände. Deshalb steckt es in Wundheilcremes, Babypflege, Rasurprodukten, After-Sun-Präparaten und dermatologischen Spezialpflegen für empfindliche oder gereizte Haut. Die EU reguliert die Konzentrationen im Kosmetikrecht; ein Health Claim im Sinne der EU-Verordnung 432/2012 besteht nicht.
Wirkmechanismen
Keratolytischer Effekt
Allantoin löst verhärtete Hornzellen (Keratolyse) und ermöglicht so eine bessere Feuchtigkeitsaufnahme. Dieser Effekt macht es wertvoll für trockene, schuppige Haut.
Zellproliferationsförderung
In vitro und in Tiermodellen stimuliert Allantoin die Fibroblastenproliferation und fördert damit die Wundheilung. Klinische Daten am Menschen sind begrenzt.
Feuchtigkeitsbindung
Als Humektant bindet Allantoin Wasser an Hautzellen – unterstützt die natürliche Feuchthaltefunktion der Haut.
Anwendung in Produkten
- Wundheilcremes: 0,5–2 % Allantoin in Kombination mit Dexpanthenol.
- After-Sun-Pflege: beruhigt gereizte Haut nach UV-Exposition.
- Rasurprodukte: mildert Rasurbrand.
- Babypflege: gut geeignet für empfindliche Säuglingshaut.
Häufige Fragen
Ist Allantoin für empfindliche Haut geeignet?
Ja. Allantoin gilt als eines der mildesten kosmetischen Wirkstoffe und ist für empfindliche, trockene und gereizte Haut gut geeignet. Allergische Reaktionen sind sehr selten.
Woher kommt Allantoin in Kosmetika?
Meist aus synthetischer Herstellung (Glyoxylsäure + Harnstoff) oder aus Beinwellwurzelextrakt. Beide Quellen liefern identisches Molekül.
Hilft Allantoin bei Narben?
Es gibt Hinweise, dass Allantoin die Epidermiserneuerung unterstützt. Klinisch gut belegte Narbenpflege-Indikation fehlt; oft in Narbenpflegeprodukten kombiniert mit Silikon und Zwiebelextrakt.
Warum kann der Mensch Harnsäure nicht zu Allantoin abbauen?
Das notwendige Enzym Uricase (UOX) ist beim Menschen durch eine evolutionäre Mutation inaktiviert worden. Das ist der Grund, warum Menschen Gicht bekommen können – andere Säugetiere scheiden Allantoin aus und haben selten Gicht.
Kann ich Allantoin auch einnehmen?
Allantoin wird in kleinen Mengen in Lebensmitteln gefunden (Getreide). Als eigenständiges Supplement ohne medizinische Indikation nicht sinnvoll; keine EU-zugelassenen Health Claims vorhanden.
Fazit
Allantoin ist ein gut verträglicher, wissenschaftlich gut charakterisierter Hautpflegewirkstoff. Seine Besonderheit liegt auch in der Evolutionsgeschichte: Beim Menschen ist das Abbauenzym Uricase (UOX-Gen) stumm – was Allantoin zu einem für uns externen Wirkstoff macht, den wir dem Körper von aussen zuführen. In der Kosmetik ist es unersetzlich für empfindliche Haut.
Quellen
- Cosmetics Europe: Allantoin safety assessment, CIR Expert Panel, 2015.
- Friedland J.: Allantoin in dermatology, Cutis, 1994.
- Oda M. et al.: Loss of urate oxidase activity in hominoids, Mol. Biol. Evol., 2002.
Redaktioneller Lexikon-Beitrag von gene.ch · informativ, keine Heil- oder Gesundheitsversprechen · zuletzt geprüft 2026.
